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Anders als gedacht

Klima-Hype ade

Glaubt man Fachleuten, steht es schlecht um das Klima. Letztes Jahr lagen die Welttemperaturen erstmals mehr als 1,5 Grad über dem Niveau der vorindustriellen Zeit – und es scheint, dass diese Limite bald dauerhaft überschritten ist. Gleichzeitig wird trotz allen Konferenzen immer noch mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen. Diejenigen, die die Erderwärmung als grösste Herausforderung der Menschheit bezeichnen, sehen sich bestätigt. Klimawandel, das Topthema – sollte man zumindest meinen.

DALL-E/OpenAI
Der Daueralarm hat sich abgenutzt.
DALL-E/OpenAI

Doch es ist anders als gedacht: Das Klimaproblem interessiert die Bevölkerung immer weniger. Das belegt eine neue Umfrage der Brüsseler Denkfabrik Bruegel in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Schweden. Während die gleiche Erhebung vier Jahre zuvor noch ergab, dass der Klimaschutz in den fünf EU-Staaten erste Priorität geniesst, ist dieses Thema inzwischen auf Rang drei des Sorgenbarometers abgerutscht. Die Probleme der wirtschaftlichen Prosperität und der Sicherheit stossen inzwischen auf mehr Beachtung.

 

Überall kritische Stimmen

Der Bedeutungsverlust wird begleitet von einer wachsenden Skepsis, was die Ursachen des Klimawandels angeht. So glauben in Deutschland, Polen und Schweden inzwischen weniger als die Hälfte der Befragten, dass überwiegend menschliche Aktivitäten schuld sind an der Erderwärmung. Der Anteil der «harten Skeptiker», die vor allem natürliche Gründe sehen, ist gleichzeitig in allen fünf Ländern in den zweistelligen Prozentbereich gestiegen – in Polen sogar auf 23 Prozent.

Dass sich der Klimahype dem Ende zuneigt, ist auch Benny Peiser aufgefallen. Er stand bis Ende März der britischen Global Warming Policy Foundation (GWPF) vor, die für mehr Vernunft in der Klimapolitik kämpft. Nun hat er den Job als Direktor, den er seit der Gründung der GWPF 2009 innehatte, abgegeben und ist in Pension gegangen. «Mein Nachfolger als Stiftungsdirektor wird es leichter haben», sagte Peiser zum Nebelspalter. Denn viele Politiker hätten inzwischen eingesehen, dass es mit der Politik gegen die Erderwärmung so nicht weitergehen könne. Beim Start der GWPF vor sechzehn Jahren seien er und seine Mitstreiter noch «einsame Rufer in der Wüste» gewesen. «Das hat sich inzwischen geändert», so Peiser. Es seien überall kritische Stimmen zu hören, die das Netto-null-Ziel in Frage stellten.

Am deutlichsten erkennbar ist der Stimmungsumschwung in Sachen Klimapolitik bei Donald Trump. Mit brachialer Gewalt holzt der US-Präsident alle Programme zur Erreichung der Klimaneutralität ab. Unter dem Motto «Drill, baby, drill» fördert er den Abbau fossiler Brennstoffe im eigenen Land, um die erneuerbaren Energien an die Wand zu fahren.

Doch auch in Europa hat der Wind gedreht. EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen ist daran, viele hochgesteckte Ziele im Rahmen des «Green Deal» zurückzunehmen. So hat die Europäische Union etwa die Einführung strengerer Emissionsgrenzwerte für Autos um zwei Jahre verschoben. Auch das für 2035 angekündigte Verbot für Verbrennerfahrzeuge ist am Wackeln.

Von der Leyen beschwichtigt zwar und spricht von einer «Atempause». Auch die linksliberale Süddeutsche Zeitung hat lediglich eine «Pause im Klimaschutz» registriert. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne, die der Klimawandel geniesst, dem Ende zuneigt. Rund zwanzig Jahre lang dominierte die Erderwärmung die Schlagzeilen. Aber der Daueralarm hat sich abgenutzt. Die Menschen wenden sich anderen, wohl wichtigeren Problemen zu. Die sogenannten Klimafachleute mögen noch so laut rufen – sie werden immer weniger gehört.

 

Alex Reichmuth ist Redaktor beim Nebelspalter.

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