An der heutigen 80-Jahr-Feier mit eindrücklicher Militärparade über den Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg hat auch die Schweizer Botschafterin in Moskau, Krystyna Marty Lang, teilgenommen.
Dies ist angesichts der Spannungen zwischen unserem Land und Russland wegen der Beteiligung der neutralen Schweiz an den EU-Wirtschaftssanktionen und der deswegen erfolgten Einstufung als «nicht befreundeter» Staat ein erfreuliches Zeichen der Entspannung.
Noch vor wenigen Tagen hat das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gegenüber der Weltwoche behauptet: «Es liegt keine offizielle Einladung vor.» Dem widerspricht die russische Nachrichtenagentur Tass, die am 6. Mai festgehalten hat, dass mehr als 150 in Russland akkreditierte Botschafter zur Siegesparade vom 9. Mai eingeladen worden seien. Dies betraf offenbar sämtliche diplomatische Missionen in Moskau, also auch die Schweiz.
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Während von den Regierungen der EU-Staaten nur der slowakische Ministerpräsident Robert Fico zum 80. Jahrestag nach Moskau gereist ist, hat die Schweiz richtigerweise ein Zeichen der Dankbarkeit an die Millionen russischer Kriegsopfer gesetzt. Immerhin haben die sowjetischen Truppen durch einen extrem hohen Blutzoll mitgeholfen, 1945 auch die Schweiz aus der Umklammerung von Nazis und Faschisten zu befreien.
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Eher peinlich nimmt sich dagegen der Gedenkanlass der EU-Aussenminister in Lemberg aus, der ausgerechnet am 80. Jahrestag der Befreiung von Nazi-Deutschland den Startschuss für ein «internationales Tribunal zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine» gegeben hat. Die Rolle der Ukrainer im Zweiten Weltkrieg ist angesichts von eineinhalb Millionen ermordeten ukrainischen Juden, der weitgehenden Verbrüderung der Bevölkerung mit den Nazis und der faschistischen Bandera-Brigaden keineswegs sehr ruhmreich. Banderas Milizen haben ausgerechnet in Lemberg nach dem Einmarsch der Wehrmacht teilweise die Polizeigewalt übernommen und entsprechende Gräuel verübt.
Das Aussendepartement EDA bestätigt gegenüber der Weltwoche offiziell die «Einladung der russischen Präsidialverwaltung» und die Teilnahme von Botschafterin Krystyna Marty Lang an der heutigen Siegesfeier:
«Die Schweiz pflegt diplomatische Beziehungen zu Russland. Im Rahmen der Protokollvereinbarungen ist es üblich, einer offiziellen Einladung des Gastlandes positiv zu begegnen. Die Haltung der Schweiz bleibt unverändert: Wir verurteilen den Krieg gegen die Ukraine und werden Russland weiterhin dazu auffordern, umgehend eine Deeskalation der Situation einzuleiten, alle Kampfhandlungen zu beenden und seine Truppen unverzüglich aus dem ukrainischen Territorium abzuziehen.»