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Die Weltwoche

Ticker: Drama von Crans-Montana

26.02.2026
Hubert Mooser

Hubert Mooser

Bundesrat spricht acht Millionen Franken für Crans-Montana-Opfer: Die Geldgeschenke könnten zum gefährlichen Präjudiz werden

Bild: PETER SCHNEIDER / KEYSTONE

Es ist immer die gleiche Leier: Wenn vom Ausland Unheil über die Schweiz hereinbricht, versucht der Bundesrat dieses mit Geldgeschenken abzuwenden. Im gleichen Modus operiert nun die Landesregierung im Falle der Brandkatastrophe von Crans-Montana.

Als Ende der 1990er Jahre der internationale Druck wegen der Holocaust-Gelder auf Schweizer Banken stieg und das Land als raffgieriges Volk in Verruf geriet, lancierte der damalige Justizminister Arnold Koller (CVP) die Idee einer Solidaritätsstiftung und wollte so ein Zeichen von nationaler und internationaler Verbundenheit setzen. Das Image der Schweiz sollte damit aufgebessert werden.

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana sucht die Landesregierung nun den Befreiungsschlag in Form eines Solidaritätsbeitrages. Der Bund will den Opfern sofort und unbürokratisch 50.000 Franken überweisen. Damit wird ein gefährliches Präjudiz geschaffen. Noch bevor die Schuldfrage geklärt ist, will man bereits Geld verteilen. Mit dieser Art der Aufarbeitung wird der Eindruck erweckt, die Eidgenossenschaft trage eine moralische Mitschuld.

Es ist in Ordnung, wenn die Gemeinde Crans-Montana und der Kanton Wallis Soforthilfe leisten und für die Kosten aufkommen. Allenfalls stehen auch die Versicherungen in der Pflicht – aber keineswegs der Bund.

Ausserdem muss erst noch geklärt werden, wer verantwortlich ist. Schauen wir uns einmal an, was in Österreich im Ferienort Kaprun vor Jahren ablief. Dort starben im Jahre 2000 in einer Gletscherbahn 155 Menschen. Nach acht Jahren und zähen Verhandlungen bekamen die Opferfamilien dort einen Betrag von 30.000 Euro (27.000 Franken), wobei der Staat Österreich einen minimen Beitrag zu dieser Summe beisteuerte.

Es ist auch naiv, zu glauben, dass uns die ganze Welt deswegen wieder ins Herz schliesst. Nein, es wird die Anwälte der Opferfamilien erst recht anstacheln.

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21.02.2026
Hubert Mooser

Hubert Mooser

Italiens Schweiz-Bashing nach Crans-Montana-Inferno: Über die masslose Selbstüberschätzung unserer südlichen Nachbarn

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Was fällt uns zu Italien ein? Meer, Sonne, Pizza, malerische Städte, Dolce Vita – aber auch Schlampereien, Korruption, Mafia, Asylchaos und eine Staatsverschuldung, dass einem schwindlig wird.

Der Filmemacher Franco Zeffirelli hat sein Heimatland folgendermassen beschrieben: «In Italien funktionieren nur drei Institutionen: der Vatikan, die Mafia und die Scala [das Opernhaus, red.] in Mailand.»

Welche Schlagworte gehören zur Schweiz? Berge, Schnee, Uhren, Schokolade, Banken, funktionierende Institutionen, eine tiefe Schuldenquote, wenig Arbeitslose, Wohlstand, Sicherheit, schweizerische Arbeitsmoral und eine hohe Lebensqualität.

Leider ist in der Silvesternacht das Grauen über dieses Land hereingebrochen. Ein Brand in einer Bar in Crans-Montana kostete 41 Menschen das Leben, 115 wurde zum Teil schwer verletzt. Sechs Tote und viele Versehrte sind Italiener.

Seither vergeht kaum ein Tag, an dem die italienischen Politiker und Medien der Schweiz nicht den Prozess machen. Ausgerechnet Italien. Die dort von Politik und Medien inszenierte Empörung ging gar so weit, dass unser südlicher Nachbar den Botschafter in Bern kurzerhand abberufen hat.

Gestern fand in Bern ein weiterer Akt dieser «Opera buffa» statt. Eine Ermittlertruppe aus Italien mit dem obersten Römer Staatsanwalt Francesco Lo Voi marschierte auf, um sich mit der Walliser Staatsanwaltschaft und Béatrice Pilloud über die Brandkatastrophe in Crans-Montana auszutauschen.

Man versprach sich, gegenseitig enger zusammenzuarbeiten, tauschte Ermittlungsergebnisse aus. Auch sollen künftig Untersuchungsbeamte bei Ermittlungen im jeweils anderen Staat anwesend sein. Gut, hatte die Schweiz wenigstens die Kraft und den Mut, den Italienern eine gemeinsame Ermittlungstruppe auszureden. Jedenfalls wurde darüber nach dem Treffen in Bern nicht mehr geredet.

Man fragt sich aber zunehmend, was das für arrogante Allüren eines Landes sind, das seit Jahren am Staatsbankrott entlangsegelt und von Skandalen erschüttert wird. Jeder Norditaliener, der ein Auto besitzt, drängt für eine gutbezahlte Arbeitsstelle ins Tessin. Wir bezahlen Italien die Zufahrtsstrecken für die Alpentransversalen, schicken über den EU-Kohäsionsfonds Millionen zur Bewältigung des italienischen Asylchaos. Und dennoch lassen wir es zu, dass ausgerechnet dieser Staat die Schweiz wie eine Bananenrepublik behandelt.

Glauben die Italiener tatsächlich, dass sie zu den Ermittlungen der Schweizer Behörden vor Ort einen wichtigen, einschneidenden Beitrag leisten können? Was kann dieses Land ermittlungstechnisch tatsächlich bieten? Oder will Italien bloss umfassende Einsicht in die Ermittlungsakten, um die Eidgenossenschaft öffentlich durch den Dreck zu ziehen?

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15.02.2026

Fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung des Lebens: Strafanzeige gegen Crans-Montana Gemeindepräsident Nicolas Féraud eingereicht

Bild: CYRIL ZINGARO / KEYSTONE

Nach der tödlichen Brandkatastrophe von Crans-Montana ist Strafanzeige gegen den Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud eingereicht worden. Zwei Walliser Anwälte werfen ihm im Zusammenhang mit dem Feuer in der Bar «Le Constellation» fahrlässige Körperverletzung, Gefährdung des Lebens anderer sowie fahrlässige Brandstiftung vor.

Wie cash berichtet, haben die Anwälte Alain und Anne-Sophie Viscolo die Anzeige im Namen eines schwer verletzten Opfers und dessen Eltern eingereicht. Neben Féraud richtet sich die Strafanzeige auch gegen die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti. In der Silvesternacht waren bei dem Brand 41 meist junge Menschen ums Leben gekommen, 115 weitere wurden teils schwer verletzt.

Féraud erklärte, er habe keine Kenntnis von der Anzeige und äussere sich nicht dazu. Die Anhörung des Ehepaars Moretti als Beschuldigte verlief in Sitten unter grosser Spannung. Angehörige von Opfern beschimpften die Betreiber als «Mörder» und «Monster». Auch deren Anwälte gerieten ins Visier verbaler Attacken.

Die Präsidenten der Anwaltskammern der Kantone Wallis, Waadt und Genf verurteilten die Vorfälle scharf. «Wir verurteilen mit grösster Entschiedenheit die verbalen und körperlichen Angriffe sowie die Drohungen, denen die Strafverteidiger ausgesetzt waren», heisst es in einer Erklärung. Man erinnere daran, dass «die Zeit der Justiz nicht die Zeit der Medien ist».

Während die juristische Aufarbeitung läuft, stabilisieren sich laut Tourismusdirektor Bruno Huggler die Hotelbuchungen im Ferienort. Gleichwohl sei die Stimmung in der Region weiterhin «traurig», sagte ein Vertreter der lokalen Gastronomie.

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12.02.2026
Hubert Mooser

Hubert Mooser

Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann fährt dem Kanton Wallis an den Karren – obwohl sein Kanton kein Stück besser ist

Bild: TIL BUERGY / KEYSTONE

Eigentlich hätte er zur Brandkatastrophe in Crans-Montana nichts sagen brauchen. Aber der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann hatte leider nicht die Gnade, sich mit unhaltbaren Anschuldigungen zurückzuhalten. Die Gier nach Aufmerksamkeit war offenbar zu gross.

Was er an Vorwürfen gegen das Wallis aus dem Ärmel schüttelt, schlägt dem Fass aber definitiv den Boden aus. Zuerst polterte Portmann in den sozialen Medien Folgendes: «Was macht der Kanton Wallis eigentlich mit der jährlich wiederkehrenden Milliarde aus dem Finanzausgleich und den zusätzlichen Bundessubventionen? Wer weiss, vielleicht kommt noch der Zeitpunkt, wo man diesen Kanton unter nationale Aufsicht stellen muss.»

Als ihn die Oberwalliser Tageszeitung Walliser Bote (WB) mit seinen Aussagen konfrontiert, setzt er noch einen drauf. Selbstherrlich gibt er zur Antwort: Die Walliser Medien sollten nicht fragen, weshalb er diesen Tweet gepostet habe, sondern die Statistik all ihrer «lokalen Skandale» aufarbeiten, um die althergebrachte «Kumpanenpolitik» zu beenden, so Portmann.

Was für eine unqualifizierte, groteske Kritik. Es wäre gescheiter, der Zürcher hätte das Ergebnis der Strafuntersuchung abgewartet, statt alles nachzuplappern, was die Medien teils kolportierten.

Es ist ausserdem ein parteipolitisches Eigengoal. Die FDP stellt mit Nicolas Féraud in Crans-Montana den Gemeindepräsidenten, der in dieser Funktion die Durchsetzung der Brandschutzvorschriften verantwortet.

Statt die Skandalstatistik anderer Kantone aufzuarbeiten, sollte sich Portmann gescheiter mit derjenigen seines eigenen Heimatkantons beschäftigen. Als am 9. Mai 1985 im Hallenbad Buchholz in Uster die Decke einstürzte, was zu zwölf Toten und neunzehn Verletzten führte, hat auch keiner öffentlich verlangt, den Kanton Zürich unter Vormundschaft zu stellen, weil die Aufsichtsbehörden Korrosionsschäden an der Deckenaufhängung nicht bemerkt hatten.

Ganz zu schweigen vom Untergang der Swissair oder SAir Group, wo die entscheidenden Stellen mit Exponenten besetzt waren, welche der FDP nahestanden – und natürlich jüngst dem Untergang der Grossbank Crédit Suisse, die mit dem freisinnigen Milieu liiert war.

Wer also im Glashaus sitzt, sollte besser nicht die grosse Vorwurfskeule schwingen.

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«Mörder»: Angehörige der Silvesternacht-Opfer beschimpfen Barbetreiber Jessica und Jacques Moretti auf dem Weg zur Einvernahme

Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE / KEYSTONE

Beim Eintreffen von Jessica und Jacques Moretti am Campus Energypolis in Sitten ist es heute zu heftigen Tumulten gekommen, berichtet der Blick. Mehrere Angehörige beschimpften das Betreiberpaar der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana lautstark und bezeichneten es als «Mörder». Die Szenen sorgten international für Schlagzeilen.

Der italienische Corriere della Sera schrieb von «heftigen Protesten gegen die Morettis bei ihrer Ankunft in Sitten», die britische Daily Mail titelte: «Wütende Familien attackieren Besitzer des Schweizer Nachtklubs – Entsetzen in den Augen der Betreiberin». Bilder zeigen eine aufgebrachte Menge, die das Ehepaar beim Betreten des Geländes bedrängte.

Jacques Moretti reagierte aufgebracht auf die Vorwürfe und wandte sich direkt an die Anwesenden: «Wenn wir zahlen müssen, werden wir zahlen. Wir sind keine Mafia, wir sind Arbeiter. Wir werden unsere Verantwortung übernehmen, wir werden uns der Sache annehmen, das versprechen wir Ihnen, wir sind hier, um Gerechtigkeit zu erlangen.»

Nach den Zwischenfällen kündigte die Kantonspolizei Wallis an, ihre Sicherheitsvorkehrungen anzupassen. Sie werde «ihre Vorkehrungen ab Donnerstagabend anpassen», teilte sie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Bislang war die Ankunft des Ehepaars und seiner Anwälte jeweils von zwei Polizisten begleitet worden, ohne dass es zu Ausschreitungen kam.

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11.02.2026
Peter Bodenmann

Peter Bodenmann

Abo Das Tal der Generalagenten

Bild: Illustration: Fernando Vicente

Unheimlich viele Schreiber und Schreiberinnen, die seit Jahren keinen Bezug zum Wallis haben, publizieren seitenlange faktenfreie Betroffenheitsartikel. Halten wir fest: Die Kirche spielt im Wallis keine Rolle mehr. Früher missionierten Walliser in Indien oder in Afrika. Heute müssen Priester aus Indien und anderen fernen Ländern sicherstellen, dass noch ab und zu eine Messe stattfindet. Das [&

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09.02.2026
Hubert Mooser

Hubert Mooser

IT-Chaos in Crans-Montana: Die Gemeinde entschuldigt fehlende Brandschutzkontrollen mit einer Systempanne – wie bitte?

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Ein Konflikt zwischen der Gemeinde und einem IT-Fachmann könnte, so berichten die Sonntagszeitung und andere Medien, dafür verantwortlich sein, dass bei Hotels, Restaurants, Bars und einzelnen Schulhäusern in Crans-Montana nicht überprüft wurde, ob die Brandschutzvorschriften eingehalten wurden.

Denn bei einer IT-Panne seien Daten zu Kontrollen verlorengegangen. Laut dem Sicherheitschef der Gemeinde wussten die Sicherheitsbehörden nach dem Software-Zusammenbruch nicht mehr, wann welche Gebäude und Räumlichkeiten bereits überprüft worden waren.

Was für eine peinliche und fadenscheinige Argumentation.

Nun soll also ein Datenverlust schuld daran sein, dass Kontrollarbeiten seit 2019 nicht ausgeführt wurden? Wenn der Computer ausfällt und Daten verschwinden, heisst das nicht, dass man sich einfach zurücklehnen kann. Wenn die IT ausfällt, dann muss man halt auf analoge Mittel zurückgreifen.

Mit diesem Argument wird sich die Gemeinde wohl kaum aus der Verantwortung ziehen können. Die IT-Panne taugt als Entschuldigung gar nicht.

Tatsache ist, dass es um den Brandschutz in Crans-Montana bis zur Katastrophe in der Silvesternacht mit 41 Toten und 116 Verletzten alles andere als gut stand.

