Ernst Kocher, SVP-Gemeindepräsident von Wald ZH und Landwirt, setzt sich mit Nachdruck für den Ausbau der Windenergie in seiner Region ein. Damit ist er mit seinem politischen und beruflichen Hintergrund eine Ausnahme. Seine Sicht auf das geplante Windkraftprojekt auf dem Batzberg, der auf den Gemeindegebieten von Wald und Rüti liegt, ist von praktischen und -regionalen Überlegungen geprägt. Zugleich führt er Bedenken offen an und versucht, sie zu -entkräften.
INGE ZINSLI
Kocher erklärt, man könne auf dem Batzberg drei Windenergieanlagen errichten, die jährlich rund 26 Gigawattstunden Strom erzeugen könnten. Das entspreche einem bedeutenden Anteil am Stromverbrauch der Gemeinde Wald. Auf diese Weise sei es möglich, einen grossen Teil der benötigten Energie lokal zu produzieren: «Aus der Region für die Region», so Kocher. Als Landwirt betont er, dass die Vorteile nicht abstrakt bleiben sollen: Einwohnerinnen und Einwohner könnten direkt partizipieren, etwa über eine Bürgerbeteiligung oder über Aktienmodelle. So entstehe Identifikation, und bei Erfolg winke eine kleine Dividende.
Kocher sagt auch, dass Wald mit seinen rund 10 000 Einwohnern ein Eigeninteresse habe, die Energieversorgung sicherer und unabhängiger zu machen. Und die Windkraft stehe auch im Winter zur Verfügung. «Die Gemeinde steht in der Verantwortung, die Bevölkerung mit günstiger Energie zu versorgen», erklärt er.
Selbstversorgung und Unabhängigkeit
Doch er räumt ein, dass es Hürden gebe. Zuerst müssten genaue Windmessungen und Berechnungen zur Rentabilität durchgeführt werden, weil das Potenzial bislang nur geschätzt sei. «Der Energieertrag muss stimmen. Nur um Windräder in der Landschaft zu haben, machen wir das nicht.» Auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nötig. Ausserdem spiele die Eigentumsfrage eine Rolle: Zum Teil gehört der Boden der Gemeinde Rüti oder Privaten, und für Messungen und die Realisierung brauche man deren Einverständnis. Auch der Landschaftsschutz sei wichtig: Wenn für den Sockel der -Turbinen Bäume zu roden seien, müsse gemäss Waldgesetz Ersatzwald geschaffen werden, der eine grosse Artenvielfalt haben muss.
Er hebt hervor, dass seine Haltung innerhalb der SVP nicht selbstverständlich sei. Manche Parteikolleginnen und -kollegen lehnten Windenergie ab. Aber er findet, dies sei schwer nachvollziehbar, denn gerade die Werte Selbstversorgung, Unabhängigkeit und Eigenverantwortung, die sonst von der SVP hochgehalten würden, sprächen für die Windkraft. «Ich habe nicht viel Verständnis für die ablehnende -Haltung», so Kocher.
Für ihn ist klar: Wer sich -weigere, in erneuerbare Energieprojekte wie Windkraft zu investieren, mache sich abhängig von Importen und Energieversorgern von aussen. Er sieht das als wirtschaftliches und politisches Risiko. Wenn man stattdessen vor Ort Strom produziere, profitiere die Region mehrfach – finanziell, aber auch bezüglich Stabilität. Schliesslich führt Kocher aus, dass man nicht untätig bleiben dürfe aus Angst vor Veränderung oder wegen ästhetischer Einwände. Es sei ja nicht die Absicht, den Wald sinnlos zu zerstören, sondern mit Augenmass vorzugehen. Wenn man gute Standorte finde und die Umsetzung vernünftig plane, könne Windenergie ein wichtiger Teil der regionalen Energiezukunft sein.
Kocher ist überzeugt, dass Windräder und Natur kein Widerspruch sein müssen. Mit kluger Planung liessen sich ökologische -Standards und wirtschaftliche Ziele verbinden. Er sieht darin ein Zukunftsmodell für ländliche Regionen, die Wertschöpfung behalten und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende leisten wollen. «Wir wollen herausfinden, ob es geht: sauber, regional und fair», fasst er seine Vision zusammen.