Die Energiewende, die in Europa zur Ablösung der fossilen Energieträger durch sogenannt erneuerbare Energieformen führen sollte, ist am Schleudern. Die Schweizerische Energiestiftung hat soeben einen internationalen Vergleich publiziert, aus dem hervorgeht, dass die Schweiz bei der Erstellung von Stromproduktionskapazitäten aus Solar- und Windkraft europaweit auf den letzten Plätzen liegt. Gut 11 Prozent des Stromverbrauchs werden hierzulande aus Solar- und Windproduktion abgedeckt. Das ist himmelweit entfernt von den Visionen der Energiewendeverfechter, die mit den Erneuerbaren Erdöl und Erdgas bald aus dem Markt drücken wollen.
Man kann einwenden: Schaut Deutschland an, das Vorbild zieht schon 46 Prozent seines Stromverbrauchs aus Sonnen- und Windanlagen! Aber erstens betrifft diese ganze Quotendiskussion nur den Stromverbrauch; gemessen am gesamten Energieverbrauch sind die Anteile viel niedriger. Und zweitens beginnen nun die Ungleichgewichte zwischen dem unvorhersehbar schwankenden Wind- und Solar-Flatterstrom und der von den Verbrauchern gewünschten Stetigkeit das Netz immer stärker zu stressen. Die Blackout-Risiken wachsen. Zudem ist kaum vorstellbar, wie die Sommerüberschüsse und der Wintermangel vernünftig ausgeglichen werden können – obwohl Energiewendeanhänger so tun, als seien Lösungen mit Speichern und Umlagern in Griffweite.
In diesem Lager zählte «grüner Wasserstoff» zu den wichtigsten Trumpfkarten. Die Idee ist attraktiv, Wasser unter Einsatz von Solarenergie «grün» aufzuspalten in Wasserstoff und Sauerstoff und dann den Wasserstoff im Zuge der Knallgasreaktion mannigfaltig als sauberen Antreiber zu nutzen. Wie in diesem Heft vom Journalisten Oliver Stock beschrieben, stellte die deutsche Ampelregierung mit Wirtschaftsminister Robert Habeck 2024 den Wasserstoff als zentrales Instrument vor, um Deutschland bis 2045 zu einem klimaneutralen Industrieland zu machen, mit netto null Treibhausgasausstoss. Wasserstoff sei der Champagner der Energiewende, hiess es.
Dann begann es jedoch überall zu klemmen. Mehrere Autoren befassen sich in diesem Heft mit den Hindernissen, denen eine Wasserstoffwirtschaft gegenübersteht. Es ist vor allem der Verlust an Effizienz in den verschiedenen Schritten von der Herstellung bis zur Anwendung des Wasserstoffs, gravierend für Volkswirtschaften, die im internationalen Wettbewerb stehen. So kann man sagen: Es kommt zur Wende der Energiewende, es war eine Illusion – mit dem Champagner kann man schlecht arbeiten.