Es stellt den Behörden auch nicht gerade ein gutes Zeugnis aus, dass der Gedenkort mit Bildern und Kerzen für die Opfer am Sonntag Feuer fing. Dieses konnte zwar umgehend gelöscht werden. Aber eine brennende Gedenkstätte nach so einer Katastrophe – das ist jetzt einfach bloss noch beschämend.

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05.02.2026

Crans-Montana: Versicherungssummen der Gemeinde und der Bar dürften «bei weitem nicht ausreichen», um Schaden zu decken

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana rückt die Frage in den Vordergrund: Wer haftet für die Schäden, die das Feuer verursacht hat? Noch ist unklar, ob überhaupt jemand haftbar gemacht werden kann – und wenn ja, wer. Die juristische Aufarbeitung dürfte Jahre in Anspruch nehmen.

Bis dahin gehen die Sozialversicherungen in Vorleistung. «Aus haftpflichtrechtlicher Sicht können die entsprechenden Arbeiten erst aufgenommen werden, sobald eine belastbare Faktenlage vorliegt», sagt Urs Arbter, Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV), der Neuen Zürcher Zeitung. Entscheidend sei deshalb eine unabhängige Untersuchung – auch weil die Erkenntnisse des Strafverfahrens später die zivilrechtliche Haftungsbeurteilung prägen werden.

Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen die Betreiber der Bar «Le Constellation», Jacques und Jessica Moretti. Inzwischen wurde das Verfahren auch auf zwei Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde Crans-Montana ausgeweitet. Eine mögliche Haftung der Gemeinde oder gar des Kantons Wallis wird von Experten nicht ausgeschlossen – etwa dann, wenn feuerpolizeiliche Kontrollen mangelhaft waren oder Aufsichtspflichten verletzt wurden.

Versichert sind sowohl die Gemeinde Crans-Montana als auch die Bar bei Axa Schweiz. Die betroffenen Policen sind laut Axa «branchenübliche Standardverträge» mit Deckungssummen zwischen fünf und zwanzig Millionen Franken. Ob diese Beträge im Schadensfall ausreichen, ist jedoch fraglich. «Derzeit ist noch nicht klar, wer haftet», erklärt Karin Rüttimann, Leiterin Schaden Schweiz bei Axa. Das Strafverfahren müsse zunächst klären, wer zur Verantwortung gezogen wird. Erst dann könne Axa als Haftpflichtversicherer tätig werden.

Fest steht allerdings: Die Versicherungssummen der Gemeinde und der Bar, sofern diese haften, dürften «bei weitem nicht ausreichen», um die finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und der Hinterbliebenen zu decken, schreibt die NZZ.

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02.02.2026

Crans-Montana: Brandopfer stirbt im Zürcher Uni-Spital an Krankenhauskeim – Zahl der Toten steigt auf 41

Bild: VALENTIN FLAURAUD / KEYSTONE

Nach dem Flammeninferno von Crans-Montana ist ein weiteres Opfer gestorben – diesmal nicht an den direkten Folgen des Feuers, sondern an einer Infektion mit einem sogenannten Krankenhauskeim. Wie das Universitätsspital Zürich dem Portal Inside Paradeplatz bestätigt, handelt es sich um einen 18-Jährigen aus Lutry VD.

Acinetobacter baumannii trete leider immer wieder im Zusammenhang mit der Betreuung von brandverletzten Patienten auf, teilte das Universitätsspital mit. Neben dem Verstorbenen wurde ein zweites Brandopfer mit dem Keim infiziert. Weitere Übertragungen sind laut Spitalangaben in den letzten vier Wochen verhindert worden.

Der Keim gilt als antibiotikaresistent und damit besonders gefährlich für schwerverletzte Patienten. Fachleute schätzen, dass sich durch eine Infektion mit dem multiresistenten Erreger die Überlebenschancen bei Brandopfern um rund 50 Prozent verringern.

Der 18-Jährige ist das 41. Todesopfer nach dem verheerenden Feuer in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana. Laut Medienberichten befinden sich noch immer mehrere der verletzten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in medizinischer Behandlung.

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13.01.2026

Crans-Montana: Italienische Staranwältin fordert 50 Milliarden Euro als Entschädigung für Opfer

Bild: GEORGI LICOVSKI / KEYSTONE

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana fordert die italienische Staranwältin Annamaria Bernardini de Pace einen Entschädigungsfonds von mindestens 50 Milliarden Euro. Dies sagte sie im Interview mit der italienischen Zeitung Il Giornale.

Die Juristin wirft den Verantwortlichen vor, nicht nur fahrlässig gehandelt zu haben. Wer bei Brandschutz und Notausgängen spare, nehme den Tod von Menschen bewusst in Kauf. Dies könne juristisch als «Eventualvorsatz» gewertet werden. Besonders kritisierte sie die Sicherheitslage vor Ort. In einem überfüllten Lokal habe es offenbar nur einen Notausgang gegeben, der zudem abgeschlossen gewesen sei.

«Den Morettis kann nicht nur Fahrlässigkeit angelastet werden; nein, sie tragen eine schwerere und tiefere Verantwortung – die eines Massakers», sagte Bernardini de Pace.

Die Anwältin sieht die Verantwortung nicht allein bei den Betreibern, sondern auch bei den Behörden. Gemeinde, Kanton und Bund hätten ihre Kontrollpflichten vernachlässigt. Zudem kritisierte sie das Vorgehen der Ermittler. Es habe zunächst keine Beschlagnahmungen gegeben, Festnahmen seien erst nach zehn Tagen erfolgt. In dieser Zeit hätten Beweise verändert oder Vermögenswerte verschoben werden können, warnte sie.

Die Schweiz habe sich international blamiert, sagte Bernardini de Pace, und könne Glaubwürdigkeit nur durch entschlossenes Handeln zurückgewinnen. Dazu gehöre aus ihrer Sicht die sofortige Einrichtung eines milliardenschweren Entschädigungsfonds für die Opfer und deren Angehörige.

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12.01.2026

Gemeinde Crans-Montana darf im Strafverfahren nicht als Klägerin auftreten

Bild: CYRIL ZINGARO / KEYSTONE

Die Gemeinde Crans-Montana darf im Strafverfahren nach der Brandkatastrophe vom 1. Januar nicht als Klägerin auftreten. Das teilte die Walliser Staatsanwältin dem Anwalt der Gemeinde mit, wie der Sender RTS berichtet. In ihrem Schreiben vom 5. Januar erklärte sie, die Gemeinde komme «nicht als Klägerin in Frage», da nur Personen als geschädigte Partei gelten könnten, «deren Rechte durch eine Straftat unmittelbar beeinträchtigt wurden».

Nachdem die Staatsanwältin ankündigte, den Antrag abzuweisen, zog die Gemeinde ihren Antrag am 8. Januar zurück. Der Anwalt schrieb, Crans-Montana tue dies «aus Respekt vor den Opfern und ungeachtet etwaiger rechtlicher Erwägungen».

Trotz des Rückzugs will die Gemeinde weiterhin als «Verfahrensbeteiligte» auftreten. Sie beantragt Zugang zu den Akten, Teilnahme an Anhörungen und das Recht, Fragen an Befragte zu stellen. Als Gründe nennt sie mögliche Verstösse des Betreibers gegen Bau- und Gastgewerbevorschriften – etwa einen blockierten Notausgang, eine verengte Treppe und fehlende Alterskontrollen. Ein Pool von vier Staatsanwälten soll nun entscheiden, ob die Gemeinde diesen Status erhält.

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David Biner

David Biner

Finger-Vergleich auf Bildern: War die Wirtin Teil des fatalen Feuer-Kommandos?

Immer mehr Details aus der tödlichen Silvesternacht in Crans-Montana dringen an die Öffentlichkeit. Nach Medienberichten befand sich Jessica Moretti, die Frau des Wirts Jacques Moretti, im unteren Stock der Bar «Le Constellation», als der Brand dort ausbrach. Sie soll bei einer ersten Einvernahme ausgesagt haben, dass sie die Gäste aufgefordert habe, das Lokal zu verlassen. Sie selbst sei danach nach oben gestürmt, um den Notruf sowie ihren Ehemann zu alarmieren.

Gestützt auf Quellen von Einheimischen aus Crans-Montana hat die Weltwoche die Frage in den Raum gestellt, ob die Wirtin auf einem der im Internet kursierenden Videos zu sehen sei. Darauf ist eine Frau in einem schwarzen Paillettenkleid ersichtlich, deren Signalemente (Statur, Haare) zur Wirtin passen könnte. Sie bewegt sich zielbewusst an einen Ort, von wo aus sie einen letzten Blick in die Richtung des sich ausweitenden Feuers wirft. Danach macht sie rechtsumkehrt und verlässt unverzüglich das Untergeschoss über die Treppe. Die Musik läuft dabei weiter.

Weitere Bilder aus den letzten Minuten vor der Katastrophe lassen zudem die Vermutung zu, dass die Wirtin Teil des Trosses war, der die Champagnerflaschen mit den Feuerfontänen durchs Lokal trug. Von hinten ist eine Frau zu sehen, deren Äusserlichkeiten (Kleid und Haare) zu jener Frau des erwähnten Videos passen könnten. Sie trägt in der linken Hand eine Flasche mit Kerze, in der rechten ein Handy, mit dem sie das fatale Feuerkommando von hinten filmt.

Auf dem Bild ist zu sehen, dass über ihr der Schaumstoff an der Decke bereits Feuer gefangen hat. Sehr wahrscheinlich ausgelöst von den Fontänen auf den Flaschen, die von einer Mitarbeiterin, auf den Schultern eines Kollegen sitzend, im vorderen Teil des Trosses getragen wird. Auffallend sind die schlanken, etwas knöchernen Finger der Frau, die zur Hand von Jessica Moretti passen könnten, wie wiederum Bilder des Wirtepaars vor der Einvernahme bei der Walliser Staatsanwaltschaft am 9. Januar 2026 zeigen.

Entsprechende Hinweise und Informationen könnten bei einem allfälligen Prozess gegen die Wirtin eine wichtige Rolle spielen. Zum einen könnten sie dazu beitragen, ihre Aussagen über die Vorgänge in der Bar zumindest zu spiegeln. Zum anderen könnte sich ihr Verhalten, was sie in den entscheidenden Sekunden getan oder eben nicht getan hat, auf ein allfälliges Strafmass auswirken. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

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11.01.2026

Nach Brandkatastrophe in Crans-Montana: Zelllabor in Lausanne produziert Haut für elf Schwerverletzte

Bild: MARTIAL TREZZINI / KEYSTONE

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana in der Silvesternacht arbeitet das Universitätsspital Lausanne (CHUV) unter Hochdruck. Das hauseigene Zentrum für Zellproduktion hat bislang Hautgewebe für elf Brandopfer gezüchtet. Wie der Blick berichtet, wiesen die betroffenen Patienten Verbrennungen an mehr als 60 Prozent ihrer Körperoberfläche auf – eine Belastung, wie sie das Labor bisher noch nie erlebt hat.

«Wir wurden sehr rasch angefragt, bereits am Freitag, dem 2. Januar», sagte Biologin Stéphanie Droz-Georget von der Abteilung für Zellproduktion gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Ein kleines Stück gesunder Haut eines Patienten wurde entnommen und diente als Grundlage für die Gewebezucht im Labor in Epalinges bei Lausanne. Innerhalb von zwei bis drei Wochen wächst daraus eine transplantierbare Fläche von rund 2600 Quadratzentimetern – etwa so gross wie ein menschlicher Rücken.

Streng genommen handelt es sich nicht um vollständige Haut. «Sie haben keine Poren, und auch Haare fehlen», erklärt Droz-Georget. Da das Gewebe jedoch aus körpereigenen Zellen besteht, ist das Risiko einer Abstossung minimal. Das Transplantat wird in dünnen, rechteckigen Schichten auf die betroffenen Körperstellen gelegt und kann dort dauerhaft verbleiben. Bei Bedarf ist die Behandlung wiederholbar.

Das Zentrum, das jährlich sonst nur 15 bis 25 Anfragen erhält, sieht sich mit einer aussergewöhnlichen Welle an Patienten konfrontiert. Die aktuelle Krise hat die Teams emotional stark gefordert, aber auch spontane Solidarität ausgelöst. In Europa ist das Lausanner Labor einzigartig in seiner Grösse und besitzt eine Zulassung von Swissmedic. Neben Haut können dort auch andere Zellarten wie Knorpel gezüchtet werden.

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Florin Baeriswyl

Florin Baeriswyl

Crans-Montana: Wie die Schweiz als eine der glaubwürdigsten Marken der Welt gerettet werden kann

Bild: PIERRE ALBOUY / KEYSTONE

Die Schweiz war über Jahrzehnte eine der glaubwürdigsten Marken der Welt. Sie stand für Vertrauen, Solidität, Neutralität, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit. Diese Reputation entstand nicht durch Kommunikation, sondern durch Haltung und konsequentes Handeln.

In den letzten Jahren jedoch wurden diese Werte mehrfach infrage gestellt. Ein wachsender Staatsapparat, zunehmende Bürokratie und Entscheidungsträger, die zentrale Grundwerte nicht mehr kennen oder nicht mehr leben, haben Qualität und Konsistenz ausgehöhlt.

Die Symptome sind bekannt: das Swissair-Grounding, der Niedergang der Credit Suisse, strukturelles Missmanagement in Politik und Wirtschaft, offene Systeme ohne klare Verantwortung, der schrittweise Verlust der Neutralität und zuletzt Ereignisse wie «Le Constellation».

Der gemeinsame Nenner ist dabei selten fehlendes Fachwissen. Viel häufiger ist es Gier: Der kurzfristige Profit ersetzt die Qualität, Verantwortung wird ausgelagert, Wahrheit relativiert, Konsistenz aufgegeben.

An die Stelle der klassischen Schweizer Werte sind zunehmend Fahrlässigkeit, Wohlstandssattheit, Überheblichkeit und Verantwortungslosigkeit getreten. Welches sind denn heute glaubwürdigen Vorbildern für die junge Generation, sei es in der Politik, im Bundesrat oder in der Wirtschaft?

Branding lebt von Menschen, die Werte verkörpern. Ohne Persönlichkeiten mit Rückgrat verliert jede Marke ihre Orientierung und jede Gesellschaft ihre Richtung.

Ein Staat kann Branding nicht verordnen, und ein Staatsbetrieb kann es nicht glaubwürdig erzwingen. Echtes Branding entsteht von innen heraus durch Haltung, Unternehmergeist und persönliche Verantwortung.

Gerade deshalb sind Unternehmerinnen und Unternehmer gefordert, Verantwortung zu übernehmen und die Schweiz wieder an jene Werte heranzuführen, die sie stark gemacht haben: Eigenständigkeit, Vertrauen, Neutralität und Gerechtigkeit.

Dazu braucht es einen Staat, der sich auf ein funktionierendes, leistungsorientiertes Minimum konzentriert, einen Staat, der Rahmenbedingungen setzt, statt Werte zu verwalten.

