Der Name «Ricola» ist weit über die Schweiz hinaus ein Begriff und global zum eigentlichen Synonym für Kräuterbonbons geworden. -Jedoch steckt viel mehr hinter der Firma aus Laufen im Kanton Baselland als Schleckzeug. Ricola ist ein Familienunternehmen in der vierten Generation, das Tradition und Innovation schon immer vereint hat und für das Nachhaltigkeit von Anfang an eine zentrale Bedeutung hatte. Deshalb ist die Geschichte von Ricola beispielhaft dafür, wie sich ein mittelständiges Schweizer Unternehmen mit rund 600 Angestellten durch Leidenschaft, Engagement und Kreativität auf dem globalen Markt in fünfzig Ländern behaupten kann. Auch wenn Ricola Instant- und Beuteltees im Sortiment führt, sind es vor allem die Kräuterbonbons, -perlen und -pastillen in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die das internationale Renommee ausmachen. Und die hundertprozentige Schweizer Produktion. Einzig das Abpacken wird zum Teil in ausländischen Märkten direkt erledigt, etwa in den USA.
Unveränderte Rezeptur
Ricola-CEO Thomas P. Meier weist darauf hin, dass sich am Geheimnis des Erfolgs seit der Gründung der Firma im Jahr 1930 durch den Bäckermeister Emil Richterich nichts geändert habe. «Unsere Bonbons bestehen noch immer aus den gleichen dreizehn Kräutern wir vor fast hundert Jahren.» Entscheidend sei die Rezeptur, die nie angepasst wurde und die nur ganz wenige Personen kennen. «Ich selbst gehöre nicht dazu», lacht der 54-Jährige. Anfänglich stammten diese Kräuter aus der Region. Als die Nachfrage grösser wurde, begann die Gründerfamilie mit Bergbauern zusammenzuarbeiten, die sich so einen Nebenverdienst sichern konnten. «Mit vielen unserer Lieferanten besteht eine langjährige Geschäftsbeziehung, einer unserer Agronomen ist permanent mit den Bauern in Kontakt und stellt sicher, dass unsere Kräuter gemäss den Richtlinien von Bio Suisse angebaut werden. Denn wir wissen: Ohne gesunde Böden und biodiverse Produktionssysteme im Schweizer Berggebiet gibt es langfristig keine Ricola mehr.»
Das Unternehmen habe erkannt, dass echte Nachhaltigkeit nur durch eine ganzheitliche Herangehensweise erreicht werden könne, die alle Aspekte des Geschäfts berücksichtige, sagt Meier weiter. Diese Haltung basiere auf einem starken Wertefundament der Gründerfamilie, das er teile. Ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie von Ricola, die bereits in den 1960er und 1970er Jahren entstand, ist die ökologische Landwirtschaft. «Alle Kräuter, die in den Bonbons verwendet werden, stammen aus kontrolliertem Anbau in den Schweizer Alpen, hauptsächlich aus dem Wallis, dem Entlebuch, dem Puschlav und dem Emmental.» Diese Partnerschaften seien nicht nur für die Qualität der Produkte entscheidend, sondern auch für den Erhalt der traditionellen Landwirtschaft in der Region. «Ricola unterstützt zudem bäuerliche Initiativen, die das Einkommen der Bauern in den Anbauregionen stärken», führt er aus. Auch bei allen anderen Rohstoffen wird streng auf Nachhaltigkeit, Biodiversität und Klimaschutz geachtet. So ist Ricola die grösste Partnerin für nachhaltige Zuckerrüben von IP Suisse. Auch bei der Verpackung wird auf möglichst umweltfreundliche Lösungen geachtet.
