Liebe mit Vertrag
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Tamara Wernli

Liebe mit Vertrag

Überraschung! Paare mit Ehevertrag bleiben eher zusammen als solche ohne.

Sein Ruf ist schlecht: Wer einen Ehevertrag braucht, um seine Liebe abzusichern, traut der Sache wohl selbst nicht so ganz. Dem Ehevertrag hängt das Etikett der Kontrolle und der Berechnung an, auch des Misstrauens – das Gegenteil dessen, was man sich unter Liebe und Romantik vorstellt. Er plant für den Fall, dass es doch nicht klappt – und in vielen Fällen klappt es tatsächlich nicht; hierzulande liegt die Scheidungsrate bei knapp 40 Prozent – bei einer durchschnittlichen Ehedauer bis zur Scheidung von 15,7 ​Jahren. Aber Achtung jetzt: Menschen, die einen Ehevertrag abschliessen, bleiben deutlich häufiger zusammen als jene, die keinen haben. Überrascht? War ich zuerst auch.

Illustration: Fernando Vicente
Liebe mit Vertrag
Illustration: Fernando Vicente

Zumindest wenn es nach James Sexton geht – einem renommierten New Yorker Scheidungsanwalt und einem Mann, der vermutlich mehr über das Ende der Liebe weiss als alle Liebesromane zusammen. Sexton war zu Gast im Huberman Lab Podcast und erzählte: «Ich habe in den letzten 25 ​Jahren Hunderte, wenn nicht Tausende Eheverträge gemacht. Etwa fünf Paare haben sich danach auch wirklich scheiden lassen.» Fünf. Das ist weniger als die Zahl der Beziehungen, die der Durchschnittsmensch führt, bevor er heiratet.

Manchmal zeigt sich erst viel später, dass Erwartungen nicht zusammenpassen.

Sexton sieht in Eheverträgen kein Zeichen von Misstrauen, sondern von Offenheit: «In der Regel hat man, wenn man einen Ehevertrag aufsetzt, am Ende ein gutes Verhältnis zur anderen Person.» Eheverträge seien meistens eine freundliche Angelegenheit, im Gegensatz zu Scheidungen. Warum kommt er zum Fazit, dass diese Paare deutlich häufiger zusammenbleiben? «Ich denke, es ist eine Form der Selbstselektion. Die Art von Menschen, die in der Lage sind, die Gespräche zu führen, die nötig sind, um einen Ehevertrag zu diskutieren, sind auch genau die, die in der Ehe erfolgreich sein werden.» Es sei eine Frage der Kommunikation innerhalb des Paarkosmos.

Die Theorie leuchtet ein. Wer einen Ehevertrag aufsetzt, geht die Sache nicht nur rational an; was er vor allem tut: Er redet. Über Geld, Kinder, Karriereträume, Rollenverteilung. Vielleicht darüber, wer im gemeinsamen Reihenhaus bleiben darf, wenn der eine plötzlich Yogalehrer auf Bali werden will. Man klärt Erwartungen, Werte und Lebensentwürfe, führt diese schwierigen Gespräche – bevor man die lebenslange Abmachung eingeht. Viele Paare führen sie erst, wenn sich die Vorzeichen eines Knalls häufen. Der bewährte Weg für spätere Missverständnisse ist Schweigen – und die Unlust (oder das Unvermögen), vor der Ehe darüber zu sprechen, was «gemeinsames Leben» eigentlich konkret bedeutet. Stattdessen lässt man sich von dem naiven, süssen Glauben blenden, dass die Liebe allein schon alles regelt. In der Verliebtheitsphase (wissenschaftlich belegt: hält etwa zwei Jahre, fühlt sich an wie Ferien auf der Zuckerwatte) denken beispielsweise viele nicht daran, die Kinderfrage en détail zu klären: Wer bleibt dann zu Hause, wer zahlt was, wer arbeitet welches Pensum?

Ich erlebe gerade so einen Fall in der Bekanntschaft: Ein Paar um die fünfzig, zwei Kinder, er auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere, sie im Teilzeitpensum einer nicht so befriedigenden Arbeit, beide bedrängt von gegenseitigen Beschuldigungen und in mittelhohem Masse frustriert. Sie, weil sie das Gefühl hat, den Preis für die Karriere ihres Gatten bezahlt zu haben, was sie ihm auch ständig vorhält; er, weil sie ihn ja als ambitioniert kennengelernt hatte und aus seiner Perspektive von Anfang an klar war, dass er seine Karriere weiterverfolgen und Haupternährer sein würde. «Wir haben nie wirklich über unsere Bedürfnisse gesprochen, wollten einfach mal schauen, wie sich alles entwickelt», hiess es von seiner Seite. Manchmal zeigt sich erst viel später, dass Erwartungen nicht zusammenpassen.

 

Natürlich ist ein Ehevertrag kein Garant für lebenslanges Glück. Aber die Bereitschaft, sich früh mit unbequemen Themen auseinanderzusetzen, zeigt etwas Wichtiges: die Fähigkeit, nicht nur die eigenen Wünsche im Blick zu haben, sondern auch den Willen, die des anderen zu verstehen. Diese Kunst hilft, auch spätere Krisen konstruktiv zu meistern. Wer das kann, gehört vermutlich sowieso zu den Menschen, die gute Chancen auf eine stabile Ehe haben, vertragliche Absicherung hin oder her. Womit wir doch wieder bei der Romantik wären.

 

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