Zur nächsten jährlichen Uno-Klimakonferenz COP30 im November werden über 50 000 Teilnehmer im brasilianischen Belém erwartet. Die weltweit orchestrierte Klimapolitik bewegt also viel, kann man beim Blick auf dieses rege Treiben sagen – noch ungeachtet der Unterscheidung zwischen Sinn und Unsinn. Klimafragen intensivieren Umverteilungskämpfe zwischen Entwicklungs- und Industrieländern; in Europa haben viele Länder einschneidende Regulierungspakete erlassen mit dem offiziellen Ziel, die CO2-Emissionen bis 2050 auf netto null zu drücken, Klimaneutralität genannt.
Die Beschlüsse von 2016 in Paris zur Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad sowie die daraus folgende Netto-null-Forderung haben sich, unter Einsatz riesiger Subventionierungen, zu fixen Ideen verfestigt, die in Milliarden Entscheidungen hineinspielen. Zahllose Unternehmen haben in der Stimmung von Eiffelturm und EU-Green-Deal-Sternen das Versprechen formuliert, bis 2050 «klimaneutral» zu werden, also «netto null» zu erreichen.
Was heisst das in der Praxis? «1,5 Grad» und «netto null» sind ja nicht wissenschaftlich fundiert, sondern politisch ausgehandelt worden. Es herrscht eine Inflation der Versprechen. Unser Autor Oliver Stock begibt sich in seinem Beitrag auf zur Story auf die Suche nach einer Zauberformel, die Klimaneutralität herbeiführen könnte. Die praktische Annäherung an das Problem fängt «ganz unten an», er fragt sich durch «bis hoch nach Brüssel». Stock zeichnet das Herantasten an Klimamassnahmen auf; die Klimaschutzbranche erzielt Rekordumsätze, etwa mit Beratung. Auch auf Staatsseite brodelt es, die Öko-Bürokratie blüht (zur Story).
Zu den Klimamassnahmen der Unternehmen zählt der Handel mit CO2-Emissionsrechten – hier auch illustriert anhand einer in Madagaskar tätigen NGO (zur Story). Andere Berichte im Heft zeigen, wie die IT-Riesen der künstlichen Intelligenz Energie sparen müssen oder wie die Bankenbranche es erfolglos mit einer formellen Klimaschutz-Allianz versuchte.
Bedeutung der Kernkraft
Besonders grosse und wirksame Hebel zum Beeinflussen der Emissionen und der Energieversorgung bietet die Nuklearenergie. Prof. Andreas Pautz, Leiter des Zentrums für Nukleare Technologien und Wissenschaften am Paul-Scherrer-Institut (PSI), legt im Interview ab zur Story dar, welche neue Bedeutung die Kernkraft erlangen kann, sollte das Verbot in der Schweiz aufgehoben werden. Nach seiner Einschätzung kann man Kraftwerke in der Schweiz rentabel bauen und betreiben, sowohl grössere als auch kleine, modulare Anlagen.