Hätten Betreiber, Entscheidungsträger oder Aufsichtsbehörden bei «Le Constellation» die Schweizer Werte wirklich gekannt und respektiert, wäre es kaum zu einer Tragödie mit derart viel Leid und einer so starken negativen Konnotation für die Schweiz gekommen. Branding ist kein Imageproblem.
Es ist ein Haltungsproblem. Und Haltung beginnt bei Echtheit, Verantwortung und Qualität, jeden Tag aufs Neue respektiert und umgesetzt.

Gerade in der Krisenbewältigung zeigt sich, wie schnell über Jahre aufgebautes Vertrauen – der eigentliche Brand Value – zerstört werden kann, wenn Echtheit, Qualität und Konsistenz nicht gelebt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Versagen bei den Verantwortlichen von «Le Constellation», bei den zuständigen Behörden oder auf nationaler Ebene bis hin zum Bundesrat liegt.

Im vorliegenden Fall hat das schwache, intransparente Krisenmanagement auf nahezu allen Ebenen versagt. Die für die Schweiz so zentrale Bodenhaftung, Bescheidenheit und der konsequente Wahrheitsdrang waren nicht spürbar. Dieses Vakuum schafft Raum für Spekulationen, Misstrauen und Verdächtigungen – und schwächt letztlich nicht nur einzelne Institutionen, sondern primär die Marke Schweiz selbst.

Vertrauen lässt sich nicht kommunizieren, es entsteht durch Haltung. Wo diese fehlt, verliert jede Marke ihre Glaubwürdigkeit – besonders dann, wenn sie in der Krise geprüft wird.

Florin Baeriswyl ist Unternehmer sowie Berater für internationale Markenführung, Markenstrategie und Design.

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Hubert Mooser

Hubert Mooser

Bundesrat und Staatsrat planen einen Sonderfonds für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Und für einmal sind sich die Bundesratsparteien einig

Bild: Screenshot SRF

Am Freitag organisierte das Schweizer Fernsehen SRF statt der üblichen Arena einen runden Tisch zum Flammeninferno von Crans-Montana mit den Spitzen der Bundesratsparteien. Die Teilnehmer, SVP-Vizepräsident Thomas Matter, SP-Präsident Cédric Wermut, FDP-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher und Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy, diskutierten in seltener Eintracht über die politische Aufarbeitung dieses Unglücks. Wie der Oberwalliser Bregy während der Sendung erklärte, arbeiten Bund und Kanton Wallis an einem Sonderfonds für die Opferfamilien, ähnlich wie man dies nach dem Bergsturz von Blatten oder für die Opfer des Attentats von Luxor getan habe. «Ich finde dies eine sehr gute Idee», sagt Bregy dazu. «Wir haben darüber in der Rechtskommission bereits eine Diskussion geführt.» Justizminister Beat Jans habe anlässlich dieser Sitzung aufgezeigt, dass die Arbeiten zu einem solchen Sonderfonds schon fortgeschritten sind. Und für einmal widersprach keiner der Anwesenden diesem Plan.

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Christoph Mörgeli

Christoph Mörgeli

Das entsetzliche Ausmass von Opfern in Crans-Montana zeigt sich im Vergleich mit dem Brand von Glarus (1861). Hat der moderne Mensch das Fluchtverhalten verlernt?

Wie unglaublich tragisch eine Opferbilanz von 40 Toten und über 100 Verletzten des Nachtclub-Brands von Crans-Montana ist, zeigt ein Vergleich mit der grössten Schweizer Brandkatastrophe seit dem Mittelalter: dem Brand von Glarus in einer Föhnnacht von 1861.

In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai jenes Jahres wütete damals ein wohl durch Brandstiftung gelegtes Feuer dermassen infernalisch, dass annähernd 600 Gebäude zerstört wurden. Zwei Drittel der Bauten des Fleckens Glarus fielen dem damaligen Grossbrand zum Opfer. Die Hälfte der Menschen verlor ihr Obdach. Zum Vergleich: In Crans-Montana stehen noch sämtliche Gebäude, es gibt gegen aussen kaum sichtbare Spuren der Katastrophe.

Wie aber stand es um die Menschenleben – wurden doch die Bewohner von Glarus genau wie die feiernden Jugendlichen von Crans-Montana in der Nacht, keineswegs am heiterhellen Tag vom Feuer und der rasanten Hitzeentwicklung überrascht?

Die Bilanz erstaunt: In der Brandnacht von Glarus anno 1861 kamen 8, höchstens 10 Personen ums Leben. Auch wenn spätere Opfer noch ihren Rauchverletzungen erlagen, ist diese Zahl angesichts der Zerstörungen erstaunlich bescheiden. Dies umso mehr, als 1861 die technischen Möglichkeiten der Brandvermeidung noch weit geringer waren als heute.

Der Grund mag neben den physikalisch-chemisch unterschiedlichen Brandvoraussetzungen auch darin liegen, dass wir uns von der Natur entfernt und solchen Ereignissen nicht mehr adäquat begegnen können. Dies zeigt schon die Tatsache, dass die jungen Clubbesucher in Crans-Montana die Gefahr völlig falsch einschätzten und die brennende Decke filmten. Das natürliche Fluchtverhalten scheint uns ein Stück weit abhandengekommen.

Ebenso die Vernunft. Niemals hätten die Glarner 1861 funkensprühende Vulkane in ihren Häusern abgebrannt. Und offensichtlich haben sich die allermeisten schon bei den ersten Anzeichen der Gefahr ins Freie und damit in Sicherheit gebracht.

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10.01.2026

Crans-Montana: Darum bleibt Barbesitzerin Jessica Moretti trotz Vorwürfen der fahrlässigen Tötung auf freiem Fuss

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana mit mindestens 40 Todesopfern bleibt Jessica Moretti, Ehefrau des verhafteten Barbesitzers Jacques Moretti, vorerst auf freiem Fuss. Die Walliser Staatsanwaltschaft sieht bei ihr «keine konkrete Fluchtgefahr» und ordnete deshalb keine Untersuchungshaft an. Dies im Gegensatz zu ihrem Ehemann, gegen den am Gedenktag Untersuchungshaft verhängt wurde.

Rechtlich werde jede beschuldigte Person individuell beurteilt, erklärt der Zürcher Anwalt Christian Lenz in der Zeitung 20Minuten. Zwar könne es erstaunen, dass für Jessica Moretti keine Untersuchungshaft beantragt wurde, doch habe die Staatsanwaltschaft offenbar entschieden, dass die Fluchtgefahr «durch Ersatzmassnahmen ausreichend» begrenzt werden könne. Dazu zählen etwa Fussfesseln oder der Einzug von Ausweisdokumenten.

In ihrer Begründung verweist die Staatsanwaltschaft auf Morettis «persönlichen Werdegang und soziale Bindungen» – eine Formulierung, die auch auf elterliche Pflichten hindeuten könnte: Jessica und Jacques Moretti sollen ein gemeinsames Kind haben.

Kritik kommt dennoch von mehreren Seiten. Der Entscheid, den Haftantrag erst acht Tage nach dem Vorfall zu stellen, sei «ungewöhnlich», so Lenz. Normalerweise werde die Frage der Fluchtgefahr frühzeitig geklärt, «gerade in einem Fall, in den bereits sehr viele Ressourcen geflossen sind». Ein anderer Zürcher Anwalt kritisierte anonym: «Die Staatsanwaltschaft hätte das Ehepaar schon am 1. Januar festnehmen müssen» – mögliche Absprachen oder das Verschwindenlassen von Beweismitteln seien nicht auszuschliessen.

Der Vorwurf wiegt schwer: Jessica Moretti ist laut Handelsregister alleinige Geschäftsführerin von vier Firmen, darunter offenbar auch der Bar in Crans-Montana. Dennoch entschied sich die Staatsanwaltschaft, auf mildere Massnahmen zu setzen.

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Crans-Montana: Eine Änderung des Baugesetzes könnte die Gemeinde vor Millionenklagen bewahren. Sie trat nur 86 Minuten vor dem verheerenden Brand in Kraft

Bild: CYRIL ZINGARO / KEYSTONE

Nur 86 Minuten vor dem verheerenden Brand in der Bar Le Constellation trat im Kanton Wallis ein neues Baugesetz in Kraft. Es enthält einen Satz, der nun grosse juristische Bedeutung bekommt: «Die zuständige Behörde haftet nicht für Schäden, die dadurch entstehen, dass Bauherren und deren Vertreter gegen die Vorschriften dieses Gesetzes verstossen.» Die Gemeinde Crans-Montana könnte sich damit auf einen Haftungsausschluss berufen, wie der Blick berichtet.

Laut dem Verwaltungsrechtler und SVP-Nationalrat Pascal Schmid ist das neue Gesetz grundsätzlich anwendbar. Der Schaden sei eingetreten, als der Artikel bereits in Kraft war. Damit wäre Crans-Montana formal aus der Verantwortung entlassen. Doch ganz so eindeutig ist der Fall nicht. Schmid warnt, Gerichte könnten auf einen sogenannten zusammengesetzten Tatbestand abstellen und dabei die lange unterlassene Kontrolle der Bar stärker gewichten als den eigentlichen Brand.

Die Gemeinde hatte das Lokal seit 2019 nicht mehr inspiziert. Gemeindepräsident Nicolas Féraud konnte dafür keine Erklärung liefern. Laut Schmid bleibt die öffentliche Hand auch dann haftbar, wenn ihre Angestellten Dritten Schaden zufügen. Diese Verantwortung lasse sich nicht einfach an die Betreiber abwälzen. Es könnte sich also um zwei getrennte Haftungen handeln: zivilrechtlich für die Betreiber, öffentlich-rechtlich für die Gemeinde.

Der Kanton betont, der neue Artikel sei kein genereller Haftungsausschluss. Vielmehr solle er an die Verantwortung der Bauherren erinnern. Ob das neue Gesetz vor Gericht standhält, dürfte im laufenden Verfahren ein zentrales Thema werden.

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09.01.2026

Nach Brandkatastrophe in Crans-Montana: Barbetreiber Jacques Moretti festgenommen

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Der Betreiber der Bar «Le Constellation», Jacques Moretti, wurde festgenommen. Wie die Zeitung 24 heures berichtet, erfolgte die Festnahme am Freitag nach einer langen ersten Anhörung der Besitzer der Bar.

Demnach beantragte die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr. Über die Anordnung muss das Zwangsmassnahmengericht innerhalb von 48 Stunden entscheiden.

Gegen Jacques Moretti und seine Ehefrau werden laut Bericht die Vorwürfe fahrlässige Tötung, fahrlässige Brandstiftung sowie fahrlässige Körperverletzung erhoben.

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Hubert Mooser

Hubert Mooser

Crans-Montana: Italiens Botschafter in Bern rügt die Schweiz wegen ihrer laschen Vorschriften. Das ist reichlich vermessen, wenn man bedenkt, welche Katastrophen in Italien schon aufgrund von Behörden-Schlampereien ausgelöst worden sind

Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE / KEYSTONE

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana, mit 40 Toten und 116 schwerverletzten Personen, ist eine grosse Tragödie. Aber dass jetzt ausgerechnet italienische Amtsträger auf die Schweiz eindreschen, ist doch reichlich vermessen. So liess sich der Botschafter in Bern, Gian Lorenzo Cornado, gegenüber der NZZ folgendermassen vernehmen: «In Italien wäre ein solches Lokal innerhalb von fünf Tagen geschlossen worden.»

Italien in Ehren, aber das hört sich an wie ein schlechter Scherz. Ich meine, wir reden hier von einem Land, in dem Brücken einstürzen. 2018 krachte die vierspurige Morandi-Autobahnbrücke zusammen, 43 Menschen starben bei diesem Unglück. Ursache waren durchgerostete Stahltrosse, was auf Schlampereien bei der Wartung hindeutete. Und das war kein Einzelfall, es gab davor eine ganze Serie von ähnlichen Ereignissen.

2021 forderte ein Seilbahnunglück in der Nähe von Stresa am Lago Maggiore vierzehn Todesopfer. Dies, weil eine Notbremse riss, die manipuliert worden war, um Wartungskosten zu sparen. Wenn man ein bisschen weiter zurückblickt, dann war Italien auch mit schrecklichen Brandkatastrophen konfrontiert, wie 1987 in einem Kino in Turin. Wegen verschlossener Notausgänge gelang vielen Besuchern die Flucht ins Freie nicht mehr. 64 Menschen starben damals im Flammeninferno.

Gerade Italien ist also das falsche Land, das der Schweiz punkto Kontrollen und fehlender Vorschriften Lektionen erteilen könnte.

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Stefan Millius

Stefan Millius

Unzufriedene Gäste bekamen ihr Fett weg: Die Betreiber der Unglücksbar in Crans-Montana sprangen mit Kritikern auf Google nicht gerade zimperlich um

Wer es in den vergangenen Jahren wagte, einen der Betriebe von Jacques und Jessica Moretti in Crans-Montana bei Google öffentlich zu kritisieren, musste sich auf etwas gefasst machen. Die Manager beantworteten negative Rezensionen ausführlich – und mit sehr harschen Worten.

Die Bar «Le Constellation» hat in den vergangenen neun Jahren rund 370 Rückmeldungen erhalten und einen Punktedurchschnitt von 4,1 von 5 möglichen erhalten. Beim «Senso», dem zweiten Betrieb der Morettis in Crans-Montana, sieht es ähnlich aus.

Ein negativer Eintrag bezieht sich auf die Silvesternacht 2024/2025. Dort beklagte ein Gast, um 23 Uhr habe keine Feststimmung geherrscht, es sei kaum jemand dort gewesen, «abgesehen von ein paar Jugendlichen, die offensichtlich minderjährig waren». Die Betreiber antworten in einem langen, sarkastischen Beitrag, die Überwachungskameras würden belegen, dass sich der betreffende Gast durchaus amüsiert habe.

Ein anderer Gast schreibt, ihm sei die Brieftasche gestohlen worden, und man habe ihm den Blick in die Kameraaufnahmen verweigert. Die Antwort des Managements: Man werde ihn aufgrund dieser Verleumdung anzeigen und verweigere künftig den Zutritt zum Lokal.

Auch harmlose Kritik wie schlecht gemixte Cocktails führte zu harschen Reaktionen. «Viel Glück in ihrem verächtlichen kleinen Leben» heisst es in der Antwort auf einen Gast, der sich über zu wenig Alkohol in seinem Drink beschwert.

In einem anderen Fall wird einem Gast nach einer negativen Rezension unterstellt, betrunken ins Lokal gekommen zu sein, «und wenn ich betrunken sage, meine ich nicht vom Alkohol, sondern von einer anderen Substanz!»

