Zwischen Forderungen nach pauschalen Verboten von Pflanzenschutzmitteln und dem Druck auf die Betriebe, zuverlässig und wirtschaftlich zu produzieren, entsteht im Kanton Waadt ein Ansatz, der weniger ideologisch ist, dafür messbar: Präzisionstechnologie, die nur dort appliziert, wo tatsächlich ein Problem erkannt wird – und damit den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln drastisch reduziert. In der Fachsprache heisst das: «AI based Plant-by-Plant Ultra-High Precision».
Für Danijela Karelse, Finanzchefin der Firma Ecorobotix, ist Nachhaltigkeit kein politisches Zwangsinstrument, sondern ein Wettbewerbsvorteil, wenn sie in der Praxis funktioniert. «Viele reden über Nachhaltigkeit – wir bringen sie aufs Feld. Mit messbarer ökologischer Wirkung und einem klaren wirtschaftlichen Nutzen für die Landwirte», sagt sie. Diese beiden Parameter dürften sich nicht ausschliessen, betont sie, sonst bleibe Nachhaltigkeit ein Wort, das an der Realität auf dem Bauernhof vorbeiziele.
Im Zentrum steht deshalb ein pragmatischer Anspruch: nicht weniger, sondern bessere Landwirtschaft. Ecorobotix liefere keine moralische Erzählung, hält Karelse fest, sondern ein Werkzeug, das die Arbeitsschritte präzisiere, den Mittelverbrauch senke und die Entscheidungen datenbasiert treffe. Genau diese Verbindung aus Wirkung und Effizienz mache die Technologie global anschlussfähig, so ihre Einschätzung.
Schweizer Tüftlergeist
Gegründet in Yverdon-les-Bains, trägt Ecorobotix den Schweizer Tüftlergeist in ein hochpraktisches Umfeld. Den Pflanzenschutz so präzise zu machen wie eine medizinische Behandlung – nur das behandeln, was behandelt werden muss –, ist der Ausgangspunkt gewesen. Aus der Kombination von Robotik, Sensorik und künstlicher Intelligenz wurde eine Lösung, die das Feld in Echtzeit «liest» und daraus eine Entscheidung ableitet.
«Das Unternehmen lässt sich besser als Plattform verstehen und nicht als ein einzelnes Gerät», erklärt Karelse. Die Maschine sei nur der sichtbare Teil; der eigentliche Wert stecke in der Erkennung, den Algorithmen und der Fähigkeit, diese Logik unter Praxisbedingungen zuverlässig einzusetzen. Was sich im Alltag bewähre, lasse sich international ausrollen, ohne dass jedes Land bei null beginnen müsse.
Entscheidend sei zudem, dass Präzision nicht bei der Applikation ende. Wer genauer spritze, erhalte auch bessere Daten: etwa wo Unkrautdruck auftrete, wie sich Bestände entwickelten und an welchen Stellen sich Massnahmen wirklich lohnten. Diese Transparenz werde für Betriebe wichtiger, weil Nachweise, Auflagen und betriebliche Dokumentationen an Bedeutung gewännen. Die Technologie schafft hier Handlungsspielraum, indem sie Effizienz und Nachvollziehbarkeit verbindet.
Applikationen für die Kultur
Technisch folgt das System einem einfachen Prinzip, allerdings mit anspruchsvoller Umsetzung: Kameras erfassen das Pflanzenbild, eine künstliche Intelligenz unterscheidet zwischen Kulturpflanze und Unkraut, und die Spritztechnik setzt dann im richtigen Moment den Impuls. Statt «über alles» zu spritzen, werde laut Karelse in kleinen Teilflächen von sechs mal sechs Zentimetern gearbeitet – gezielt, schnell und reproduzierbar. Damit sinke nicht nur der Chemieeinsatz, sondern auch das Risiko von Fehlapplikationen, die Pflanzen stressten oder Resistenzen begünstigten.
Ecorobotix verspricht eine Reduktion der Pflanzenschutzmittel um bis zu 95 Prozent, weil nicht mehr die gesamte Fläche behandelt werde. «Präzision entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn sie nicht zulasten der Flächenleistung geht», hält Karelse fest. Der Landwirt wolle keine Technikshow, sondern eine Lösung für sein Problem auf dem Feld.
Im Zentrum steht ein pragmatischer Anspruch: nicht weniger, sondern bessere Landwirtschaft.Wichtig sei auch die Konsequenz im Detail: Wenn nur die Zielpflanze getroffen werde, bleibe die Umgebung unbehandelt. Das reduziere die Abdrift und die unnötige Belastung, und es helfe, Wirkstoffe dort einzusetzen, wo sie tatsächlich gebraucht würden. Karelse betont, genau diese Zielgenauigkeit mache die ganze Diskussion weniger emotional: Man könne die Wirkung messen, statt nur über die Mengen zu streiten.
