Die Menschheit sollte nicht aus den fossilen Brennstoffen aussteigen, sondern im Gegenteil mehr davon benutzen. Das ist die Botschaft des amerikanischen Philosophen Alex Epstein in seinem Buch «Fossile Zukunft», das seit kurzem auf Deutsch vorliegt. Darin ist so ziemlich alles anders als gedacht, was nur vorstellbar ist.
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Epstein stellt zunächst fest, dass die Bedeutung von Kohle, Öl und Gas in der globalen Energieversorgung überragend ist. Dank unübertroffenen Vorteilen wie Dichte, Verfügbarkeit, Lagerfähigkeit und Kosten seien fossile Brennstoffe die Grundlage des Wohlstands und hätten eine Welt ermöglicht, die «unnatürlich lebenswert» sei. Sämtliche relevanten Indikatoren – Lebenserwartung, Kindersterblichkeit oder Gesundheit – hätten darum innerhalb von 200 Jahren historisch einzigartige Werte erreicht.
Fossile Brennstoffe würden nicht nur durch maschinelle Arbeit das Leben erleichtern, sondern uns auch zeitliche Freiräume für geistige Arbeit schaffen, die ihrerseits das Wohlergehen der Menschen voranbringe. Auf Kohle, Öl und Gas zu verzichten, wie das die Klimapolitik anstrebe, würde die Welt zurück ins Mittelalter bringen. «Es käme einer Apokalypse gleich, konsequent bis zum Ende aus der Nutzung fossiler Brennstoffe auszusteigen», so Epstein. «Selbst eine teilweise Umsetzung würde weltweitem Leid und Massensterben Vorschub leisten.»
Er macht ein «Mainstream-Wissenssystem» dafür verantwortlich, dass die breite Öffentlichkeit vom Gegenteil überzeugt sei. «Die ‹Erziehung› in Sachen Klimakatastrophe führt dazu, dass eine Generation in Angst aufwächst.» Im Kern beruhe die Klima-Ideologie auf einem «Anti-Eingriffskonzept», das von einem fragilen Gleichgewicht der Natur ausgehe und jede Veränderung der Welt durch den Menschen – etwa zur Energiegewinnung – als schädlich erkläre. Richtig sei aber, dass man in die Natur eingreifen müsse, um lebenswerte Bedingungen zu schaffen.
Ergiebigere Ernten
Noch lebten aber Milliarden von Menschen in Armut. Um auch ihr Leben zu «ermächtigen», so Epstein, müsse der Einsatz von fossilen Brennstoffen ausgeweitet werden. Denn es gebe keine andere Möglichkeit, diesen Menschen ausreichend günstige Energie als Voraussetzung für Wohlstand bereitzustellen. Mit Ausnahme der Atomkraft als «vielversprechendste Alternative» zu den Fossilen, sei keine andere Energieform dazu in der Lage. Die Nachteile der erneuerbaren Energie aber würden konsequent unter den Teppich gekehrt.
Der Autor macht geltend, dass die Erhöhung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre auch eklatante Vorteile habe – zum Beispiel, weil wegen des Düngungseffekts höhere Ernten erzielt würden oder wegen der Erwärmung die Zahl der Kältetoten abnehme. Während über solche Vorteile Schweigen herrsche, würden die negativen Folgen der Erderwärmung masslos übertrieben und zur Katastrophe hochgespielt. Richtig sei vielmehr, dass sich der Mensch gegen Extremwetter immer effizienter schützen könne – was die Reduktion der unwetterbedingten Todesfälle um 98 Prozent in den letzten hundert Jahren eindrücklich zeige.
Die Voraussetzung dieser «Klimabeherrschung» seien wiederum die fossilen Brennstoffe, dank deren Einsatz die Menschen gefährliche Temperaturen meistern oder gegen die Folgen von Dürren, Stürmen und Bränden vorgehen könnten. Verzichte man auf Öl, Kohle und Gas, sei man gefährlichen Klimabedingungen weitgehend schutzlos ausgesetzt.
Das Buch «Fossile Zukunft» von Alex Epstein ist ein Monumentalwerk. Alle, die sich mit den Themen Klima und Energie befassen, sollten es gelesen haben.
Akex Reichmuth ist Redaktor beim Nebelspalter.