Dass die EU den Schweizer Jacques Baud mit Sanktionen belegt hat, ist ein Skandal. Aber ehrlich: Von dieser Institution hätte man nichts anderes erwartet, oder? Der grössere Skandal spielt sich in Bauds Schweizer Heimat ab. Von der Eidgenossenschaft hätte man eigentlich erwartet, dass sie ihrem, nun ja, Eidgenossen beispringt.
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Wie heisst es doch so eindrucksvoll und berührend bei Schiller? «Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr … eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.»
Wenn Brüder, dann eher Kain und Abel. Keine Hand rührte sich im offiziellen Bern für den ehemaligen Staatsdiener, kein Mucks wurde laut, keine Frage wurde gestellt.
Etwa: Auf welcher rechtlichen Grundlage kann die EU dem Staatsbürger eines fremden Landes das Recht auf Freizügigkeit entziehen? Ihn de facto bestehlen kann, indem sie seine Konten sperrt? Nach welchem Recht verbietet es die EU einem EU-Bürger, einem Schweizer Geld zu geben?
Man hätte wütende Proteste erwarten dürfen, die Einbestellung des EU-Botschafters, die Drohung mit Klagen vor internationalen Gerichten. Stattdessen: nichts. Schweigen. Kein peinliches Schweigen. Feiges Schweigen.
Hätte dieser Bundesrat zu Tells Zeiten das Sagen gehabt, es hinge noch immer eine Kopfbedeckung an der Stange. Nur heute wohl eine Baseball-Mütze.