Abfallmanagement, Kreislaufwirtschaft
Angesetzt wird auch beim Geschmacksträger, dem Körper aller Bonbons, um nachhaltiger Landwirtschaft gerecht zu werden. Jenny Kunz, seit 2022 Director Sustainability, erklärt, dass -Ricola für die zuckerhaltigen Produkte IP-Suisse-Zuckerrüben verwende, für die zuckerfreien Isomalt aus dem grenznahen Ausland. Ausserdem habe das Unternehmen für jede Abteilung Programme implementiert, um Produktionsabfälle zu minimieren und wiederzuverwenden. «Zudem legen wir grossen Wert darauf, dass die Verpackungen der Bonbons aus nachhaltigen Materialien bestehen und zukünftig auch rezykliert werden können.» Weiter habe man die Plastikfolie zum Produktschutz der Klickboxen deutlich dünner gemacht. Ziel sei es, den Anteil an recycelbaren Verpackungen kontinuierlich zu erhöhen. Eine wichtige Rolle spielt die Kreislaufwirtschaft: Laut Kunz wird der Trester, also die Rückstände bei der Kräuterverarbeitung, einer Biogasanlage zugeführt. «Wir unterstützen auch die Pilotanlage eines Start-ups, das den Trester als Nährboden für die Produktion von Insektenprotein verwendet», so die Nachhaltigkeitschefin. Ricola besitzt seit über einem Jahr ein B-Corp-Zertifikat und gehört so zu einem weltweiten Netzwerk von rund 8100 Unternehmen, die nachweislich hohe Standards in den Bereichen Sozial- und Umweltverträglichkeit, rechtliche Unternehmensverantwortung und öffentliche Transparenz erfüllen und übernehmen. Dieses Zertifikat ist vor allem in den USA wichtig, dem grössten Markt von Ricola.
Das zweitwichtigste Absatzgebiet ist Deutschland vor Frankreich. Auf Platz vier kommt die Schweiz. Rund 7 Prozent des Absatzes gehen nach Asien. «Dieser Markt wächst jedoch -stetig», sagt Meier, der früher in verschiedenen Funktionen dort und in den USA gearbeitet hat. Seit seinem Amtsantritt bei Ricola 2019 hat er bis heute ein vierzehnköpfiges Asien-Team aufgebaut, das vor Ort tätig ist. Eigene Tochterfirmen gibt es in den USA, in Kanada, Singapur und China. «Wir sind dabei, das reine Familienunternehmen zu einer kleinen internationalen Firmengruppe zu entwickeln.» Insgesamt ist -Ricola in fünfzehn Märkten mit eigenen -Leuten präsent. Viel Wachstumspotenzial sieht Meier in Südkorea, China, Japan, Thailand, Kanada oder Grossbritannien. «Dabei ist es wichtig, Verständnis für die Eigenheiten der unterschiedlichen -Märkte zu haben und diese richtig zu entwickeln.» Dazu gehörten auch die Kreation neuer Produkte und der Ausbau des E-Commerce. Allgemein könne man sagen, dass Schweizer Klischees wie Berge, Alpen und Natur besser funktionierten, je -weiter weg ein Markt sei.
Kräuterzentrum aus Lehm
Der Klimaschutz ist ein weiterer -wichtiger -Aspekt der Nachhaltigkeitsstrategie von -Ricola. Das Unternehmen hat Massnahmen ergriffen, um den Energieverbrauch in seinen Produktionsstätten zu reduzieren und den Einsatz erneuerbarer Energien zu fördern. Solarenergie und Elektroautos seien selbstverständlich. Lieber erwähnt der CEO das 2016 erbaute Kräuterzentrum, ein imposanter und ästhetisch anspruchsvoller Lehmbau, der von den Architekten Herzog & de Meuron entworfen wurde. Dorthin werden die Alpenkräuter nach der Ernte gebracht, und dort finden die ersten Verarbeitungsschritte statt – von der Qualitätssicherung bis zu Kontrollen auf Frische, Aroma, Reinheit, Farbe und Zustand. «Nur die besten Kräuter werden letztlich für die Produktion verwendet», so Meier. Durch diese sorgfältige Verarbeitung werde dafür gesorgt, dass die Wirkstoffe der Kräuter optimal erhalten bleiben.
Im Kräuterhaus ist weder eine Klimaanlage noch eine Heizung nötig, denn durch die Lehmhülle reguliert sich die Temperatur selbst. Als Reminiszenz an die wichtigsten Zutaten befindet sich zwischen diesem Haus und dem Produktionsgebäude ein Rondell mit den dreizehn verwendeten Kräutern. Durch die Optimierung der Produktionsprozesse und den Einsatz energieeffizienter Technologien konnte Ricola seinen CO2-Ausstoss erheblich senken, und diesen Weg will man konsequent weitergehen. Dazu trägt auch die bereits hochdigitalisierte Produktion bei. In der Kräuterverarbeitung würden gemäss Thomas P. Meier aber viele Arbeitsschritte bewusst von Hand gemacht – und das werde auch so bleiben. Grundsätzlich dürfe man sich nicht verzetteln, denn die Ökologie müsse immer im Gleichgewicht mit der Ökonomie sein, um weiterhin erfolgreich und wettbewerbsfähig bleiben zu können.