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Neuer Pragmatismus in der Klimadebatte

In Publikationen zu Klimafragen finden nüchterne Stimmen zunehmend Gehör. Die grüne Dominanz bröckelt.

Dass der Klimawandel die Regierungen überall auf der Welt vor enorme Herausforderungen stellt und eine tiefgreifende Transformation der Volkswirtschaften verlangt, ist spätestens seit der Pariser Klimakonferenz von 2015 globaler Grundkonsens. Seit damals hat sich in den meisten westlichen Industrienationen eine Art «grünes Paradigma» herausgebildet, ganz wesentlich getrieben und geprägt von Klima-Denkfabriken, NGOs, Aktivisten und grünen Politikern. Diese haben wesentlich zu einer Art politischer und kultureller Dominanz grüner Narrative und Ideen geführt – besonders stark in Deutschland.

Den moralisierenden Alarmismus ablehnen.

 

Abweichende Konzepte

In einem eindrucksvollen Artikel hat der Mainzer Historiker Andreas Rödder das «Ende der grünen Dominanz» (FAZ, 8. Januar 2024) angezeigt. Viel spricht für seine These. So gibt es immer mehr Publikationen, die zwar den Klimawandel nicht in Abrede stellen, aber neue, von traditionellem grünem Denken abweichende Konzepte vertreten, den moralisierenden Klima-Alarmismus, die Technologieskepsis, den antikapitalistischen Impetus, die planwirtschaftliche Regulierungswut sowie die verbreitete Verzichtsapologetik ablehnen.

 

In der Folge stellen wir fünf Beispiele aus den aktuellen Debatten vor:

 

1 – Achim Wambach: Klima muss sich lohnen. Ökonomische Vernunft für ein gutes Gewissen. Herder, 2022. 160 S., Fr. 25.90

Achim Wambach, Präsident des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des BMWK, ist einer der angesehensten Ökonomen in Deutschland. Er setzt auf marktwirtschaftliche Elemente, vor allem auf die konsequente und berechenbare CO2-Bepreisung. Die soziale Marktwirtschaft habe uns weit gebracht und sollte nun als sozial-ökologische Marktwirtschaft zum Erfolgsmodell werden.

 

2 – Philipp Krohn: Ökoliberal. Warum Nachhaltigkeit die Freiheit braucht. Frankfurter Allgemeine Buch, 2023. 272 S., Fr. 36.90

In eine ähnliche Richtung zielt der FAZ-Wirtschaftsredakteur Philipp Krohn. Es gelte nachhaltig zu leben und unseren ökologischen Fussabdruck zu minimieren, aber dies ohne eine Beschränkung der individuellen Freiheit innerhalb der sozialen Marktwirtschaft. Es geht ihm um Anreize statt Verbote.

 

3 – Vince Ebert: Lichtblick statt Blackout. Warum wir beim Weltverbessern neu denken müssen. DTV, 2023. 224 S., Fr. 24.90

Der Bestsellerautor Vince Ebert ist Physiker und Kabarettist. Mit viel Humor und Ironie entlarvt er «Denkfallen und Irrationalitäten» innerhalb der Klimaaktivisten, warnt vor Moralismus und Intoleranz aus dem Anspruch, absolute (wissenschaftliche) Wahrheiten zu vertreten. Er legt dar, dass viele unserer Massnahmen gutgemeint sind, aber unterm Strich wenige Problem lösen, manche sogar verschlimmern. Wer glaubt, die ganze Welt retten zu müssen, würde sich übernehmen. Er erzählt deshalb vor allem davon, wie man die Welt (und das Klima) – vor allem mit neuen Technologien – schrittweise verbessern kann.

 

4 – Hans von Storch: Der Mensch-Klima-Komplex. Zwischen Dekarbonisierung, Innovation und Anpassung. Dietz, 2023. 192 S., Fr. 29.90

Der Klimaforscher, Mathematiker und langjährige Leiter des Helmholtz-Instituts für Küstenforschung hat verantwortlich an Berichten des Uno-Klimarats IPCC mitgewirkt. Er weist auf die Gefahren hin, wenn in der politischen Debatte die Klimawissenschaften für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Von Storch kritisiert den Determinismus, der den Eindruck erweckt, durch die Ergebnisse der Klimaforschung seien politische Strategien festgelegt.

 

5 – Jorgo Chatzimarkakis: The Hydrogen Philosophy. Selbstverlag, 2024.

Der frühere Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis (FDP) setzt den all electric-Fantasien grüner Denkfabriken eine realistische Betrachtung gegenüber. Wir bräuchten nicht nur Elektronen, sondern auch Moleküle – diese aber müssten wir allerdings «sauber» machen! Chatzimarkakis ist griechischer Abstammung, und da liegt es nahe, gleich eine «Hydrogen Philosophy» zu schreiben, die er auf Heraklits berühmten Satz panta rhei (alles fliesst) gründet. Das heisst für ihn vor allem Innovations- und Technologieoffenheit.

Chatzimarkakis glaubt an den technischen Fortschritt und warnt davor, heute vor allem mit Verboten Energiepolitik zu betreiben. Er wünscht sich, dass sich überall in Europa ein pragmatischer Ansatz durchsetzt. Erneuerbare Energien und Wasserstoff seien keine Gegensätze, im Gegenteil: Die Produktion von grünem Wasserstoff in den Mengen, wie sie heute diskutiert werden, benötigt ja einen enormen Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Autor spricht in seiner brandaktuellen Publikation deshalb – schöne Wortschöpfung! – von «Hydrogenewables». Seine Vision ist die Überwindung des Anthropozäns durch ein neues Zeitalter, das er «Cyclocene» nennt – also durch eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

 

Dr. Friedbert Pflüger, CDU-Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär a. D., ist Geschäftsführer des Clean Energy Forums (CEF). 1993 erschien von ihm das Buch «Ein Planet wird gerettet» (Econ).

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