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Die Weltwoche

Der Sinn des Lebens

Priska Seiler Graf, Nationalrätin

Die Zürcher SP-Politikerin schwört auf die Aufklärung; sie sagt, dass einiges fürs Heiraten spricht; sie bewundert Sophie Taeuber-Arp – und verweist auf Epikur.

Weltwoche: Kaffee oder Tee?

Priska Seiler Graf: Unbedingt Kaffee!

Weltwoche: Was ist der Sinn des Lebens?

Seiler Graf: Geborgenheit und Zufriedenheit finden.

Weltwoche: Worauf freuen Sie sich jeden Tag?

Seiler Graf: Auf den Zauber eines frisch angebrochenen Tages.

Weltwoche: Was gibt Ihnen Kraft in Momenten der Verzweiflung?

Seiler Graf: Ganz klar meine Familie und meine Freunde, sie erden mich.

«Mehr Respekt»: Parlamentarierin Seiler Graf, 57.

Weltwoche: Haben Sie ein bestimmtes Menschenbild, wenn ja, welches?

Seiler Graf: Ich bin geprägt vom Menschenbild der Aufklärung: Menschenrechte und Bildung für alle.

Weltwoche: Welche Ihrer wahrhaftigsten Überzeugungen würden nur die wenigsten Menschen mit Ihnen teilen?

Seiler Graf: Vielleicht hat Epikur recht, dass nach dem Tod der Körper zerbricht und sich die Atome in Luft auflösen?

Weltwoche: Warum sollten Menschen heiraten? Warum nicht?

Seiler Graf: Da ich seit 33 Jahren verheiratet bin, spricht für mich doch einiges dafür. Und natürlich auch für meinen Mann!

Weltwoche: Was ist das Wichtigste im Leben einer Frau?

Seiler Graf: Dasselbe wie im Leben eines Mannes: versuchen, glücklich und zufrieden zu sein.

Weltwoche: Was bedeutet das Wort «Gott» für Sie?

Seiler Graf: Der Wunsch des Menschen, dass es eine universelle Ordnung, Sinnhaftigkeit und Gerechtigkeit gibt.

Weltwoche: Was ist die grösste Ungerechtigkeit auf Erden?

Seiler Graf: Je nachdem, auf welchem Erdteil man geboren worden ist, hat man Glück oder Pech.

Weltwoche: Welche Rolle spielt die Sinnlichkeit in Ihrem Leben?

Seiler Graf: Ich versuche jeweils, bewusst mit allen Sinnen zu geniessen.

Weltwoche: Mit wem würden Sie bei einer Tasse Kaffee am liebsten diskutieren?

Seiler Graf: Ich würde alles dafür geben, wenn ich wenigstens einmal noch eine Tasse Kaffee mit meinen leider viel zu früh verstorbenen Eltern trinken könnte.

Weltwoche: Was bedeutet Ihnen Intuition?

Seiler Graf: Ein zusätzliches Kriterium bei jeder Entscheidung.

Weltwoche: Was inspiriert Sie am meisten?

Seiler Graf: Die enorm vielfältige Schaffenskunst von Sophie Taeuber-Arp.

Weltwoche: Wenn Sie für einen Tag allein bestimmen könnten in der Schweiz, was würden Sie sofort ändern?

Seiler Graf: Den Mitmenschen wieder mehr Respekt entgegenbringen.

Weltwoche: Worüber haben Sie sich in letzter Zeit besonders geärgert?

Seiler Graf: Über diese unüberhörbaren Videokonferenzen im Intercity nach Bern.

Weltwoche: Und worüber besonders gefreut?

Seiler Graf: Auch im Intercity nach Bern, über ein spontanes Kompliment für meine politische Arbeit.

Weltwoche: Was würden Sie der fünfzehnjährigen Priska heute raten?

Seiler Graf: Es ist zwar kaum vorstellbar für dich, aber du weisst mit fünfzehn Jahren doch noch nicht ganz alles.

Weltwoche: Welche historischen Persönlichkeiten bewundern Sie?

Seiler Graf: Queen Elisabeth II., wegen ihrer Disziplin und Hingabe an ihr Amt.

Weltwoche: Wie wichtig ist Ihnen Materielles?

Seiler Graf: Als fashion victim habe ich schon viel zu viel Geld für Mode ausgegeben.

Weltwoche: Welcher Mensch bekommt nicht die Anerkennung, die er verdient?

Seiler Graf: All die Frauen, die nach wie vor die meiste der unbezahlten Care-Arbeit leisten.

Weltwoche: Was ist das Schönste an der Schweiz?

Seiler Graf: Unsere direkte Demokratie mit dem Konkordanzsystem.

Weltwoche: Welches Ziel möchten Sie noch erreichen?

Seiler Graf: Regierungsrätin würde mich schon reizen.

Weltwoche: Was macht das Leben lebenswert?

Seiler Graf: All die Menschen, die einen begeistern und inspirieren.

 

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