Vom 10. bis 21. November ging in Belém, Brasilien, die COP30, die Uno-Klimakonferenz, über die Bühne. Gut 56 000 «Freunde des Klimas» fanden sich ein – warum tun die sich das an? Dort herrschen 30 Grad Hitze, 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und tägliche Tropenschauer.
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Vielleicht hilft ein Blick nach Hollywood: Im Film «Some Like It Hot» treffen sich die «Friends of Italian Opera» – angeblich um Verdi und Puccini zu zelebrieren; tatsächlich jedoch geht es um Whisky und Geschäfte anderer Art. Und auch bei den «Friends of the Climate» sorgt man sich wohl nicht nur um CO2 und «Global Warming».
CO2 unbeeindruckt
Kamen in Belém tatsächlich 50 000 Wissenschaftler zusammen, um ihre neuesten Klimadaten zu vergleichen oder die tropischen Temperaturen vor Ort zu messen? Oder gab es da noch etwas anderes zu holen? Laut dem Institute for Climate Economics wurden 2024 durch Emissionshandel und CO2-Steuern weltweit rund 100 Milliarden Dollar eingenommen. Das EU-Emissionshandelssystem (EHS) trug dazu 41 Prozent bei, Deutschlands nationales EHS weitere 14 Prozent und Kanada 9 Prozent. Diese Summe lag in Belém sicherlich nicht vollständig auf dem Tisch, aber doch genug davon, dass sich die Reise für jeden lohnte.
Der globale CO2-Ausstoss jedenfalls zeigt sich von den bislang 29 Conferences of Parties (COP) unbeeindruckt. Seit der ersten Klimakonferenz 1995 ist er von jährlich 21 auf heute 41 Milliarden Tonnen angewachsen. Aber sollte nicht genau das verhindert werden?
Und wie hat die Erdtemperatur darauf reagiert?
Das führt zur Frage: Wo steht eigentlich dieses Thermometer, das die «mittlere Erdtemperatur» misst? Gegenfrage: Wie hoch ist die mittlere Temperatur in Ihrem Haus? Sie könnten im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad Thermometer aufhängen und daraus einen Durchschnitt berechnen. Warum nicht auch im Büro oder im Treppenhaus? Schon hier zeigt sich: Ein Mittelwert ist immer ein Stück weit willkürlich.
Bei unserem Planeten wird es noch viel komplizierter: Zwei Drittel der Erde bestehen aus Ozeanen, dazu kommen Gebirge, Arktis und Antarktis. Ausserdem sinkt die Temperatur mit der Höhe – im Schnitt um 6,5 Grad Celsius pro tausend Meter. Steht also eine Wetterstation im Gebirge, muss ihr Wert korrigiert werden. Und das ist nur einer von vielen Einflüssen auf die Berechnung der globalen Temperatur. In die Computer fliessen unzählige Messdaten ein, die – je nach Herkunft, ob vom Meer, vom Satelliten oder aus dem Hochland – unterschiedlich angepasst und kalibriert werden müssen. Und in der Sahara sind Thermometer seltener als in Bayern, auch das muss mathematisch berücksichtigt werden.
Das Endergebnis solch einer Rechnung, die «mittlere Erdtemperatur», wird also aus unendlich vielen Messwerten und einer Vielzahl menschlicher Vermutungen und Korrekturen zusammengekocht. Da mag dann zwar eine exakt definierte Zahl herauskommen, doch die hat keine physikalische Bedeutung. Die «mittlere Erdtemperatur» gibt es nicht, sie ist eine Fiktion der Pseudogelehrten.
Bevorzugter Monat Oktober
Aber warum gleich die Temperatur der ganzen Welt messen? Wenn die Erde Fieber hat, müsste sich das doch überall zeigen. Warum also nicht einfach an einem Ort nachsehen, wo seit Jahrzehnten gewissenhafte Meteorologen täglich ihre Messungen vornehmen, etwa an einem Flughafen? Solche Daten gibt es reichlich, frei zugänglich im Netz. Ich habe mir den Flughafen von Kapstadt ausgesucht, gleich bei mir um die Ecke.
Meteorologen nehmen für langfristige Beobachtungen bevorzugt den Oktober. Man mittelt die Temperatur über alle 24 Stunden und alle 31 Tage des Monats und erhält so einen einzigen Wert pro Jahr. Nach viel Arbeit ergibt sich schliesslich eine Grafik. Der Oktober 2005, zum Beispiel, brachte eine mittlere Temperatur von knapp 16 Grad. Die Extreme, durch die obere und untere Kurve dargestellt, lassen wir beiseite. Uns interessiert nur die Durchschnittstemperatur. Und diese zeigt tatsächlich einen minimalen Trend. Von 1996 bis 2023 hat die mittlere Oktobertemperatur am Flughafen von Kapstadt von 16,5 auf 17,3 Grad zugenommen. Das sind 0,81 Grad in 27 Jahren – drei Hundertstel pro Jahr.