Der Umgang der Betreiber mit Kritik sprach sich im Lauf der Zeit wohl herum. So schreibt ein Gast: «Ich wollte eine Bewertung schreiben, habe aber Angst, dass der Manager mir einen langen Text schreibt …»

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Christoph Mörgeli

Christoph Mörgeli

Todesfalle Personenfreizügigkeit: Ohne Bilaterale I mit der EU wäre die Brandkatastrophe von Crans-Montana nicht passiert

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Kaum waren die vierzig Toten aus dem Klubkeller in Crans-Montana geborgen, kaum die über hundert Verletzten in die Spitäler geflogen, als mediale Kommentatoren schon ihre voreiligen Schlüsse zogen.

Das gilt ganz besonders für Anna Wanner, die in einem Wochenkommentar für CH Media den neuen EU-Anbindungsvertrag so propagierte: «Die EU verteidigt unsere Aussengrenze, kämpft um unsere liberalen Werte und sichert einen wichtigen Teil unseres Wohlstands.»

Wie bitte? Merkt angesichts des hiesigen Asylantenansturms irgendjemand etwas von der Sicherung einer Aussengrenze, für die wir so viel Geld bezahlen? Und wie steht’s um die liberalen Werte, wenn die EU einen Schweizer Bürger wegen dessen Meinungsäusserung wie einen Schwerverbrecher behandelt und ihm sämtliche Lebensgrundlagen entzieht? Und schafft etwa die Schweiz für die EU keinen Wohlstand angesichts der Tatsache, dass sie ihr mehr Produkte abkauft als umgekehrt an die EU verkauft?

Dann greift die Aargauer Verlegertochter Anna Wanner zu folgendem Argument für die EU-Verträge: «Und im Fall einer Katastrophe zeigen sich unsere Nachbarn solidarisch; Brandopfer erhalten in Frankreich, Deutschland und Italien Hilfe, weil die Schweiz nicht die nötigen Kapazitäten hat.»

Wie wenn die Schweiz sich in einem umgekehrten Fall nicht genauso solidarisch verhalten würde. Aber auch andere Journalisten wie Philipp Loser von Tamedia berauschen sich am Gedanken, dass das Feuerinferno von Crans-Montana die Schweiz endgültig vom Podest des Sonderfalls heruntergestossen habe und dass die Schweizer endgültig kein «auserwähltes Volk» mehr seien.

In Tat und Wahrheit hätte es ohne die Bilateralen Verträge I und ohne die verfehlte Personenfreizügigkeit eine Katstrophe von Crans-Montana überhaupt nicht gegeben. Denn dann hätten sich der einschlägig vorbestrafte korsisch-französische Staatsbürger Jacques Moretti (der wegen seiner Strafakte in Frankreich keinen Klub mehr eröffnen durfte) und seine französische Ehefrau Jessica Moretti niemals in der Schweiz niederlassen, geschweige denn ein kleines Gastro-Vergnügungs-Imperium im Wallis aufbauen dürfen.

Vor der Personenfreizügigkeit war die Zuwanderung aus der EU in die Schweiz nämlich durch Kontingente und strengere Regeln für Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen gesteuert. Es gab Quoten für Kurzaufenthalte (bis neunzig Tage) und Lohn- und Qualifikationsanforderungen für längere Aufenthalte, mit Vorrang für Schweizer und Efta-Staats-Angehörige. Aber das seit 2002 geltende Freizügigkeitsabkommen öffnete so ziemlich alle Schleusen.

Durch die Personenfreizügigkeit und wegen des Massenansturms aus dem EU-Raum ging mittlerweile auch das verloren, was die Welt früher als «Schweizer Qualität» zu bezeichnen pflegte. Das gilt übrigens längst nicht nur für Bastelarbeiten der Morettis mit hochentzündlichem Schallschutzmaterial in einem Nachtklub von Crans-Montana.

Beherzigenswert ist und bleibt, was Max Frisch in seinem Drama «Biedermann und die Brandstifter» den Chor der Feuerwehrmänner sagen lässt:

Aber nicht alles, was feuert, ist Schicksal,

Unabwendbares…

Nimmer verdient,

Schicksal zu heissen, bloss weil er geschehen

Der Blödsinn, Der nimmerzulöschende einst!

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David Schärer

David Schärer

Kommunikations-Debakel von Crans-Montana: Wie die Gemeinde ihren Ruf retten kann

Bild: CYRIL ZINGARO / KEYSTONE

In jeder Kommunikation zählt allein der Empfänger, nicht der Sender. Wird man nicht verstanden, gibt es zwei Möglichkeiten: Man wechselt den Kanal, oder man passt die Botschaft an. Dies ist eine Frage der Führung und eine Angelegenheit, die Hochpräzisionsarbeit benötigt.

Nach dem unfassbaren Schock an Neujahr und dem folgenschweren Trauma für Betroffene und auch die Gesellschaft stehen Crans-Montana und die Schweiz unter Beobachtung der Weltöffentlichkeit. Zweifellos stehen die Repräsentanten der Gemeinde in dieser ausserordentlichen Situation vor einem Dilemma. Zu langes Schweigen wirkt intransparent und empathielos, ein schneller Auftritt birgt das Risiko von Fehlern. Denn in jeder Krise gilt: Die grössten Fehler passieren am Anfang.

Gewiss, der Gemeindepräsident Nicolas Féraud ist Milizpolitiker. Ein professioneller Krisenkommunikator ist er nicht. Entsprechend hat er sich Unterstützung von Kommunikationsexperten geholt, und das ist folgerichtig. Umso irritierender war der Auftritt an der missglückten Medienkonferenz vom vergangenen Dienstag. Besonders eine Aussage sorgte für Empörung: Er stellte die Gemeinde als Opfer dieser Tragödie dar.

Es braucht nicht viel psychologisches Verständnis, um den empörten Widerhall vor dem Hintergrund dieser schmerzvollen Tragödie in dieser unfassbaren Grössenordnung nicht vorzusehen. Ebenso wenig schwierig wäre es gewesen, die Fragen der Journalisten zu antizipieren. Möglicherweise war Féraud dem immensen Druck nicht gewachsen und konnte das vorbereitete «Q & A» nicht abrufen. In diesem Fall hätte man auf ein anderes Format setzen müssen.

Eine weitere Erklärung, die nahe an der Realität dieser Ausnahmesituationen liegt: Häufig sichern Anwaltsteams die Kommunikation ab oder greifen aktiv in die Vorbereitung der Kommunikation ein. In Strafverfahren geht es nicht um den materiellen Wahrheitsbeweis, sondern um das, was prozessual bewiesen werden kann. Möglicherweise wurde deshalb Féraud geraten, sich nicht für die offensichtlichen Mängel zu entschuldigen und sein Amt nicht zur Verfügung zu stellen, weil dies – und dies ist hochspekulativ – vor Gericht zuungunsten der Gemeinde hätte ausgelegt werden können.

Führung bedeutet, Entscheide zu treffen und diese dann zu vertreten. Was wiegt hier schwerer: die juristische Schadensbegrenzung angesichts drohender Millionenklagen oder ein Reputationsschaden von unbezifferbarer Höhe, der ein ganzes Land betrifft? Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand.

David Schärer ist erprobter Krisenkommunikator und Inhaber der Kommunikationsberatung DS Studio.

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Stefan Millius

Stefan Millius

Ausländische Medien schiessen sich nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana auf die einheimischen Behörden und die Justiz ein. Die Schweiz sei kein «Musterland der Sicherheit» mehr

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana am Neujahrsmorgen 2026 hat sich die mediale Berichterstattung in Europa deutlich verschärft. Während anfangs die Trauer im Vordergrund stand, dominieren nun Berichte über massive Sicherheitsmängel und das Versagen der Aufsichtsbehörden.

In der deutschen Presse, insbesondere in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Spiegel, wird die Frage nach der staatlichen Aufsichtspflicht gestellt.

Diskutiert wird, ob die Schweiz ihren Ruf als «Musterland der Sicherheit» verloren hat. Dass in einem Land mit derart hohen Standards ein Lokal mit nur einem Notausgang und gefährlicher Pyrotechnik-Nutzung überhaupt eine Betriebsbewilligung behalten konnte, löst Erstaunen aus. Auch mögliche Staatshaftungsklagen in Millionenhöhe gegen den Kanton Wallis und die Gemeinde werden erwähnt.

Le Monde und der Nachrichtensender BFMTV in Frankreich legen den Fokus stark auf die Betreiber der Bar, da es sich bei diesen um Franzosen handelt. Darüber hinaus klingt hier eine starke Kritik an der Schweizer Justiz an.

Französische Berichte zitieren Opferanwälte, die der Walliser Staatsanwaltschaft eine «laxe Beweissicherung» vorwerfen. Es bestehe der Verdacht, dass die Behörden von eigenem Versagen ablenken wollten, indem sie die Schuld allein bei den Betreibern suchten. Zudem wird moniert, dass die Gemeinde erst im Nachhinein ein 60-seitiges Dossier über Mängel vorgelegt hat, anstatt diese vor der Katastrophe durch Schliessung des Lokals zu beheben.

Italien ist durch sechs junge Todesopfer besonders betroffen. Die schärfsten Reaktionen finden sich bei der Nachrichtenagentur Ansa und dem Nachrichtensender Sky TG24.

Der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado forderte öffentlich «Wahrheit und Gerechtigkeit» und hinterfragte offen, warum die Schweizer Gesetze im «Constellation» offenbar nicht angewendet wurden. Der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini forderte auf X, dass die «Türen der Schweizer Gefängnisse sich für viele Verantwortliche öffnen müssen», was über die Barbetreiber hinaus auch auf die Sicherheitsbehörden abzielt.

In einigen Berichten wird der Begriff «mafiöse Zustände» im Zusammenhang mit lokalen Verflechtungen in Crans-Montana zitiert, die dazu geführt haben könnten, dass Sicherheitsmängel jahrelang ignoriert wurden.

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Rahim Taghizadegan

Rahim Taghizadegan

Abo Feuerwerk im Keller: Warum die Katastrophe von Crans-Montana kein Regulierungsversagen ist, sondern ein kulturelles

Die weltweite Normalisierung von bottle service mit Wunderkerzen in überfüllten Kellerklubs wirkt nur so lange absurd, bis man versteht, wie gut es funktioniert. Die Kunden belohnen es massiv. Die Lokale konkurrieren darum. Die sozialen Medien verstärken es. Erwachsene tolerieren es. Was in Crans-Montana passiert ist, ist deshalb kein Ausreisser. Es reiht sich ein in eine […]

Hubert Mooser

Hubert Mooser

Crans-Montana: Warum ein auswärtiger Chefankläger ein Fehler wäre – und das Wallis mehr Erfahrung in der Aufarbeitung von Katastrophen hat als jeder andere Kanton

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Nach der grössten Feuerkatastrophe in der Geschichte der Schweiz, bei der 40 Menschen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren starben und 116 schwere Verletzungen erlitten, geraten der Nobelferienort Crans-Montana und das Wallis insgesamt arg in Bedrängnis. Der Reputationsschaden ist gewaltig. Er könnte noch grösser werden, wenn nur der Hauch eines Verdachts aufkommt, dass die Ermittlungen nicht korrekt laufen.

Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud und die Walliser Justiz stehen jedenfalls schon unter Generalverdacht. Die Zeitung Blick aus dem Hause Ringier forderte prominent auf der Titelseite, man solle dem Kanton die Untersuchung aus den Händen nehmen. Diese sei für das Wallis ein paar Schuhnummern zu gross, es brauche einen externen ausserordentlichen Staatsanwalt. Zuvor machte auch die NZZ Andeutungen in diese Richtung, gestützt auf Aussagen von Mitgliedern der kantonalen Justizkommission des Parlamentes.

Man kann es auch anders sehen: Wer, wenn nicht gerade dieser Kanton, ist in der Lage, solche Katastrophen in jeglicher Hinsicht, auch strafrechtlich, aufzuarbeiten? Das Wallis musste im Laufe seiner Geschichte viele Tragödien schultern, es hat gerade bei solchen Aufgaben eine gewisse Routine entwickelt.

Im Februar 1970 riss in Reckingen eine Lawine 30 Menschen in den Tod. 11 Einheimische und 19 Armeeoffiziere wurden von den Schneemassen überrascht. Im August 1965 wurden ganz hinten im Saastal 88 Arbeiter (meist italienische Gastarbeiter) durch einen Abbruch des Allalingletschers auf der Baustelle des Mattmark-Staudamms getötet. Am 13. März 2012 kamen bei einem schrecklichen Busunglück in Siders 28 Personen, darunter 22 Schulkinder, ums Leben. Die meisten der Unfallopfer stammten aus Belgien. Das letzte grosse Unglück ereignete sich im Frühjahr 2025 im Lötschental, als eine Gletscherlawine das Dorf Blatten unter sich begrub.

Natürlich ist das Brandunglück in der Bar von Crans-Montana in der Silvesternacht aufgrund der hohen Zahl an Opfern und Verletzten grösser als alles, was man bisher erlebt hat. Die Gemeinde Crans-Montana muss, sofern sie Mitschuld trägt, mit Schadenersatzklagen rechnen, die wohl alles Bisherige in den Schatten stellen werden, zumal viele Jugendliche Brandopfer fürs Leben gezeichnet bleiben werden. Das wird auf dem zivilrechtlichen Weg verhandelt werden. Vorerst steht aber die Strafuntersuchung im Vordergrund.

Natürlich müssen Generalstaatsanwältin Pilloud und ihr Team auch gegen die Geister aus der Vergangenheit ankämpfen. Die Walliser Justiz hat einen schlechten Ruf, oft musste das Bundesgericht eingreifen und Urteile des Kantonsgerichtes korrigieren. Pilloud kann jetzt aber allen Kritikern zeigen, dass sich etwas geändert hat. Es ist auch von Vorteil, wenn einheimische Ermittler die Brandkatastrophe unter die Lupe nehmen, zumal der Zugang zu den involvierten Kreisen auch einfacher ist.

Gerade im Fall von Leukerbad, einem Oberwalliser Ferienort, der pleiteging, hat sich gezeigt, dass ausserkantonales Personal im Wallis auf grossen Widerstand stösst. Der Vormund der Gemeinde Leukerbad, ein Zürcher Rechtsanwalt, hatte gelinde gesagt einen schwierigen Stand, weil sich viele Amtsträger ihm gegenüber unkooperativ verhielten.

Wenn es etwas gibt, was man im Wallis noch mehr hasst als zum Beispiel den Wolf, dann das Dreinreden und die Einmischung von Aussen in die kantonale Hoheit.

