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Nackte Schönheit

Tamara Wernli

Nackte Schönheit

Der No-make-up-Look ist ein Luxus, den sich nicht jede Frau leisten kann.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Pamela Anderson, das einstige Sexsymbol, eines Tages zu einem Vorbild für natürliches Altern werden würde? Seit einigen Jahren präsentiert sie sich komplett ungeschminkt – selbst auf roten Teppichen oder als Gast bei Shows. «Ich fühle mich frei und gestärkt», sagt die ehemalige «Baywatch»-Nixe, die im März mit «The Last Showgirl», einem Film über das taffe Leben einer Tänzerin in Las Vegas, auf die Kinoleinwand zurückkehrt, in der «Drew Barrymore Show» über ihr Make-up-freies Leben. So fühle sie sich am wohlsten; sie akzeptiere sich selbst und habe die Erwartungen anderer hinter sich gelassen.

Illustration: Fernando Vicente
Nackte Schönheit
Illustration: Fernando Vicente

Ich finde das inspirierend. Dass gerade sie, die zuvor nie durch besondere Natürlichkeit aufgefallen ist – in «Baywatch» und auch auf ihren zahlreichen Playboy-Covers zeigte sie sich stets mit üppiger Oberweite durch Brustimplantate und stark geschminkt –, diese Wirkung ausstrahlen kann, hatte ich nicht auf dem Radar. Und der natürliche Look steht ihr gut. Die Blondine, die den roten Badeanzug zum Symbol für weibliche Sexyness gemacht hat, kombiniert bei Drew Barrymore ganz bescheiden zur Jeanshose eine bis oben zugeknöpfte Jeansbluse und einen karierten Blazer, das Haar ist zum Pferdeschwanz gebunden. Die 57-Jährige geht für 47 durch. Der Wendepunkt sei für sie die Pariser Fashion Show vor einigen Jahren gewesen. «Ich dachte, ich gehe einfach zu dieser Modeschau, ich muss mit niemandem konkurrieren. Warum verschwende ich Stunden in der Maske, wenn ich doch schöne Kleider trage?» Sie hätte nicht gedacht, dass es überhaupt jemand bemerken würde. Das war ein Understatement; wenn ein Hollywoodstar ohne Make-up ins Blitzlichtgewitter tritt und sich auf seine Natürlichkeit verlässt, bleibt das nicht unbemerkt.

Was Stars sagen und was sie tatsächlich tun, sind oft zwei Paar Stilettos.

Nicht jede Frau kann sich den No-Make-up-Look leisten. Manche lässt er müde und blass wirken, die Augen erscheinen kleiner. Ohne die «Maske» empfinden sich viele als unvollständig; Mascara und etwas Lippenstift können Wunder wirken und auch Selbstvertrauen verleihen. Ich gehe zwar ohne Make-up einkaufen und mit dem Hund spazieren, kann mir aber nicht vorstellen, meine Youtube-Videos ohne Kajalstrich und Lipgloss aufzunehmen, zu meiner Schminkroutine gehören auch Foundation-Creme und -Puder, denn meinen speckigen Cheesecake-Teint möchte ich niemandem zumuten.

Auch hat nicht jede Frau ein klassisch schönes Gesicht wie Pamela; grosse, volle Lippen, hohe Wangenknochen und eine kleine, wohlgeformte Nase. Ihre Gesichtsstruktur scheint wie geschaffen für den No-Make-up-Look (eigentlich wie die der meisten Hollywood-Schönheiten). Und doch wissen wir nicht, ob ihr Aussehen zu 100 Prozent natürlich ist oder sie nicht schon früher etwas hat nachhelfen lassen, bevor sie den Weg zur echten Selbstakzeptanz eingeschlagen hat. Was Stars sagen und was sie tatsächlich tun, sind oft zwei Paar Stilettos. Ikonen wie Demi Moore und Nicole Kidman schwärmen gerne von Natürlichkeit — was dann von allen bejubelt wird. Natürlichkeit zu feiern liegt im Trend. Doch Schönheitschirurgen hegen grosse Zweifel, ob bei ihrem Aussehen wirklich nur Mutter Natur am Werk war. Ich schätze, Oberlippen gewinnen durch Magie an Volumen, Brüste auch, und wenn die Stirn einer über Vierzigjährigen glatt wie die eines Babys ist, ist das dem vielen Wassertrinken zu verdanken. Probieren Sie’s auch mal aus, liebe Leserinnen!

 

Zurück zu Pam. Sie zeigt jedenfalls, dass die fortwährende Fixierung auf Äusserlichkeiten entbehrlich ist und man sich nicht unter Druck setzen (lassen) muss, um sich gut zu fühlen – einen Druck, den wir uns ja oft selbst auferlegen. Ein gepflegtes Erscheinungsbild ist von Vorteil. Jedoch verlangt von unsereins, die wir keine Superstars sind, niemand, dass wir unser Kapital vor jedem Gang vor die Haustür aufpolieren und mit Schönheitsmitteln verfeinern. Seien wir ehrlich: Das tun wir vor allem, weil wir es selbst wollen.

Drew Barrymore ist so begeistert von Pams Look, dass sie an einer Stelle des Gesprächs ihr Haarteil rauszupft und es durchs Studio schmeisst: «Wenn wir hier schon ehrlich sind!» Das sorgt unter den mehrheitlich weiblichen Zuschauern im Publikum, von denen kaum eine ungeschminkt ist, für absolute Entzückung. Es lebe die Natürlichkeit!

 

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