Der serbische Präsident Aleksandar Vucic sieht in der Amtsübernahme Donald Trumps als US-Präsident eine Chance für Fortschritte im Ukraine-Krieg. In einem Interview mit dem Handesblatt sagte Vucic: «Ich glaube daran, dass wir mit Donald Trump näher an einen Frieden kommen. Dies wäre auch sehr wichtig für Europa und Deutschland, das nicht daran interessiert ist, in einen Krieg hineingezogen zu werden. Wir in Serbien auch nicht.»
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Vucic betonte, dass Europa einen rationaleren Ansatz im Umgang mit dem Krieg brauche: «Wir hören täglich, dass die Ukraine unbedingt gewinnen müsse. Aber handelt Europa auch so? Nein.» Er verwies auf die wachsenden globalen Herausforderungen für Europa und kritisierte, dass die politische Handlungsfähigkeit auf dem Kontinent nachlasse.
Laut Vucic ist eine Vermittlung durch China denkbar. In einem Gespräch mit Präsident Xi Jinping habe dieser ihm gesagt: «Nichts wird sich bis Januar bewegen. Danach könnten Verhandlungen stattfinden.»
Der serbische Präsident warnte jedoch vor einer möglichen Eskalation: «Ich meine eine weitere Eskalation, in der Russland auf den Beschuss mit westlichen Raketensystemen reagiert. Wer glaubt, Putin würde diese mächtigen Waffen nicht einsetzen, der täuscht sich.»
Vucic bezeichnete die Ukraine, Russland und Europa als die grössten Verlierer des Konflikts, während die USA und China profitieren würden. «Der eine stärkt seine Position auf dem Energiemarkt, und China hat nun eine klare Vorstellung davon bekommen, wie jedes einzelne westliche Land auf Aggressionen reagiert.»
Zur strategischen Partnerschaft mit Deutschland im Bereich Lithium erklärte Vucic, das Projekt mache Fortschritte. «Deutschland wird das einzige Land sein, das wir direkt mit Lithium beliefern werden.» Damit wolle man Europas Abhängigkeit von Importen aus anderen Weltregionen reduzieren.
Vucic war Anfang Dezember zu Gast im Zürcher Hotel Dolder Grand bei der jährlichen «Zürcher Rede» der Weltwoche. Im Gespräch mit Verleger und Chefredaktor Roger Köppel stellte Vucic die Position Serbiens im Ukraine-Konflikt klar.
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