Betriebswirtschaftlich ist der Nutzen für die Landwirte klar: Weniger Mittel bedeuteten weniger Einkauf, weniger Lagerung, weniger Transport und weniger Handling – und auch weniger Nachfüllen. Gleichzeitig können gezielte Applikation die Kultur entlasten: Wo weniger unnötig behandelt wird, bleibt mehr Vitalität im Bestand. Das Ziel sei laut Karelse nicht Verzicht, sondern Effizienz, mit der die Betriebe ihre Produktion stabil hielten.
Am Ende muss die Rechnung auf dem Bauernhof stimmen. «Der wirtschaftliche Mehrwert entsteht aus der Kombination von weniger Chemie, weniger Kosten und mindestens gleichen Erträgen – im Idealfall sogar besseren, weil die Behandlung präziser und die Kultur weniger belastet wird», sagt Karelse. Auch deshalb positioniere sich Ecorobotix als Alternative zu pauschalen Pflanzenschutzverboten: Die Technologie reduziere den Einsatz messbar, ohne den Betrieb in eine Sackgasse zu führen.
Für die internationale Expansion zählen nicht nur der Verkauf, sondern ebenso der Service, die Schulung und die Verfügbarkeit. Präzision sei nur dann ein Fortschritt, wenn sie im Feld nicht stehenbleibe, erklärt Karelse. Vertrauen werde im Einsatz gewonnen, nicht in Prospekten. Gerade bei Investitionen in neue Technologien seien Betriebe sensibel. Wenn ein Gerät ausfalle oder die Betreuung fehle, entstünden nicht nur Kosten, sondern auch Produktionsrisiken. «Deshalb investiert Ecorobotix parallel in Strukturen, die Anwender unterstützen – damit Präzision keine Nischenlösung bleibt, sondern ein neuer Standard werden kann.»
Dabei geht es auch um Tempo, hält Karelse fest. Wer in engen Zeitfenstern arbeite, brauche schnelle Reaktionszeiten, Ersatzteile und einen Support, der die Realität der Saison verstehe. Wachstum bedeute deshalb nicht nur mehr Märkte, sondern auch eine Organisation, die Nähe zum Kunden garantiere. Genau dort zeige sich, ob aus Hightech echte Produktivität werde.
Neues Produkt für Golfplätze
Neu kommt ein zweites Produkt aus dem Haus Ecorobotix hinzu: Alba wurde kürzlich lanciert und überträgt das Prinzip des präzisen Spritzens auf Golfplätze und Sportanlagen oder auf die professionelle Grünflächenpflege. Auch hier gilt: Nicht der ganze Rasen wird behandelt, sondern nur die Stellen, an denen ein Ziel erkannt wird. In einem Umfeld, in dem Optik und gleichmässige Qualität ebenso zählen wie der Druck, den Chemieeinsatz zu senken, kann das besonders relevant sein.
Karelse ordnet Alba als strategische Erweiterung ein. Rasenflächen seien ein Markt mit hoher Sensibilität: Betreiber stünden unter Beobachtung, Budgets seien begrenzt und die Erwartungen an gepflegte Flächen hoch. «Wenn Präzision dort überzeugt, überzeugt sie auch anderswo», sagt sie. Die Lancierung zeige zudem, dass sich die Kerntechnologie über die Landwirtschaft hinaus skalieren lasse, ohne den Grundsatz aus den Augen zu verlieren, nur dort zu spritzen, wo es nötig sei.
Für Ecorobotix ist Nachhaltigkeit kein politisches Zwangsinstrument, sondern ein Wettbewerbsvorteil.Damit positioniere sich Ecorobotix klar: Technologie statt Ideologie, Messbarkeit statt Symbolik. Genau darin liege der Reiz: weniger Input, weniger Kosten, mehr Kontrolle, ohne dass man sich zwischen Umwelt und Ertrag entscheiden müsse. «Wir bringen Nachhaltigkeit aufs Feld», sagt Danijela Karelse. Der Erfolg werde letztlich an zwei Grössen gemessen: am reduzierten Mitteleinsatz und am wirtschaftlichen Ergebnis im Betrieb. Wenn beides stimme, werde Nachhaltigkeit vom politischen Schlagwort zum praktischen Vorteil – und Präzision von der Innovation zur Normalität.
Weitere Informationen auf www.ecorobotix.com