Dieses Selbstbild steht zwar in einem scharfen Kontrast zur wirtschaftlichen Realität. Der «Bahnsinn», wie das linke Oberwalliser Kampfblatt Rote Anneliese einst die skitouristische Aufrüstung der Ferienorte mit Bergbahnen verballhornte, funktioniert nämlich oft nur noch mithilfe kapitalkräftiger Grossinvestoren aus dem Ausland. In Crans-Montana rettete Milliardär Radovan Vítek die Bergbahnen vor dem Ruin. Inzwischen hat der US-Skigigant Vail Resorts das Skigebiet von Crans-Montana übernommen, wo im kommenden Jahr nach 1987 erneut die Skiweltmeisterschaften stattfinden.

Umso empfindlicher reagieren Land und Leute, wenn ihnen politisch von Bundesbern etwas aufgezwungen wird, wie 2012, als man als einziger Kanton das Raumplanungsgesetz ablehnte. Eine grosse Befürchtung war, dass die Vorlage zu stark in die kantonale und kommunale Selbstbestimmung eingriff. Die Einsetzung eines ausserordentlichen ausserkantonalen Staatsanwaltes auf Druck der Üsserschwiiz käme einem Affront gleich.

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Crans-Montana: Barbetreiberpaar Moretti engagiert Staranwälte für Verteidigung

Die Barbetreiber Jessica und Jacques Moretti engagieren für ihre Verteidigung drei prominente Anwälte. Wie 20 Minuten berichtet, vertreten die Strafverteidiger Yaël Hayat, Nicola Meier und Patrick Michod das Ehepaar aus Korsika, das mehrere Bars in der Region betreibt. In einem offenen Brief hatten die Morettis zuvor ihr Mitgefühl für die Opferfamilien bekundet und uneingeschränkte Kooperation mit den Ermittlungsbehörden zugesichert.

Die Kanzlei Hayat & Meier aus Genf gilt als eine der renommiertesten im Strafrecht. Hayat verteidigte bereits den verurteilten Islamwissenschaftler Tariq Ramadan sowie den Ex-Staatsrat Pierre Maudet. Ihr Partner Meier war unter anderem im Fall des Genfer Konzertveranstalters Michael Drieberg tätig. Beide verlangen laut Schätzungen rund 450 Franken pro Stunde.

Der Lausanner Anwalt Patrick Michod, bekannt aus mehreren Mordprozessen, vertritt derzeit auch die Pflegerin von Michael Schumacher in einem Vergewaltigungsverfahren. Seine Honorare sollen zwischen 550 und 600 Franken pro Stunde liegen.

Ein anonymer Rechtsexperte bezifferte die Kosten der Verteidigung für den ersten Monat auf bis zu 320.000 Franken. Die Kombination aus zwei spezialisierten Kanzleien deute darauf hin, dass die Morettis «im Notfallmodus» agierten.

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Netflix-Serie «The Endless Night» erinnert an Brandkatastrophe in Crans-Montana

Die Netflix-Serie «The Endless Night» über die Brandkatastrophe im brasilianischen Nachtklub «Kiss» aus dem Jahr 2013 weist Parallelen zur Silvestertragödie in Crans-Montana auf. In der Serie starben damals in Brasilien 242 Menschen, als eine Pyroshow die schallisolierte Decke in Brand setzte. Zu enge Fluchtwege und eine Massenpanik verschärften das Unglück.

In Crans-Montana verloren in der Silvesternacht 40 Menschen ihr Leben, ebenfalls durch ein Feuer, das nach bisherigen Ermittlungen durch Pyrotechnik ausgelöst worden sein soll. In der Serie zeigt sich die Tragödie in beklemmenden Bildern: Eine ausgelassene Partyszene wird zur Katastrophe, als Funken einer Wunderkerze die Decke in Flammen setzen. Die Szenen erinnern stark an die jüngsten Aufnahmen aus der Walliser Bar «Le Constellation».

«The Endless Night» zeigt nicht nur die Minuten des Infernos, sondern auch den verzweifelten Kampf der Angehörigen um Aufklärung und Gerechtigkeit. Wer trägt die Verantwortung für blockierte Notausgänge und unzureichende Sicherheitskontrollen? Die Serie legt offen, wie Nachlässigkeit und fehlende Aufsicht zusammenwirken können – mit tödlichen Folgen.

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Stefan Millius

Stefan Millius

Diverse Verurteilungen, Serien-Gastronom, unklare Rolle in der Betriebsführung: Das ist Jacques Moretti, der Betreiber der Unglücksbar «Le Constellation»

Jacques Moretti, der Betreiber der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, ist ein sehr beschäftigter Gastronom, wie öffentliche Einträge zeigen. Er ist bei mehreren Firmen im Kanton Wallis als Gesellschafter und zeichnungsberechtigte Person mit Einzelunterschrift eingetragen – zusammen mit seiner Frau Jessica Moretti, geborene Maric.

Rund um «Le Constellation» fungieren gleich zwei Firmen. Zum einen das Le Constellation Sàrl für den Betrieb des Café-Restaurants. Bis zum 12. Februar 2024 war Jacques Moretti als «président des gérants» aufgeführt, sinngemäss Vorsitz der Geschäftsführung. Inzwischen ist er nur noch Gesellschafter.

Als Zweck der zweiten Firma Le Constel Sàrl sind Gastronomie-Dienstleistungen und der Betrieb öffentlicher Lokale angegeben. Das dient möglicherweise als Dach über sämtlichen gastronomischen Angeboten der Morettis.

Denn an der Avenue de la Gare 2 in Crans-Montana betreiben sie das «Le Senso». Und ein weiteres Lokal des Ehepaars ist das «Le Vieux Chalet 1978» in Lens, einer Gemeinde im Bezirk Siders, wo sie auch als wohnhaft gemeldet sind.

Auch in diesen beiden Lokalen wurde Jacques Moretti 2024 von seiner Frau als Geschäftsführerin abgelöst und verblieb als Gesellschafter. Wer die operative Verantwortung in den Betrieben trug, wird aus den behördlichen Einträgen nicht klar.

Jacques Moretti stammt ursprünglich aus Ghisonaccia auf Korsika, seine Frau von der Côte d’Azur. Bereits in der Schweiz lebend, führte der Mann eine Bar und Lounge am Hafen des korsischen Orts Bonicacio.

Juristisch wurde Jacques Moretti ab 2005 aktenkundig. 2005 soll er in Savoyen in Haft gesessen sein, 2008 folgte eine Verurteilung zu zwölf Monaten Haft in Annecy wegen «Anstiftung zur Prostitution»; er habe junge Frauen in einen Genfer Erotikmassagesalon vermittelt. Einzelne Medien sprechen von noch länger zurückreichenden Vorwürfen im Umfeld von Zuhälterei.

Unklar sind die Details rund um eine angebliche Verurteilung 2010 wegen Sozialbetrugs. Laut französischen Medien soll das Urteil zu einem Verbot geführt haben, in Frankreich ein Unternehmen zu führen.

Ein Opferanwalt spricht angesichts der Aktivitäten der Morettis von einem auffällig schnellen Vermögensaufbau, der den Kauf von Immobilien ohne Kredite ermöglicht habe. Darüber hinaus behauptete er, es lägen mehrere Insolvenzfälle in Korsika, Frankreich und der Schweiz vor.

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David Biner

David Biner

Ihre frühere Untergebene hat sich das Leben genommen: Walliser Chefanklägerin im Fall Crans-Montana wird von einer beklemmenden Geschichte eingeholt 

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Béatrice Pilloud steht gewaltig unter Druck. Und die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis hat bereits nachgegeben. Die eigentliche Chefanklägerin, die die Schuldigen des Verbrechens von Crans-Montana suchen soll, hat ihre Verantwortung längst weitergereicht, abdelegiert auf mehrere Untergebene.

Pilloud liess diese Woche über die Nachrichtenagentur SDA ausrichten, dass sie die Ermittlungsarbeiten unter insgesamt vier Staatsanwältinnen, «vier Frauen», wie sie betont, aufteilen werde. Während sie selbst die Kommunikation und die internationalen Beziehungen zu den Amtskollegen im Ausland unterhalten wolle, sollen die Ermittlungen von der Generalstaatsanwalt-Stellvertreterin Catherine Seppey geführt werden.

Olivier Elsig, der Oberstaatsanwalt Mittelwallis, jener Region also, wo sich der Brand zugetragen hat, wurde demnach von Pilloud nicht berücksichtigt. Dabei hat Elsig wohl als einziger amtierende Staatsanwalt des Kantons Wallis Erfahrungen gemacht in einem vergleichbaren Fall, zumindest was das Ausmass der Anzahl Toten sowie die emotionalen und medialen Dimensionen betrifft. Elsig hat beim Busunglück von Siders eine in Juristenkreisen weitum anerkannte Arbeit geleistet. Beim Unfall starben 28 Menschen, darunter viele Kinder.

Elsigs Untersuchung, wonach als Ursache nur ein medizinisches Problem oder eine Unaufmerksamkeit des Chauffeurs in Frage kommen kann, hielt Beschwerden bis vors Bundesgericht stand. Pikant: Elsig hatte sich 2023 ebenfalls auf den freigewordenen Posten des Generalstaatsanwalts beworben. Das Kantonsparlament zog aber die FDP-Frau Pilloud dem Mitte-Mann Elsig vor. Und da mit Seppey auch bei der Vize-Wahl eine Frau gewählt wurde, jubelten die Medien im Chor: «Zwei Frauen an der Spitze der Walliser Staatsanwaltschaft.»

Bereits kurz nach der Wahl wurde indes klar, dass allein das Geschlecht noch kein Garant für eine gute Amts- und Teamführung ist. Ein interner Streit zwischen Pilloud und Seppey auf der einen und der Staatsanwältin Rahel Brühwiler auf der anderen Seite eskalierte zusehends. Pilloud wollte, dass Brühwiler beim Fall um den Walliser Weinhändler Dominique Giroud schneller vorwärtsmacht, weil sie die Verjährung befürchtete. Brühwiler wiederum fühlte sich von Pilloud massiv unter Druck gesetzt.

Das Kantonsgericht gab damals Brühwiler recht, wonach Pilloud «zwingend» befangen gewesen sein soll und trotzdem «operativ» in den Fall eingegriffen habe. Pilloud hatte früher als Anwältin die Frau eines langjährigen Geschäftspartners von Giroud vertreten. Daraufhin trennte sich die Frauenspitze der Staatsanwaltschaft von ihrer Kollegin. Brühwiler, die schweizweit unter Juristen einen sehr guten Ruf genoss, hat sich im vergangenen Oktober das Leben genommen. Die Westschweizer Tageszeitung Le Temps hat diesen beklemmenden Fall in einer umfangreichen Recherche nachgezeichnet. Pilloud wollte sich damals nicht zum Konflikt mit ihrer Untergebenen äussern.

Seit der Neujahresnacht steht die Generalstaatsanwältin unter zeitlichem, medialem und politischem Druck, wie sie ein Schweizer Staatsanwalt wohl noch selten gespürt hat. Dabei macht sie taktisch vermeidbare Fehler. Statt die Barbetreiber sowie die zuständigen Gemeindebehörden sofort in U-Haft zu setzen, um in aller Ruhe alle Dokumente zu sichten und zu sichern, lässt sie die Verantwortlichen auf freiem Fuss. Der Verdacht auf Verdunkelung und Kollusion war von Beginn an gegeben.

Die Barbetreiber sollen gemäss Medienberichten Stunden nach dem Brand bereits ihre Social-Media-Konten «gesäubert» oder ganz gelöscht haben. Den Gemeindebehörden liess sie fast 48 Stunden Zeit, um ihr die Unterlagen über die Bar sowie über die internen Kontrollabläufe zukommen zu lassen. Ob das Material vollständig ist, weiss niemand.

Auch bei der Anklageerhebung liess Pilloud Nachsicht walten, verzichtete auf das Prinzip «in dubio pro duriore» und ging statt auf Eventualvorsatz «nur» auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung. Der Druck würde sich sofort auf die Richter verschieben, wenn die Chefanklägerin von diesen zurückgepfiffen würde. Bei dieser Ausgangslage und dem offensichtlichen Unrecht, das die jungen Menschen in der Silvesternacht erfahren mussten, hätte die Chefanklägerin nicht schnell und hart genug reinfahren können.

Stattdessen kursieren nun Aufnahmen von der ersten Pressekonferenz, wie sie mit Mathias Reynard, dem Walliser Regierungspräsidenten, unter dem Tisch Händchen hält. Solche Gesten der Zuneigung und Verbundenheit sind aus menschlicher Sicht natürlich zu verstehen angesichts des grauenvollen Infernos mit vierzig Toten und über hundert Verletzten. An einem öffentlichen Auftritt, wo Reynard die Exekutive und Pilloud die Judikative vertritt, haben solche Gewalten verbindenden Zärtlichkeiten jedoch nichts zu suchen.

Überall Zeichen der Schwäche von Amtsträgern, die dafür gewählt sind, in schwierigen Zeiten und vor allem unabhängig voneinander in ihren jeweiligen Rollen Verantwortung zu übernehmen und zu führen. Dass Pilloud dieser Aufgabe nicht gewachsen ist, hat sie längst selbst eingeräumt. Die Ermittlungen dauerten keine Woche, als die Generalstaatsanwältin beim Kantonsparlament bereits zusätzliche Ressourcen in Form eines ausserordentlichen Budgets beantragte.

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David Biner

David Biner

Gottlose Kantonsregierung: Walliser Staatsratspräsident will keine christliche Trauerfeier für die Opfer von Crans-Montana

Bild: SALVATORE DI NOLFI / KEYSTONE

Die offizielle Gedenkfeier für die vierzig Todesopfer findet am Freitag in Martinach VS statt. Die Präsidenten der Schweiz, Frankreichs sowie Italiens werden am Rhoneknie erwartet. Die Zeremonie ist vor allem den Opfern, Verletzten, ihren Angehörigen sowie auch den Rettungskräften gewidmet und wird für die Bevölkerung im Kongresszentrum von Montana übertragen.

Alle Betroffenen der Brandkatastrophe stammen vorwiegend aus christlichen Ländern. Am Mittwoch gingen Bilder um die Welt, wie an den Beerdigungsgottesdiensten im katholischen Italien um die Opfer getrauert wurde. Auch in Frankreich ist rund die Hälfte der Bevölkerung immer noch katholisch. Italien (6) sowie Frankreich (8) haben neben der Schweiz (22) am meisten Todesopfer zu beklagen.

Das ist für die Walliser Kantonsregierung noch lange kein Grund, eine christliche Trauerfeier mit Geistlichen (etwa aus den betroffenen Nachbarländern) für die Opfer zu halten, beispielsweise in der Kathedrale Notre-Dame in Sitten, ein Gotteshaus, das um das 9. Jahrhundert erbaut wurde. Gemäss Le Temps hat die Regierung auf Antrag ihres Präsidenten, des SP-Staatsrat Matthias Reynard, entschieden, eine Zeremonie abzuhalten, deren Botschaft «universell» sein soll, «für alle Religionen offen».

