Ein Januarmorgen, 6.30 Uhr. Das Thermometer zeigt minus 13 Grad. Vier Männer schälen sich aus einem verdreckten Pick-up, schultern ihre Rucksäcke, stapfen los durch schienbeinhohen Schnee, hangaufwärts. Wortlos. Es gibt nichts zu sagen. Jeder weiss, was zu tun ist. Auf dem Platz strahlen Scheinwerfer, es riecht nach frischem Harz, Baumstämme sind aufgestapelt, kapitale Maschinen werden in Gang gesetzt. Am Rand steht eine Art kompakter Lastwagenanhänger, aufgebockt mit Stützfüssen, daraus hervor ragt eine -massive, über zehn Meter hohe Eisenstütze. Die -Spitze ist in alle Richtungen mit Drahtseilen abgespannt. Ein weiteres, fast handgelenkdickes sowie ein fingerdickes Drahtseil verlaufen bergwärts, hinein in die Dunkelheit. Ein Kippmast, also eine mobile Seilbahnstütze.
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«Prima, perfektes Wetter, schön kalt und wenig Schnee, das müssen wir nutzen», murmelt der einzige anwesende Arbeiter. Er hat keine Zeit für neugierige Besucher. Wir sind auf dem Abladeplatz einer Forstseilbahn. Auf 1600 Metern über Meer, am Ende einer Forststrasse, die zu einem Platz erweitert ist.
Baum hilft mit
Durch den Wald zieht sich eine zwanzig Meter breite Schneise. Mittig, hoch über dem Boden, verlaufen die beiden Drahtseile. Nach 500 Metern kommt der Holzschlag. Hier wurden in den vergangenen Tagen ein paar hundert Bäume gefällt.
Im oberen Teil dröhnen zwei Motorsägen. Ein Team fällt die nächsten Bäume; genug weit von der Seilbahn entfernt, sodass keine Gefahr für das Tragseil besteht. Für Notfälle sind stets zwei Mann zusammen. Mit Sicherheitsabstand. Mit der Säge wird zunächst ein Keil in den Stamm geschnitten, der die Fällrichtung vorgibt – Richtung Seilbahn, vorbei an anderen Bäumen und dem Jungwuchs. Dann wird von der Rückseite eingeschnitten, damit der Baum kippt. Im unteren Bereich des Holzschlags werden die bereits gefällten Bäume an die Seilbahn angehängt. Kurze Drahtseile werden um die Stamm-Enden geschlungen und zwei bis drei Stämme zusammen werden mit der Bahn -abtransportiert.
Mitten im Holzschlag steht ein einziger Baum, leicht erhöht auf einer kleinen Kuppe. Er dient als Stütze für die Bahn. Der Baum ist bis auf eine Höhe von gut zwanzig Metern entastet. Das hatte ein Forstwart gemacht, der mit Steigeisen und Klettergurt hochgestiegen ist. Oben ist ein «Sattel» montiert, der das Tragseil hält. Noch weiter oben ist der Stamm auf alle Seiten mit Drahtseilen verstrebt; ansonsten würde ihn die Last umdrücken.
Auf dem Tragseil kommt der Laufwagen angerattert. Bei den Arbeitern hält er an, per Funksteuerung wird ein Drahtseil abgespult. Am Ende ist eine spezielle Vorrichtung, sodass die Stämme eingehängt werden können. Auf Knopfdruck werden die Stämme aufgezogen. Ohne Bodenkontakt fahren die Stämme nun talwärts. Der Abladeplatz ist einprogrammiert, sodass der Laufwagen automatisch hält. Die Stämme werden -abgesenkt.
Sägen, speichern
Der Maschinist im Bagger kann per Funk die Verriegelung der Drahtseile an den Stämmen lösen, und der Laufwagen fährt wieder davon. Am Baggerarm ist ein Prozessorkopf montiert. Eine Art riesige Zange mit eingebauten Rädern. Die Vorrichtung schliesst sich um den Stamm, mit den Rädern kann sie vor und zurück bewegt werden. Ein Laufrad misst die Länge. Mit einer eingebauten Kettensäge wird der lange Stamm in die gewünschten Längen geschnitten. Länge und Durchmesser werden automatisch gespeichert.
Die fertigen Stämme kommen auf unterschiedliche Stapel. Getrennt nach unterschiedlichen Holzqualitäten – je nachdem, ob der Stamm viele Äste oder Faulstellen hat. Die Reste kommen auf einen grossen Haufen. Daraus werden Hackschnitzel gemacht, die als Energielieferant dienen. Geholt wird das Holz im Frühjahr, wenn die Strasse für Lastwagen wieder befahrbar ist.