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Plump und blöd

Tamara Wernli

Plump und blöd

Wenn Brigitte Macron angedichtet wird, ein Mann zu sein, ist das Irrenhaus geöffnet.

Der Mann links ist ein Mann, und er hat Macron ‹gedatet›, seit er vierzehn war. Ernsthaft, was zum Teufel hat Emmanuel Macron geheiratet?», fragte neulich ein X-User mit grosser Followerschaft; er meinte damit dessen Gattin Brigitte. «Brigitte Macron wurde als Michel Trogneux geboren», erklärte eine Userin in den USA ihren über fünf Millionen Followern. «Er lebte etwa dreissig Jahre lang als Mann, bevor er sich in Brigitte verwandelte.» Als Mann habe er drei Kinder gezeugt. «Er vergewaltigte seinen jungen Schüler und späteren Präsidenten Frankreichs, Emmanuel Macron.» Unnötig zu sagen, dass die Première dame eine Dame ist, mit ihrem ersten Mann hat sie drei Kinder. Es sind nicht nur demütigende Kommentare, sondern blanke Falschaussagen.

Illustration: Fernando Vicente
Plump und blöd
Illustration: Fernando Vicente

Melania Trump wird oft in Bezug auf ihre frühere Karriere als Model verspottet. Auch über ihren Akzent, über ihre Mimik und Körpersprache wird gelästert. Von Michelle Obama machen regelmässig Fotos in sozialen Medien die Runde, die sie mit Barack zeigen und sie grösser und breiter als ihren Mann wirken lassen; man macht sich dann lustig über ihre Arme und breiten Schultern, bezeichnet sie als «too big» und als «Typen». Es ist abstossend.

Solche Lästereien sind nicht nur auf First Ladys beschränkt, sondern spiegeln eine breitere Tendenz wider, in der das Mass des geschmackvollen Dialogs überschritten wird – auf beiden Seiten des politischen Spektrums. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich befürworte das Recht eines jeden, seine Meinung zu äussern – solange sie im gesetzlichen Rahmen ist. Wenn jemand der Ansicht ist, eine Person sei dumm, sollte er das sagen können; damit müssen wir alle klarkommen. Ich halte es auch gleichberechtigungstechnisch für fair, dass, solange Männer das Ziel von Spott sind, Frauen davon ebenfalls nicht verschont bleiben müssen. Gleichberechtigung ist nicht, sich die Rosinen herauszupicken und sich über alles andere zu beschweren. Ausserdem ist eine humorlose Gesellschaft eine fragile Gesellschaft – wir sollten alle mehr lachen.

Ausserdem ist eine humorlose Gesellschaft eine fragile Gesellschaft – wir sollten alle mehr lachen.

Und im Gegensatz zu einigen meiner sich politisch korrekt gebenden Kollegen bin ich nicht der Ansicht, dass man bekannte Persönlichkeiten nur auf der inhaltlichen Ebene kritisieren sollte. Es kann sehr wohl eine gesellschaftliche Diskussion auch über Äusserlichkeiten wie Frisur, Aussehen, Schönheits-OPs oder Kleidungsstil geführt werden. Es wäre ja der Tod der Unterhaltung, wenn das nicht mehr möglich wäre.

Selbstverständlich kann man auch die demonstrative Fröhlichkeit einer Kamala Harris thematisieren, wie es Birgit Schmid – respektvoll – in der NZZ tat. Sollte das dann reflexartig den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit hervorrufen, entgegne ich, dass das Unsinn ist, auch Heuchelei, schliesslich wurden Beleidigungen und Spott über Donald Trumps Haar, Haut und Körperform noch nie als «männerfeindlich» gelabelt. Erst recht nicht von jenen, die permanent auf Sensibilität bedacht sind.

Meinungsäusserungen aber, die die Identität einer Person auf erniedrigende Weise in Frage stellen — wie im Fall von Macron —, sind nicht nur plump, blöd und humorfrei, sondern zeugen auch von intellektueller Begrenztheit des Verfassers.

Sensationalismus wird es immer geben, ebenso Leute, die unter der Gürtellinie kritisieren. Die Bereitschaft, übers Ziel hinauszuschiessen, ist ein fest etabliertes Element der heutigen Kommunikationskultur. Vor allem die sozialen Medien haben den Diskurs verschärft und eine Spielwiese geschaffen, auf der schnelle, oft polemische und aggressive Äusserungen wie aufgedrehte Kinder toben, während moderate Ansichten irgendwo am Rand stehen. Aussagen wie jene über Brigitte Macron wurden zwar von Usern korrigiert (es gibt eine X-Funktion «Kollektive Anmerkungen»), aber das macht die Sache nicht besser. Über sechzehn Millionen Menschen haben sie gelesen, gelöscht wurde sie nicht.

Einfach alles verbieten, scheint mir aber keine Lösung, da dies schnell zur Zensur jeder unliebsamen Meinung führen wird. Was wir jedoch tun können, ist, solche Äusserungen zu ächten. Wenn Zehntausende einen Beitrag kommentieren und dabei dessen intellektuelle Grenzen blossstellen, während der Verfasser selbst zum Ziel des Spotts wird, wird er es sich vielleicht beim nächsten Mal zweimal überlegen.

 

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