Die Walliser Regierung fremdelt offensichtlich mit den Werten, den Traditionen, der Kultur und der Geschichte des eigenen katholischen Kantons. Da muss sie sich nicht wundern, dass sich nach diesem schrecklichen Ereignis, das den Kanton in eine Identitätskrise stürzen könnte, nun die halbe Schweiz anschickt, auf dem Wallis herumzutrampeln.

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07.01.2026
Hubert Mooser

Hubert Mooser

Abo Betroffenheits-Schaulaufen

Kontrolle der Polizei-Kommunikation? Bundesrat Jans in Crans-Montana, 3. Januar.
Kontrolle der Polizei-Kommunikation? Bundesrat Jans in Crans-Montana, 3. Januar.
Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE / KEYSTONE

Es war ein Bild, das kontrastreicher kaum hätte sein können. Es zeigte Justizminister Beat Jans (SP), der vor einer Pressekonferenz zur Brandkatastrophe von Crans-Montana im Gespräch mit Anwesenden lachte. Neben ihm, tief in sich versunken, sein Parteikollege Mathias Reynard, Präsident des Walliser Staatsrates. Die Fotografie erschien auf der Plattform X, versehen mit hämischen Kommentaren zu

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Peter Rothenbühler

Peter Rothenbühler

Abo Lieber Mathias Reynard

Den Ruf des Wallis wiederherstellen: Regierungspräsident Reynard.
Den Ruf des Wallis wiederherstellen: Regierungspräsident Reynard.
Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Sie sind nicht persönlich verantwortlich für die Tragödie von Crans-Montana. Ich richte mich an Sie als Regierungspräsident, weil der Kanton Wallis zurzeit am internationalen Pranger steht. Und das zu Recht. Denn man fragt sich weltweit, wie es möglich ist, dass in einem prominenten Schweizer Ski- und Kurort eine Kellerbar Hunderte von jungen, zum Teil minderjährigen […]

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David Biner

David Biner

Italienische Medien berichten: Barbetreiberin von Crans-Montana soll sich nach Brandausbruch mit der Abendkasse aus dem Staub gemacht haben

Bild: POLIZEI VS / KEYSTONE

Der italienische Fernsehsender Canale 5 (Mediaset) berichtet, dass sich Jessica Moretti, die Ehefrau des Betreibers der Todesbar «Le Constellation» in Crans-Montana, nach Brandausbruch mit der Abendkasse aus dem Staub gemacht habe. Es gebe entsprechende Aufnahmen der örtlichen Videoüberwachung, sagt ein Journalist mit Verweis auf Ermittlerkreise.

Falls sich diese Information bestätigen sollte, stünde der Verdacht des Eventualvorsatzes im Raum. Demnach hätte die Barbetreiberin die Katastrophe in Kauf genommen, unter anderem indem sie nach Brandausbruch nur an das eigene Geld und nicht an die Sicherheit der Kunden gedacht hat.

Bis jetzt war lediglich bekannt, dass sich die Betreiberin am Silvesterabend im «Le Constellation» aufgehalten hatte und mit leichten Verbrennungen davonkam. Daraus lässt sich die Vermutung ableiten, dass sie sich entweder im Parterre der Bar aufgehalten oder sehr schnell die Flucht ergriffen hat, falls sie im Kellergeschoss war, wo der Brand ausbrach.

Gemäss Medienberichten soll sie in den Stunden nach dem Brandausbruch Inhalte ihres Youtube-Kanals gelöscht haben. Auch andere Postings in den sozialen Medien rund um die Todesbar wurden angeblich in den unmittelbaren Stunden nach der Katastrophe vom Netz genommen. Umso mehr erstaunt es, dass die Wirtsleute zunächst lediglich als Auskunftspersonen von der Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud einvernommen und nicht in U-Haft gesetzt worden sind.

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Stefan Millius

Stefan Millius

Crans-Montana: Wie die Weltpresse über das Versagen der Schweizer Behörden berichtet

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana beschäftigt Medien rund um die Welt. Das Zusammenspiel aus Tragödie und dem Schauplatz eines mondänen Tourismusorts sorgt auch bei renommierten Titeln für Schlagzeilen.

Die New York Times schildert die Atmosphäre im Nobel-Skiort nach dem Ereignis und zieht Parallelen zu ähnlichen Katastrophen in Klubs und Bars in den USA. Kritisch hinterfragt werden auch die europäischen Brandschutzstandards.

Die offenbar mangelhafte Frequenz der Sicherheitskontrollen im betroffenen Lokal steht bei der Washington Post im Zentrum. Auch das Fehlen von Sprinkleranlagen wird beleuchtet. Zudem geht die Berichterstattung auf die amerikanischen Staatsbürger unter den Verletzten ein.

Welche wirtschaftlichen und rechtlichen Folgen hat die Katastrophe für die betroffene Region, und welchen Schaden wird der Ruf des Schweizer Tourismus erleiden? Diesen Fragen geht das Wall Street Journal nach. Weitere Themen sind die Haftungsfragen und die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Betreiber der Bar.

Die US-Ausgabe von CNN International liefert den Zuschauern zahlreiche Infografiken zum Brandverlauf und Interviews mit Überlebenden. Eingegangen wird auch auf die Belastung des Schweizer Gesundheitswesens und die Verlegung von Patienten in andere Staaten.

Der britische Guardian fokussiert in der Berichterstattung auf das mögliche Versagen der Behörden vor Ort, die eingeräumt hatten, dass die letzte Brandschutzkontrolle Jahre zurückliegt.

Für die BBC ist die betroffene Bar seit Jahrzehnten eine «Institution» für Crans-Montana. Der Hergang des Brandes wird detailliert beschrieben. Darüber hinaus konzentriert sich die Zeitung auf die Untersuchung gegen das Betreiberpaar.

Auf atmosphärische Beschreibungen verlegt sich der deutsche Spiegel, der die Ereignisse rekonstruiert und schildert, wie weitergefeiert wird, während der Brand bereits auszubrechen beginnt. Betont werden auch das tiefe Alter vieler Opfer und die schwierige Identifizierung mit der Hilfe von DNA-Tests.

Insgesamt zeichnet die internationale Presse kein gutes Bild von der Schweiz. Der Einsatz von Wunderkerzen in einem Lokal und die fehlenden Inspektionen der Behörden finden grossen Widerhall. Gleichzeitig wird die europäische Solidarität nach der Katastrophe hervorgehoben.

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Crans-Montanas Gemeindepräsident Féraud: «Die Gemeinde ist als Geschädigte am meisten betroffen, vor allen anderen»

Bild: CYRIL ZINGARO / KEYSTONE

Nach dem Flammeninferno in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, bei dem mindestens vierzig Menschen starben, kippt die Stimmung. Während die ersten Tage im Zeichen der Trauer standen, wächst unter Angehörigen und Überlebenden zunehmend der Zorn – vor allem über die Kommunikation der Gemeindebehörden, berichtet der Blick.

Gemeindepräsident Nicolas Féraud erklärte an der Pressekonferenz: «Die Gemeinde ist als Geschädigte am meisten betroffen, vor allen anderen.» Diese Aussage sorgte für Empörung. Féraud musste nach der Veranstaltung unter Polizeischutz weggebracht werden.

Die Kritik kommt nicht nur aus den Reihen der Angehörigen. Ein Anwalt einer Opferfamilie hatte im Vorfeld versucht, den öffentlichen Auftritt der Gemeinde zu verhindern, berichtet der Blick. Die Kommunikation sei «inakzeptabel», man wolle die Interessen der Opfer schützen. Opferanwältin Nina Fournier sagte: «Einige Äusserungen haben uns zutiefst schockiert.» Es sei nicht hinnehmbar, dass sich die Gemeinde als «Opfer» bezeichne, während nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie eine Mitverantwortung trage. Man hätte sich «mehr Zurückhaltung und Feingefühl» gewünscht.

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«Le Constellation»: Betreiber plante Ausbau der Bar kurz vor Flammen-Inferno

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Nur wenige Tage vor dem Flammeninferno in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, bei dem in der Neujahrsnacht vierzig Menschen ums Leben kamen, plante der Betreiber offenbar noch bauliche Veränderungen an dem Lokal. Am 19. Dezember 2025 reichte der Geschäftsführer ein Baugesuch zur Erweiterung der überdachten Terrasse ein. Auch ein seitlicher Ausgang sollte entfernt werden. Dies berichtet das Westschweizer Fernsehen RTS.

In den Bauplänen ist ersichtlich, dass sich sowohl die Innentür der Bar als auch die Tür der Veranda nach innen öffnen – ein Verstoss gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften. Fluchttüren müssen sich gemäss Norm nach aussen öffnen lassen, so RTS.

Bereits 2015 hatte es ein Baugesuch für das Lokal gegeben. Damals beantragte der Gebäudeeigentümer – nicht das französische Betreiberpaar – eine verschiebbare Glasstruktur und eine einziehbare Überdachung für die Terrasse. Wie das Westschweizer Fernsehen dokumentiert, begannen die Umbauarbeiten im Inneren bereits Monate vor der offiziellen Genehmigung. Bilder belegen, dass unter anderem die Kellertreppe verkleinert und schalldämmende Schäume eingebaut wurden. Letztere stehen nun im Fokus der Ermittlungen zur Brandursache.

Im Juli 2015 hatte der Betreiber zudem ein Gesuch zur Betriebsbewilligung gestellt, die Bar öffnete im Dezember desselben Jahres. Laut NZZ am Sonntag finden sich in den amtlichen Publikationen keine Hinweise auf ein Baugesuch für den Innenbereich der Bar.

Die zuständigen Behörden ermitteln weiterhin zu den genauen Umständen.

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«Le Constellation»: Die letzte Kontrolle der Todesbar erfolgte 2019

Nach dem Flammeninferno in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana mit vierzig Todesopfern gesteht der Gemeinderat schwere Versäumnisse beim Brandschutz ein. Wie die Gemeindebehörden an der heutigen Pressekonferenz mitteilten, fand die letzte Kontrolle der Sicherheitsvorschriften 2019 statt – seither blieb eine Überprüfung offenbar aus.

«Die Brandschutzbestimmungen wurden in den Jahren 2016, 2018 und 2019 kontrolliert», teilte der Gemeinderat mit. Welche konkreten Mängel 2019 festgestellt wurden, bleibt unklar – Änderungen seien zwar gefordert worden, deren Umsetzung oder Nachkontrolle jedoch nicht dokumentiert. Die Gemeindeführung zeigt sich bestürzt: Dass seither keine Kontrollen erfolgt seien, bedauere man «zutiefst».

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David Biner

David Biner

Mehr Widersprüche als zuvor: Befreiungsschlag der Gemeindebehörden von Montana missglückt

Bild: CYRIL ZINGARO / KEYSTONE

Die Gemeindeverantwortlichen von Crans-Montana haben am Dienstag den Befreiungsschlag gewagt. Er werde in «aller Transparenz» kommunizieren, sagte Gemeindepräsident Nicolas Féraud (FDP) zu Beginn der Pressekonferenz. Er konnte sein Versprechen nicht halten.

So ist weiterhin unklar, warum die damaligen Behörden den Umbau der Bar «Le Constellation» im Jahr 2015 mit dem Schaumstoff an der Decke abgenommen haben. Weiter hat Féraud eingestanden, dass die Gemeinde in den Jahren zwischen 2020 und 2025 gar keine Brandschutzkontrollen mehr durchführte in der Bar.

Noch wenige Stunden nach der Katastrophe hatte Feraud versichert, dass die Gemeinde regelmässige Kontrollen durchführe. Féraud musste teils auf gemachte Aussagen zurückkommen. Völlig daneben war seine Begründung, warum die Gemeinde als Zivilklägerin auftritt.

Man fühle sich auch als Opfer, sagte Féraud. Zudem liess er anklingen, dass die Destination aufgrund des Imageschadens mit Umsatzeinbussen rechne. Ein Affront gegenüber den wirklichen Opfern, den Verstorbenen und Verletzten, und ihren Angehörigen.

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«Passt auf den Schaum auf!»: Kellner warnte schon 2019 vor Brandgefahr in der Todesbar

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Ein neu aufgetauchtes Video wirft ein grelles Licht auf die mögliche Vorgeschichte der Brandkatastrophe in der Kellerbar «Le Constellation» in Crans-Montana, bei der in der Silvesternacht vierzig Menschen ums Leben kamen. Die Aufnahmen, die dem Schweizer Sender RTS vorliegen, stammen aus dem Jahr 2019 – und dokumentieren eine eindringliche Warnung eines Mitarbeiters an die Gäste: «Faites gaffe à la mousse!» – «Passt auf den Schaum auf!»

Gemeint war der Schallschutzschaum an der Decke der Bar, ausgerechnet jenes Material, das laut Ermittlern beim verheerenden Feuer eine zentrale Rolle spielte. Nach bisherigem Stand lösten Funken einer Wunderkerze einen sogenannten flashover aus: Die leichtentflammbaren Polyurethan-Matten gerieten in Brand, das Feuer breitete sich binnen Sekunden explosionsartig aus.

Der damalige Kellner warnte die Gäste, als sie Flaschen mit Wunderkerzen zum Anstossen bestellt hatten – offenbar im Bewusstsein, dass Funkenflug und Schaumstoff in dieser Kombination hochgefährlich sein könnten. Das Video wurde von einem Stammgast aufgenommen, der gegenüber RTS sagte: «Ich glaube, dass der Kellner realisierte, dass es ein Risiko gab.»

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Medienbericht: Todesbarbetreiber Jacques Moretti wurde 2008 bereits verurteilt – wegen «schwerer Zuhälterei». Vorbestraft ist er auch wegen Sozialhilfebetrug

Jacques Moretti, der Betreiber der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, wo in der Silvesternacht ein verheerendes Feuer vierzig Menschenleben forderte, ist der französischen Justiz seit Jahren bekannt. Wie das Portal Franceinfo unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, wurde Moretti bereits 2008 in Annecy wegen «schwerer Zuhälterei» verurteilt – zu zwölf Monaten Haft, davon acht auf Bewährung. Zwei Jahre später folgte eine weitere Verurteilung in Bastia wegen Sozialhilfebetrugs.

Moretti, heute 49 Jahre alt, steht seit dem Brand unter Druck. Die Schweizer Justiz hat gegen ihn und seine Ehefrau Jessica (40) ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung eingeleitet. Die Gemeinde Crans-Montana hat zusätzlich Zivilklage eingereicht.

Jessica Moretti, Mitbetreiberin der Bar, weist laut Ermittlungen keine Vorstrafen auf. Beide Eheleute befinden sich bislang auf freiem Fuss und haben den Schweizer Behörden ihre Kooperation zugesichert.