Doch während die Temperatur langsam zunahm, nahm in Kapstadt noch etwas anderes zu, und zwar wesentlich schneller: die Zahl der Autos. Im selben Zeitraum stieg sie von rund 640 000 auf über 1,5 Millionen. All diese Fahrzeuge stehen nicht nur in den Registern, sie fahren, heizen, verbrennen. Auch die Zahl der Häuser nahm zu – und mit ihr die Öfen, Herde und Klimaanlagen. All der dort verbrauchte Strom und die Kohle verwandeln sich letztlich in Wärme, die die Umgebung natürlich erwärmt. Die Klimatologen sprechen hier vom «Urban Heat Effect» (UHE).
Bismarck in North Dakota
Ich will nicht behaupten, dass der UHE die einzige Ursache für den obenerwähnten minimalen Temperaturanstieg in Kapstadt ist, aber irgendeinen Beitrag werden die zusätzlichen Autos und Kochherde schon geleistet haben.
Ich habe auch die Daten für einen Flughafen auf der Nordhalbkugel, nämlich Basel, nach derselben Methode analysiert wie Kapstadt: Hier ergeben sich über die vergangenen 25 Jahre 0,028 Grad Celsius Erwärmung pro Jahr, also 0,7 Grad insgesamt.
Wie sieht es in Amerika aus? Ein Kollege schickte mir die Temperaturdaten, die in der «Dale Enterprise Station» in Virginia über fünfzig Jahre gemessen wurden. Die Anlage liegt fernab von städtischer Umgebung oder grösserer Flughäfen, nur Fuchs und Hase sagen sich dort gute Nacht.
Was hat man dort gemessen? Sage und schreibe minus 0,0018 Grad Fahrenheit = minus 0,0010 Grad Celcsius Abkühlung pro Jahr – mit anderen Worten: In freier Natur bleibt die Temperatur gleich.
Ich habe dann die künstliche Intelligenz nach anderen Orten ohne langfristigen Temperaturanstieg suchen lassen, und ein Kandidat war die Stadt Bismarck in North Carolina. Die Antwort auf meine Frage nach Bismarcks landschaftlicher Umgebung hier im Originalton: «Die Stadt ist von Prärien, Ackerland und kleinen Städten umgeben. Ausserhalb der Stadtgrenzen öffnet sich innerhalb weniger Minuten die offene Landschaft – Ranchs, Getreidefelder und weite Horizonte. Die Bevölkerungsdichte ist gering und der Verkehr im Vergleich zu Grossstädten minimal.»
In Bismarck gibt es also keinen «Urban Heat Effect», und es gibt auch kein «Global Warming». Man hat sogar eine leichte Abkühlung gemessen. In der beigestellten Tabelle findet sich die Temperaturentwicklung im Überblick.
Es gibt also Orte auf diesem Planeten, weitgehend unbesiedelt, wo über die vergangenen 25 oder 50 Jahre die mittlere Temperatur nicht angestiegen ist. Sie wurden vom «Global Warming» verschont. In städtischen Gebieten dagegen beobachtet man Erwärmung von ein paar Hundertstel Grad Celsius pro Jahr. Diese vier Beispiele sind weit entfernt von einer statistisch relevanten Aussage, dass die ganze Erderwärmung nur ein Effekt des Energieausstosses der fortschreitenden Zivilisation mit ihren Autos und Heizungen sei. Aber sie sind ein Hinweis.
Aus wissenschaftlicher Perspektive wäre es von höchster Priorität, genau dieser Frage objektiv und professionell nachzugehen. Es könnte aber auch sein, dass unsere Freunde von COP30 das gar nicht so genau wissen wollen. Denn wenn sich die gesamte «Global Warming»-Wirtschaft mit ihrem CO2-Handel als Irrtum herausstellte, dann würden die Milliarden aus dem Emissionshandel versiegen, und zur nächsten COP würden dann statt 50 000 vielleicht nur noch 50 Teilnehmer kommen.
In Lateinamerika kursiert eine Scherzfrage: Wovon lebt der Dumme? – Von der Arbeit. Und wovon lebt der Schlaue? Vom Dummen. Vielleicht könnte das auch das inoffizielle Motto der Klimakonferenzen sein, an denen sich jeweils die Schlauen treffen, um unter sich aufzuteilen, was den Millionen dummer Steuerzahlern abgenommen wurde.
Dr. Hans Hofmann-Reinecke war in der kernphysikalischen Forschung und als Inspektor der Internationalen Atomenergieagentur tätig. Er lebt heute in Kapstadt. Der Bestseller «Grün und dumm» und andere seiner Bücher sind bei Amazon erhältlich.