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Feind für alle Fälle

Feind für alle Fälle

Das Russland-Bashing durch den Westen wird immer schriller. Mit Täuschungsmanövern wird versucht, den Nato-Bündnisfall auszulösen.

Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit», formulierte der US-Senator Hiram Johnson im Ersten Weltkrieg eine allgemeingültige Wahrheit. Sie gilt nicht nur verbal für Propagandalügen und falsche Siegesmeldungen, die verbreitet werden. Auch militärische Aktionen können zum Gespinst von Unwahrheiten beitragen – meist noch viel überzeugender als jedes Wort. Die Methode ist so alt wie die Kriegsführung: Man inszeniert einen Überfall, eine Attacke, einen Zwischenfall – und schiebt ihm den Gegner in die Schuhe.

Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
Prinzipien der psychologischen Kriegsführung: EU-Chefin von der Leyen, Premier Tusk, 31. August.
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Willkommener Vorwand für Krieg

False-Flag-Operationen nennt man solche Aktionen – hergeleitet von einer Kriegslist, die spanische, britische und niederländische Kapitäne erstmals im 15. Jahrhundert anwendeten. Sie hissten nicht die eigene, sondern eine fremde Flagge, um den Gegner so lange in Sicherheit zu wiegen, bis sein Schiff in Reichweite der eigenen Kanonen war.

Nicht nur die «Bösen» bedienten sich im Laufe der Geschichte dieser Methode, auch die vermeintlich «Guten». In die Geschichte eingegangen ist die Versenkung des US-Kriegsschiffes «USS Maine» 1898 im Hafen von Havanna. Sie lieferte den Vereinigten Staaten den lange gesuchten Vorwand, um Spanien den Krieg zu erklären und so aus seinen Besitzungen in der Neuen Welt zu vertreiben. Heute ist ziemlich genau erwiesen, dass Washington selbst hinter der Explosion stand.

Die wohl folgenschwerste «False Flag» war der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz durch polnische Soldaten am 31. August 1939. Tatsächlich waren es verkleidete SS-Männer, die die deutsche Radiostation attackierten. So lieferten sie Adolf Hitler den Vorwand, sich gegen den polnischen «Aggressor» zu verteidigen und die Bevölkerung für den Krieg zu gewinnen. Es war der Startschuss zum Zweiten Weltkrieg.

So erfolgreich ist die Methode, dass sie natürlich immer wieder auch im Ukraine-Krieg zur Anwendung kommt. Vor allem die politische Führung und der Generalstab in Kiew greifen gern darauf zurück – wie gerade erst Polens ehemaliger Staatschef Andrzej Duda enthüllte: Schon 2022 feuerte die Ukraine nach seinen Worten eine Rakete auf polnisches Staatsgebiet ab und behauptete, diese sei in Russland abgeschossen worden. Als Duda seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj zur Rede stellte, stritt der alles ab. Zum Glück konnte der Pole die westlichen Verbündeten überzeugen. Wäre die Ukraine mit der Lüge durchgekommen, hätte die Nato auf diesen Angriff reagieren müssen – und hätte sich plötzlich in einem heissen Krieg mit Moskau befunden.

Das aber ist noch immer das Ziel der Ukraine, die erkannt hat, dass sie trotz aller westlichen finanziellen und militärischen Unterstützung der russischen Übermacht auf Dauer unterlegen ist. Entsprechend skeptisch sind denn auch erste Reaktionen auf die angebliche russische Drohnenattacke auf Polen. So soll das weissrussische Militär Polen und Litauen gewarnt haben, Drohnen seien elektronisch gehackt und auf einen anderen Kurs gelenkt worden. Ob zufällig oder absichtlich und von wem, von Russland oder der Ukraine, ist nicht bekannt.

Für Politik und Medien im Westen ist das irrelevant. Es genügte der Anschein einer russischen Attacke, um alle Masken fallen zu lassen. Vom schwersten Angriff auf die Nato wurde da gedröhnt, vom Auftakt zu Weltkrieg Nummer drei. Haben wir es nicht schon immer gesagt: Der russische Bär hat seine Tatzen ausgefahren. Am widerlichsten formulierte es CDU-Oberst Roderich Kiesewetter: Schluss mit dem «Gesülze von Friedensverhandlungen». Was meint er damit? Bomben auf Moskau? Es klang beunruhigend nach dem Satz «Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen», mit dem die Nazipropaganda auf den getürkten Überfall auf Gleiwitz reagierte.

 

Entmenschlichung des Feindes

Mit solchen unverantwortlichen Äusserungen hätte Kiew ein Etappenziel auf dem Weg zu einem formellen Kriegseintritt der Nato erreicht. Hoffnungsvoll stimmt, dass sich die USA nicht so hysterisch wie die Europäer am Russland-Bashing beteiligt haben. Vielleicht hat man dort die Lehren aus einem anderen Zwischenfall gezogen, bei dem sich die finstere Beteiligung Russlands rasch in Luft auflöste: Der vermeintliche Angriff auf das GPS-System des Flugzeugs, in dem EU-Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen ins bulgarische Plowdiw flog.

Zu den Prinzipien der psychologischen Kriegsführung gehört es, den Gegner maximal zu dämonisieren. Am Ende steht die Entmenschlichung des Feindes. Politik und Medien befinden sich auf einem gefährlichen, abschüssigen Weg. Es wird jeden Tag schwieriger, ihn zu verlassen.

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