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Hubert Mooser

Hubert Mooser

Mythos im Flammen-Inferno: Crans-Montana steht leider auch für den Qualitätszerfall der Schweiz

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Am 11. November 2000 entfachte sich in einer Standseilbahn, welche das Tal mit dem Gletscherskigebiet des österreichischen Ferienortes Kaprun am Kitzsteinhorn erschliesst, ein Brand, der 155 Menschen das Leben kostete. Eine Hydraulikleitung war in der hinteren Fahrerkabine des Zugs gerissen, Öl tropfte dann auf einen Heizstrahler, der dort nachträglich eingebaut worden war. Das verursachte explosionsartig einen Brand. Lediglich zwölf Menschen überlebten.

Wenn man als Reporter damals über diese Katastrophe berichtete, wie der Schreiber, stellte sich einem die Frage, ob so etwas in der Schweiz passieren könnte. Zumal wir ja bekannt sind für unsere strengen Baugesetze und Brandschutz-Vorschriften. Swiss made gilt als globales Gütezeichen für Qualität und Perfektion.

Eine deutsche Zeitung hat vor nicht zu langer Zeit einmal über die Schweiz geschrieben, dass wir das Land des Swiss finish seien, wo alles – von den Gesetzen bis zum einzelnen Zahnrädchen – ein paar Extra-Korrekturschleifen durchlaufen muss, bevor etwas damit gemacht werden könne.

Dieser Mythos ist in der Silvesternacht in einem Flammeninferno untergegangen, in dem über 40 Menschen getötet und 115 schwerverletzt wurden – der Grossteil Jugendliche, die das Leben noch vor sich hatten. Dieser vielgelobte Hang zur Perfektion und die Genauigkeit – das alles ist reiner Selbstbetrug. Auch im Eichamt der Qualität passieren fatale Fehler, das hat uns die schlimme Brandkatastrophe von Crans vor Augen geführt.

Was nützen strenge Auflagen, wenn sie nicht oder nur halbherzig umgesetzt und von den Behörden nicht kontrolliert und wo nötig beanstandet werden?

Irgendetwas hat jedenfalls nicht geklappt, irgendwer hat einen Fehler gemacht. Dann braucht es bloss noch eine Folge von zufälligen Verkettungen, dass aus einem Fest eine grosse Tragödie wird – wie in Crans-Montana.

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05.01.2026
Hubert Mooser

Hubert Mooser

Brandkatastrophe von Crans-Montana: Will die Staatsanwältin mit dem Betreiberpaar die perfekten Sündenböcke präsentieren, um von dem Behördenversagen abzulenken?

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Wenige Tage nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana, welche über vierzig Todesopfer gefordert hat, hat die Generalstaatsanwältin des Kanton Wallis, Beatrice Pilloud, strafrechtliche Ermittlungen gegen die Barbetreiber aufgenommen. Ihnen wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen, so die Walliser Kantonspolizei. Zeitungen wie das Ringier-Blatt Blick werfen die Frage auf, weshalb das Ehepaar Jessica und Jacques M., die Betreiber von «Le Constellation», noch auf freiem Fuss sind.

Wie lange dauert es wohl, bis Pilloud auf Druck der Öffentlichkeit das Ehepaar verhaften lässt? Hat sie nicht mit ihrer Strafuntersuchung gegen die Barbetreiber vor allem die Wut und Trauer der Menschen aufgegriffen und perfekte Sündenböcke präsentiert?

Die zwei stammen aus Frankreich und leben seit 2000 in der Schweiz. Vor zehn Jahren haben sie die leerstehende Bar gekauft. «Le Constellation» war laut Medienberichten eines der wenigen Etablissements in Crans-Montana, das auch die Zulassung der zuständigen Behörden für Minderjährige erhalten hatte. Genüsslich wurde von einzelnen Medien sofort hervorgehoben, dass der 49-jährige Jacques M. der Polizei in Frankreich wegen angeblicher Delikte, die dreissig Jahre zurückliegen, bekannt gewesen sein soll.

Man hat in den letzten Tagen auch viel über Umbauarbeiten von «Le Constellation» lesen können: über eine Treppe in die Bar, die verengt worden sei, oder von einer nicht feuerfesten Schalldämmung.

Natürlich müssen Wirtsleute dafür sorgen, dass die Sicherheit ihrer Gäste gewährleistet wird. Es ist geradezu grotesk, dass sich die Kellnerinnen mit Helmen gegen die bengalischen Feuer an den Champagnerflaschen schützten, mit diesen feuer- und funkenspeienden Mini-Vulkanen trotzdem offensichtlich völlig sorglos hantierten. Dass die Decke Feuer fangen konnte, daran hat niemand gedacht.

Aber es gilt eben auch, dass Barbetreiber in ihren Lokalen nicht tun und lassen können, was sie wollen. Es gibt Vorschriften über Brandschutzvorrichtungen, Baugesetze – und eigentlich sollten regelmässige Kontrollen der Feuerschutzpolizei Pflicht sein. Wer hat die Erlaubnis erteilt, dass man in einer Bar im Untergeschoss Pyrotechnik zünden kann?

Die Behörden von Crans-Montana können sich nicht einfach aus der Verantwortung schleichen, indem sie sich als Zivilpartei konstituieren. Irgendeine Behörde hat diesem Betrieb grünes Licht gegeben. Und die Frage steht im Raum, ob sich Nachlässigkeit und der Schlendrian bei den Kontrollen eingeschlichen haben.

Wer also ausschliesslich das Barbetreiber-Ehepaar für diese Katastrophe verantwortlich macht, täuscht die Öffentlichkeit.

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«Die von der Gemeinde sagten: Es gibt keine Strafen»: Barbetreiber von Crans-Montana schildert massive Versäumnisse der Behörden bei Kontrollen

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Nach dem verheerenden Flammeninferno in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana mehren sich Hinweise auf gravierende Mängel im örtlichen Brandschutz. Ein Barbetreiber, der seit zehn Jahren in dem Walliser Skiort tätig ist, schildert im Gespräch mit Focus online massive Versäumnisse der Behörden: «Ich wurde in zehn Jahren genau zweimal kontrolliert. Nach der Eröffnung kam jemand von der Gemeinde und sagte, was ich umbauen soll. Dann kam er noch mal, um die Umbauten zu kontrollieren. Das war’s.»

Trotz bekannter Defizite sei ihm mitgeteilt worden, es gebe «keine Strafen», selbst bei Verstössen gegen Fluchtwegvorgaben. Er sagt: «Weil meine Tür nach innen aufgeht und ich nicht genügend Fluchtwege habe, darf ich nicht mehr als sechzig Gäste im Innenbereich haben. Die von der Gemeinde sagten damals wörtlich: Wenn ich dagegen verstosse, gibt es keine Strafen. Aber wenn etwas passiert, muss ich allein die Konsequenzen tragen.»

Nach dem Brand mit mehreren Schwerverletzten stellen sich viele die Frage, ob im Gebäude der Bar «Le Constellation» je korrekt geprüft worden ist. «Wo waren die Feuerlöscher? Gab es überhaupt welche?», fragt der Insider.

Gemeindepräsident Nicolas Feraud gerät zunehmend unter Druck. Auf einer Pressekonferenz wich er konkreten Fragen zur letzten Kontrolle aus und verwies lediglich auf «jährliche oder zweijährliche» Prüfungen. Auf Nachfrage des Magazins Spiegel reagierte Feraud laut Medienberichten schroff: «Wer sind Sie, so etwas zu verlangen?» Die Weltwoche berichtete.

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Flammen-Inferno: Alle Opfer identifiziert – die Hälfte der Toten war minderjährig

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Nach dem verheerenden Flammeninferno in der Silvesternacht in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana hat die Kantonspolizei Wallis alle vierzig Todesopfer identifiziert. Wie aus der Mitteilung der Behörden hervorgeht, waren zwanzig der Verstorbenen minderjährig – darunter mehrere Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren.

Laut Polizei stammen die Opfer aus der Schweiz (22), Frankreich (8), Italien (6) sowie jeweils eine Person aus Portugal, Belgien, Rumänien und der Türkei.

Die jüngsten Todesopfer waren zwei 14-jährige Teenagerinnen aus der Schweiz und Frankreich. Mehrere Opfer im Alter von 15 und 16 Jahren sind ebenfalls unter den Verstorbenen. Unter den Erwachsenen befinden sich hauptsächlich junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren.

Die Identifikation der Opfer erfolgte durch die Kantonspolizei in Zusammenarbeit mit dem DVI-Team Schweiz («Disaster Victim Identification») und dem Institut für Rechtsmedizin. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an.

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04.01.2026
Roy Spring

Roy Spring

Ein Klub in Flammen, Handys in der Luft: Die Tragödie von Crans-Montana markiert einen Wendepunkt in unserem Verhältnis zur Wirklichkeit

Ein paar Stichworte genügen: Crans-Montana, Feuerfontänen aus Champagnerflaschen, junges Publikum – und plötzlich brennt die Decke. Und trotzdem: Handys oben, Gelächter, «Wow»-Rufe – schnell noch ein Clip für die Story. Erst als der Raum zur Falle wird, bricht Panik aus.

Sie filmen, wie sie verbrennen. Das ist der Schock dieser Videos – und der Grund, warum uns diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf gehen werden.

Genau daran entzündet sich – neben grosser Trauer und Anteilnahme – bei vielen das Unverständnis: «Generation Smartphone», «natürliche Auslese», «zu dumm, um zu fliehen». Solche Kommentare liest man jetzt überall.

Nein, diese Jugendlichen haben nicht irrational gehandelt. Sie folgten einem Reflex, der ihnen seit Kindheit antrainiert worden war: Alles wird erst real, wenn es übers Display gegangen ist. Wer etwas erlebt, dokumentiert. Wer nicht dokumentiert, hat etwas verpasst.

In dieser Logik ist das Feuer zuerst Spektakel – und dann Content. Die Gefahr kommt zeitversetzt im Kopf an, weil bisher jedes Drama nur als Bildschirmsimulation existiert hat: brennende Städte in der Ukraine, Bomben im Nahen Osten, Fluten, Erdbeben – alles im selben Feed wie Katzenvideos und Schminktipps. Das Gehirn lernt: Das Schlimme gehört in dieselbe Schublade wie das Unterhaltsame – im endlosen Strom des Absurden, Belanglosen, Schrecklichen. Man wischt einfach weiter.

Crans-Montana ist der Moment, in dem diese beiden Welten kollidieren: Plötzlich gibt es keinen swipe mehr, nur noch Rauch, Hitze, Schreie. Das Entsetzliche der Aufnahmen ist nicht nur das Feuer, sondern diese paar Sekunden Verzögerung, in denen sich die Realität gegen die Medienillusion durchsetzt.

Diese Jugendlichen sind nicht dümmer als frühere Generationen – sie sind radikaler an eine Welt gewöhnt, in der alles jederzeit rückgängig, speicherbar, teilbar scheint. Dass ausgerechnet sie von einem realen Feuer eingeholt werden, das keine undo-Taste kennt, macht das Drama von Crans-Montana so sinnbildlich für unsere Zeit.

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Nach Flammen-Inferno in Crans-Montana: Barbetreiber erstmals öffentlich gesichtet – Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen

Zwei Tage nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, bei dem mindestens 40 Menschen ums Leben kamen, ist der französische Betreiber Jacques Moretti erstmals öffentlich aufgetreten. Moretti, gegen den inzwischen ein Strafverfahren läuft, wurde am Samstag in der Nähe seines zweiten Lokals «Le Vieux Chalet» gesichtet – schwieg jedoch gegenüber der Presse, wie die Zeitung Daily Mail berichtet.

Die Walliser Polizei hat am Freitagabend offiziell ein Strafverfahren gegen Jacques Moretti (49) und seine Frau Jessica (40) eröffnet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen. Die Ermittlungen erfolgen unter Leitung der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis. Die Unschuldsvermutung gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung, wie die Polizei betont.

Die Ermittler gehen ersten Hinweisen nach, wonach eine Kombination aus brennenden Wunderkerzen an Sektflaschen und leicht entflammbarem Akustikmaterial an der Decke des Untergeschosses zu dem tödlichen «Flashover» geführt haben könnte – einer plötzlichen Rauchgasdurchzündung der Raumluft. Augenzeugen berichten von Panik, als die Gäste über eine schmale Treppe aus dem Keller zu entkommen versuchten. Viele wurden offenbar im Gedränge vor dem einzigen Ausgang eingeklemmt.

Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer erklärte dem Schweizer Radio: «Jemand hat einen Fehler gemacht, davon bin ich überzeugt.» Es habe zwar eine Notausgang gegeben und Kontrollen seien erfolgt – «aber irgendwo ist etwas schiefgelaufen.»

Bislang sind vier der Todesopfer offiziell identifiziert: zwei Schweizer Frauen im Alter von 16 und 21 Jahren sowie zwei Männer, 16 und 18 Jahre alt. Der erste namentlich bestätigte Todesfall war der 17-jährige Emanuele Galeppini, Mitglied der italienischen Golfnationalmannschaft. Er wurde von der Italienischen Golf-Föderation mit einer emotionalen Botschaft verabschiedet.

Laut Polizei sind 119 Personen verletzt worden, die meisten schwer. Unter den Verletzten befinden sich 71 Schweizer, 14 Franzosen und 11 Italiener. Sechs Italiener und acht Franzosen gelten weiterhin als vermisst. Die Nationalität von 14 Personen konnte bislang nicht geklärt werden. Auch der Sicherheitsmann der Bar, Stefan Ivanovic (31), wird noch vermisst.

Die Ermittlungen laufen weiter – ebenso die Suche nach den Vermissten.

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03.01.2026
David Biner

David Biner

Hilfe für Crans-Montana: Israel schickt Spezialisten für die Identifizierung der Brandopfer. Was schicken die Palästinenser?

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Grosse, weltweite Solidarität mit der Schweiz nach dem Drama in Montana. So habe Israel wenige Stunden nach dem Brand in einer Bar, bei dem mindestens 40 Personen gestorben sind, Spezialisten ins Wallis geschickt. Wie Agenturen berichteten, soll das Team, das zum israelischen Roten Kreuz gehört, den Schweizer Behörden bei der Identifizierung der Brandopfer helfen. Die Experten seien auf die Identifizierung verkohlter Leichen spezialisiert.

Eine wertvolle Geste, wenn man bedenkt, dass sich die offizielle Schweiz während des Gaza-Kriegs teils nicht neutral verhalten hat. Mitglieder der Regierungspartei SP sind im Sommer bei einer pro-palästinensischen Demonstration mitmarschiert, bei der mitten in Bern israelischen Fahnen verbrannt wurden. Die mit Steuergeldern finanzierte Universität in Genf ging demonstrativ auf Distanz zur Hebräischen Universität in Jerusalem, indem man eine strategische Partnerschaft aufkündigte. Frei nach dem Motto: Forscht nicht mit Juden.

