Seit über einem Jahr beteiligt sich die Universität Genf am akademischen Dauerfeuer gegen Israel. Im Mai 2024 besetzten pro-palästinensische Gruppen Universitätsgebäude, forderten einen sofortigen Waffenstillstand in Gaza, die Beendigung aller Kooperationen mit israelischen Hochschulen sowie die Anerkennung eines angeblichen «Genozids in Gaza». Die Hochschulleitung zeigte sich beeindruckt. Was als Studentenprotest begann, hat sich institutionell verfestigt.
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Da ist es nur folgerichtig, dass die medizinische Fakultät am 11. Juni eine Konferenz mit dem Titel «Angriffe auf das Gesundheitswesen: Vom syrischen Bürgerkrieg bis nach Gaza und Khartum» organisiert.
Hauptredner ist ein Chirurg mit palästinensischen Wurzeln, dessen Familie 1948 aus dem Süden Israels floh. Gaza dürfte aufgrund seiner Biografie deshalb im Zentrum der Veranstaltung stehen – trotz seiner einschlägigen Erfahrungen in anderen Krisenregionen. Thematisiert werden laut Einladung jene systematischen Angriffe auf medizinische Einrichtungen, die in Konflikten zur «normalisierten Praxis» geworden seien. Man wolle deshalb der Frage nachgehen, wie sich diese «implizite Verhaltensnorm» hinterfragen lasse.
Nichts leichter als das, zumindest im Gazastreifen: Terroristen nutzen Krankenhäuser gezielt für militärische Zwecke – als Tunnelzugänge, Waffenlager, Kommandozentralen. Damit werden zivile Einrichtungen völkerrechtlich angreifbar. Denn Artikel 52 der Genfer Konventionen stellt klar: Wer medizinische Infrastruktur zu Kriegszwecken missbraucht, verliert den Schutzstatus. Die Verwendung von Spitälern als Deckung für Kampfhandlungen ist ein Kriegsverbrechen – insbesondere wenn Patienten und Personal in Gefahr geraten.
All das bleibt in Genf unerwähnt. Die Hamas wird geschont. Warum, muss man kaum fragen.
Denn die Universität Genf hat sich längst in eine Bühne für einseitige Schuldzuweisungen an Israel verwandelt. Einen akademischen Boykott wie gegen Russland (seit Februar 2022) gibt es zwar nicht. Aber die Rhetorik ist klar: Man erklärt, dass «die politische Lage in Israel die bestehenden Abkommen de facto aushöhlt». Deshalb will die Genfer Universität Kooperationen mit den Hochschulen in Tel Aviv und Jerusalem einstellen.
Die Unileitung bringt ihre «Empörung über die humanitäre Lage in Gaza» zum Ausdruck, ruft alle Parteien, insbesondere die israelische Regierung, «zur Achtung der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts auf» und erinnert an das «Recht der Bevölkerung auf Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung». Mit anderen Worten: Hamas-Terroristen, die seit mehr als 600 Tagen israelische Geiseln festhalten, die eigene Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde einsetzen sowie humanitäre Güter den Meistbietenden verkaufen und sich daran bereichern, gelten an der Rhone als Unschuldslämmer.
Bereits 2024 bekannte sich die Genfer Hochschule zur «Solidarität mit der akademischen Gemeinschaft in Gaza», beklagte die Zerstörung von Bildungsinfrastruktur und äusserte Sorge um Forschung und Lehre – ohne je zu erwähnen, dass es im Gazastreifen weder Presse- noch Wissenschaftsfreiheit gibt. Nicht wegen Israel – sondern wegen der Hamas.
Denn in den Universitäten von Gaza herrschen politische Kontrolle, ideologische Repression und religiöser Dogmatismus. Wer wissenschaftlich arbeitet, steht unter permanenter Beobachtung der Hamas – und riskiert sein Leben. Universitäten wie die Islamische Universität Gaza fungieren längst als ideologische Vorposten der Hamas.
Forschung, Lehre, Diskussion – all das ist nur erlaubt, solange es der Herrschaftslogik des Hamas-Regimes dient. Diese Unfreiheit wird von Genfer Akademikern übersehen – geschweige denn angeprangert.
Die Genfer Massnahme trifft deshalb die Falschen. Denn ausgerechnet an den Unis von Tel Aviv und Jerusalem, mit denen Genf die Zusammenarbeit einstellt, sind viele Akademiker ausgesprochen kritisch gegenüber ihrer eigenen Regierung. Wer Wissenschaft und hinterfragendes Denken stärken will, sollte ihnen beistehen – und sie nicht isolieren.