Wenn man im Tessin lebt, macht es einen ganz kribblig, dass man nie weiss, wer ein Ausländer ist und wer nicht. Das zwingt einen dazu, zuerst mal zu jedem freundlich zu sein. In der Deutschschweiz erkennt man ja meistens sofort: Aha! Der Fall ist klar. Den brauchst du nicht extra anzulächeln. Aber im Tessin, vor allem südlich des Ceneri, steht man vor der schwierigen Aufgabe, herauszufinden, ob man sich fürchten muss, wenn man in einer dunklen Gasse drei jungen Männern begegnet. Vor allem im Sommer, dio mio: Wie soll man da noch wissen, ob die Burschen in Kairo, in Palermo oder – wie es sich gehört – in Tesserete geboren worden sind? Das Problem existiert aber ganzjährig, ...