Schliesslich sind Beamte im Aussendepartement (EDA) zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen gegeben seien, damit die Schweiz Palästina als Staat anerkennt. Die Direktion für Völkerrecht sieht kein Problem darin, dass Palästina mit der Hamas von einer Terrororganisation regiert würde. Die «Staatsgewalt» in Palästina kann laut EDA «in unterschiedlicher Ausgestaltung und Form» vorkommen. Andere Länder, andere Staatsformen halt.

Angesichts der Katastrophe in Montana möchte man die EDA-Diplomaten fragen: Was hat der potenzielle Staat Palästina bisher für die Schweiz getan? Wo bleiben die Solidaritätsbekundungen der Hamas-Führung? Die Schweiz ihrerseits hat 100 Palästinenser evakuiert und in den hiesigen Spitälern versorgt. Der Schweizer Steuerzahler wird für sie aufkommen müssen. Dazu hat die Schweiz seit dem 7. Oktober 2023, an dem Palästinenser über 1000 Juden umgebracht und 250 verschleppt haben, 150 Millionen Franken nach Gaza geschickt.

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«Wer sind Sie, so etwas zu verlangen!»: Gemeindepräsident von Crans-Montana beschimpft Journalisten wegen kritischer Fragen zu Brandschutzvorschriften

Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT / KEYSTONE

Vierzig Tote, über hundert Schwerverletzte – doch statt Transparenz herrscht Schweigen: Nach dem verheerenden Brand in einem Nachtklub im Walliser Skiort Crans-Montana geraten Behörden und Betreiber zunehmend in die Kritik. Hinweise auf schwere Sicherheitsmängel verdichten sich, während die Gemeinde bislang keine klare Auskunft zum Zustandekommen der Tragödie liefert.

Wie das Magazin Der Spiegel berichtet, zeigen Aufnahmen aus dem Klub «Le Constellation» brennbare Akustikschaumstoffe, die beim Kontakt mit Wunderkerzen sofort Feuer fingen. Nur ein einziger, enger Notausgang stand zur Verfügung. Personal hat laut Recherchen versucht, das Feuer notdürftig zu löschen, statt den Klub sofort zu evakuieren. Die Folge: Dutzende Gäste, viele von ihnen jung, konnten nicht rechtzeitig entkommen.

Die Betreiber – ein französisches Wirtspaar – sollen das Lokal 2016 selbst renoviert haben. Behörden betonen deren Kooperationsbereitschaft, dennoch bleiben sie trotz möglicher Mitverantwortung auf freiem Fuss. Unterdessen wurden sämtliche Social-Media-Profile der Bar gelöscht, obwohl sie potenziell relevante Informationen über die Silvesternacht enthalten könnten.

Für besonderes Aufsehen sorgt die Reaktion des Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud auf eine schriftliche Anfrage des Spiegels. Auf die kritische Frage, ob etwa Brandschutzvorschriften, Notausgänge, die maximale Belegung eingehalten worden seien, antwortete Féraud: «Wer sind Sie, so etwas zu verlangen! Ich habe den Anstand, Sie nicht so zu behandeln, wie Sie es verdienen, und zwinge mich dazu, Sie darüber zu informieren, dass die Kantonspolizei für die Information der Presse zuständig ist.»

Einzig auf «jährliche oder zweijährliche» Kontrollen wird verwiesen.

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David Biner

David Biner

Medienberichte: War Wirt der Todes-Bar in Montana früher ein Mafioso?

Bild: ANTONIO CALANNI / KEYSTONE

Immer mehr Details über das Wirtepaar der Todes-Bar in Montana kommen ans Tageslicht. Wie Le Parisien berichtet, sei der Mann, ein Korse, der französischen Justiz bekannt. Vor 30 Jahren sei er im Rahmen von Zuhälterei aufgefallen. Jahre später habe er eine Haftstrafe unter anderem wegen Betrugs, Entführung sowie Freiheitsberaubung abgesessen – klassische Mafia-Aktivitäten. Gemäss einer Polizeiquelle werde der Mann seit geraumer Zeit nicht mehr dem Spektrum des organisierten Verbrechens zugeordnet, heisst es bei Le Parisien weiter.

Auch wenn sich diese Informationen auf die Schnelle nicht verifizieren lassen: Das Wirtepaar hatte auch in der Gastro-Szene von Montana einen zweifelhaften Ruf. Dieser wurden in den letzten Stunden mehrfach bestätigt, wonach vor allem junge Menschen gegenüber Medien sagten, dass die Bar bekannt dafür war, dass man bei der Alterskontrolle sowie den Sicherheitsmassnahmen mehrfach ein Auge zudrückte.

Einheimische von Montana berichten der Weltwoche, dass es im Lokal zumindest früher einen zweiten Ausgang gab. Es wird indes spekuliert, dass der Raum dahinter vom Wirtepaar als eine Art Abstellkammer benutzt wurde. Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer sprach an der Medienkonferenz ebenfalls von einem zweiten Ausgang. Warum dieser von den Gästen offensichtlich nicht oder kaum benutzt wurde, ist unklar.

Ein früherer Resident-DJ des Lokals sagte gegenüber französischen Medien, dass er während seiner Anstellung seitens Wirtepaar nie etwas von einem Notausgang gehört habe. Für die Gemeindebehörden häufen sich nun die unbequemen Fragen nicht nur was den Brandschutz und dessen Kontrolle betrifft. Hätte man nicht auch das Wirtepaar selbst besser durchleuchten müssen? Wer sind die Leute, bei denen die Dorfjugend und die jungen Touristen die Nächte feierten?

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Crans-Montana: Betreiber bauten Todesbar offenbar selbst um, berichtet Kronen Zeitung

Nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation», bei dem mindestens 40 Menschen ums Leben kamen, rücken erschütternde Details über die Verantwortlichen in den Fokus. Die Betreiber, das korsische Unternehmerpaar Jacques und Jessica Moretti, sollen den Partykeller selbst umgebaut und mit hochentzündlichem Akustikschaumstoff ausgekleidet haben – ohne ausreichend Fluchtwege oder Brandschutzmassnahmen, wie die österreichische Kronen Zeitung berichtet.

Laut Angaben der Staatsanwaltschaft entzündeten sich die Schaumstoffplatten vermutlich durch Sprühkerzen an Champagnerflaschen. Binnen Sekunden verwandelte sich der Keller in eine Feuerfalle – ein sogenannter «Flashover» liess brennbares Material explosionsartig in Flammen aufgehen. Viele Gäste erkannten die Gefahr zu spät, Panik brach aus.

Das Ehepaar Moretti hatte in einem Interview 2016 erklärt, das Lokal «fast komplett selbst renoviert» zu haben. Nun gerät das Paar unter schweren Verdacht. Der Betreiber löschte unmittelbar nach dem Unglück die Social-Media-Kanäle der Bar. Auf archivierten Bildern ist die gefährliche Schaumstoffverkleidung deutlich zu erkennen.

Jacques Moretti zeigte sich gegenüber Medien «sichtlich gezeichnet» und versprach Kooperation mit den Ermittlungsbehörden. Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Wallis prüft derzeit eine strafrechtliche Verfolgung wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Die Gemeinde Crans-Montana steht ebenfalls in der Kritik. Bürgermeister Nicolas Féraud konnte keine Angaben zu den Kontrollintervallen feuerpolizeilicher Inspektionen machen. Die Bar war laut Augenzeugen für ihre «laschen Einlasskontrollen» bekannt – selbst Minderjährige sollen regelmässig Zugang gehabt haben.

Die Identifizierung der Opfer gestaltet sich weiterhin schwierig – viele Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Mehrere Dutzend Überlebende kämpfen mit schweren Brandverletzungen noch um ihr Leben.

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«Notausgang lag versteckt im Raucherraum»: Stammgast über neue Details zur Katastrophe von Crans-Montana

Nach der Brandkatastrophe in der Schweizer Bar «Le Constellation» in Crans-Montana berichten Überlebende von gravierenden Sicherheitsmängeln. Ein Stammgast schilderte der Bild-Zeitung, dass es neben der engen Treppe nur einen weiteren Notausgang gab – versteckt in einem abgetrennten Raucherraum, der zuletzt offenbar als Abstellkammer genutzt wurde.

«Wenn ich dort zu Gast war, war der Notausgang immer versperrt», sagte Barkeeper Andrea C. (31) aus Crans-Montana. Vor der Tür habe ein Sofa gestanden, außen seien Gegenstände im Weg gelegen. Vielen Gästen sei gar nicht bewusst gewesen, dass es den Ausgang gab.

Die Bar hatte laut Behörden mehrere Ausgänge. Doch im Chaos und dichten Rauch konnten viele Menschen diese offenbar nicht finden. Videos zeigen, wie Gäste bewusstlos am Boden liegen und den Fluchtweg blockieren.

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02.01.2026
David Biner

David Biner

Junge Opfer, junge Helden: Nach dem Drama von Crans-Montana erweist Bundespräsident Parmelin den Jugendlichen die Ehre

Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE / KEYSTONE

Es stockt einem der Atem, wenn die Überlebenden des Infernos über die fatale Neujahrsnacht sprechen. Chaos, Panik, Hitze, Hölle – die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS ist zu einer Todesfalle geworden. Instinkt und pures Glück entscheiden über Leben und Tod. Über hundert Personen wurden verletzt, viele davon schwer. Mindestens vierzig Menschen sind gestorben.

In den sozialen Medien kursieren verschiedene Interviews mit Direktbetroffenen. Dabei wird klar, wie jung das Publikum in der Bar war. Um die zwanzig, viele waren gar minderjährig, die jüngsten Jahrgänge der Gen Z. Seit Generationen gilt die Bar als Ort, an dem sich junge Einheimische mit ihren Altersgenossen vor allem aus Italien und Frankreich treffen. Viele Festtagsgäste kommen seit Generationen nach Crans-Montana.

In der Bar wurden aus flüchtigen Bekanntschaften Freundschaften, «eine Gemeinschaft», wie es der sichtlich bewegte Kurdirektor Jean-Daniel Clivaz bei RTS sagte. Umso berührender ist der Appell von Clivaz an die ganze Destination, dass es weitergehen muss. Anlass zur Hoffnung gibt es: Im Internet kursieren Berichte von sehr jungen Menschen, die per Zufall Zeugen des Dramas wurden und unverzüglich damit begannen, die Einsatzkräfte behelfsmässig zu unterstützen.

Demnach haben sie die Verletzten, oft halbnackt, in warme Räumlichkeiten gebracht. Sie haben Decken besorgt, Kleider, Schuhe. Sie haben mit den Verletzten gesprochen, damit diese bei Bewusstsein bleiben. Andere stiegen so weit wie möglich in die Bar, um Leben zu retten. Eine Frau, keine 2zwanzig, berichtet, wie ein Junge sie herausgezogen hatte, während neben ihr Menschen brannten.

Sie, ihr Retter und alle Betroffenen werden diese Tragödie nie vergessen. Für viele von ihnen gibt es ein junges, ein jugendliches Leben vor und ein Leben nach dieser Silvesternacht. Bundespräsident Guy Parmelin (66) hat den Generationenaspekt bewusst angesprochen und im Namen der Landesregierung den Jugendlichen die Ehre erwiesen.

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01.01.2026

«Schreckliche Tragödie»: So reagieren europäische Politiker auf die Brandkatastrophe in Crans-Montana

Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE / KEYSTONE

Bundespräsident Guy Parmelin zeigte sich nach dem Brand in einer Bar im Ferienort Crans-Montana tief betroffen: «Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat.», schreibt Parmelin auf X. Aus Respekt vor den Opfern verschob Parmelin seine für Donnerstag geplante Neujahrsansprache.

Auch international ist die Tragödie auf grosse Bestürzung gestossen. Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach der Schweiz seine «volle Solidarität» aus. «Meine Gedanken sind bei den trauernden Familien und den Verletzten», schrieb Macron auf X. Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte: «Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht.»

Die italienische Regierung hat konkrete Hilfe angeboten. Aussenminister Antonio Tajani bestätigte, dass Zivilschutzkräfte aus dem Aostatal und der Lombardei vor Ort seien. Zudem sei das auf Brandverletzungen spezialisierte Zentrum Niguarda in Mailand aktiviert worden.

Gemäss Angaben der Walliser Kantonspolizei kamen bei dem Feuer in der Bar «Ice Lounge» «mehrere Dutzend» Menschen ums Leben. Rund hundert Personen wurden verletzt. Hinweise auf ein Attentat gebe es nicht, so die Behörden – die Spuren deuten eindeutig auf ein Feuer hin.

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Philipp Gut

Philipp Gut

Mitten in der Party kommt der Tod: Das neue Jahr beginnt mit einer Tragödie im Wallis – und lehrt Demut

Bild: Alessandro della Valle/Keystone via AP

Ein Feuer in einer Bar in Crans-Montana hat in der Silvesternacht viele Tote und Verletzte gefordert. Das ist die Nachricht, die am Neujahrsmorgen die Schlagzeilen beherrscht. Die Ursache ist noch unklar, die Rede ist von Umgang mit pyrotechnischen Gegenständen.

Auch aus anderen Ländern werden Brände und Angriffe mit Böllern gemeldet, Letzteres unter anderem aus der deutschen Hauptstadt Berlin.

Die Ereignisse rufen Wut und Demut hervor. Während die Gewaltexzesse in Deutschland seit der Silvesternacht 2015/2016 schon fast zur multikulturellen Szenerie gehören – Symbole einer perversen Einwanderungspolitik, die die verantwortlichen Politiker immer noch verantwortungslos geschehen lassen –, geht die Tragödie im Unterwallis unter die Haut.

Gestern noch haben wir von der anderen Talseite auf Crans-Montana hinübergeblickt, an einem prachtvollen Wintertag voller vom Nebel weiss verzauberter Bäume, die im Sonnenschein glitzerten. Die Nacht war sternenklar, ein heller Mond beschien die Gegend, die Menschen feierten fröhlich und friedlich – und dann brach dort dieses Inferno aus.

Mitten in der Party kam der Tod, riss die sorglos Feiernden aus dem Leben – ein Fanal, wie schnell alles vorbei sein, wie Freude sich in Entsetzen, Trauer, Tod verwandeln kann. Neben Mitgefühl und Empathie lehrt uns die Tragödie von Crans-Montana eine demütige Haltung dem Leben gegenüber.

Natürlich sagt der Realist und vielleicht auch der Zyniker in uns, dass das Leben immer lebensgefährlich ist. Aber wenn wir zu Jahresbeginn einen durchaus frommen Wunsch frei hätten, dann diesen: dass zumindest das sinnlose, vermeidbare menschgemachte Sterben und Töten aufhören möge.

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