Wenn der Mensch erschaffen wird, ist er allein. Doch die jüdische Schöpfungsgeschichte kennt keine sentimentale Romantik. Gott sagt nicht: «Er ist einsam.» Er sagt: «Es ist nicht gut für den Menschen, allein zu sein.» Und er fährt fort: «Ich will ihm eine Hilfe machen – ein Gegenüber.» Auf Hebräisch: Eser Kenegdo. Was auf den ersten Blick wie ein harmonisches Ergänzungsprinzip klingt, ist bei genauerem Hinsehen eine dialektische Zumutung. Denn das Wort «Kenegdo» meint wörtlich: «gegen ihn» oder «entgegengesetzt». Die Frau als Hilfe (Eser) ist also keine angenehme Erfüllungsgehilfin, kein Supportsystem, keine ewige Versteherin. Sie ist eine Kraft, die dem Mann geg ...