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Die Weltwoche

Im Zweifel für Israel

Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand
Böses antut! Mehr noch: Wenn dich jemand
auf die rechte Wange schlägt,
dann halte ihm auch die linke hin.

Jesus von Nazareth

 

Der Krieg in Gaza löst Empörung aus. Am Anfang war das Entsetzen gross über den Terrorangriff der Hamas. Mittlerweile verdrängt die Kritik an Israel das Anfangsgrauen. Auch wenn die Opferzahlen der Hamas-Behörden kaum stimmen dürften, ist die Zahl der Toten, darunter Tausende von Frauen und Kindern, ungeheuerlich.

ROBERT MICHAEL / KEYSTONE
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ROBERT MICHAEL / KEYSTONE

Bomben sich die Israeli in den Untergang? So sehen es die schärfsten Kritiker, darunter einige, die wenig Sympathien für den Judenstaat empfinden. Manche sprechen gar von einem «Völkermord», doch der Vorwurf geht fehl. Ist es nicht, wenn schon, die Hamas, die als Terroristen-Guerilla die Palästinenser verheizt?

Wenn es nur so einfach wäre. Die Hamas ist die Fratze eines Hasses, der sich auf den von Israel beherrschten Gebieten staute und nun explodierte. Was aber hätte die Regierung Netanjahu tun sollen gegen einen Feind, der sich unter Schulen und Spitälern einbunkert, die eigene Bevölkerung als Schutzschild im Bombenhagel opfert?

Der Konflikt zwischen Juden und Arabern ums Heilige Land ist biblisch. Einst marschierte Mohammed ins zerstörte Jerusalem. Der grosse Eroberer sah sich und die Seinen als Nachfolger der aus den Tempelruinen vertriebenen Juden: Nicht mehr ihr, wir sind jetzt Gottes auserwähltes Volk! So dürfte es der Prophet damals gesehen haben.

Wo sich Politik und Religion seit Jahrtausenden vermischen, wird es schwierig für den mitteleuropäischen Verstand. Wer behauptet, diesen gordischen, sich seit Menschenaltern immer mehr verwirrenden Knopf durchschlagen zu können, betrügt. Leider gibt es kein simples Patentrezept, keine schwarzweisse Lösung.

Auch ich habe keine parat, aber es gibt Ahnungen, Intuitionen, die womöglich etwas Orientierung liefern. Im Krieg geht es darum, Loyalitäten zu klären, zu wissen, wo man steht. Nein, ich behaupte nicht, die Hamas habe am 7. Oktober die Schweiz attackiert. Aber der Angriff berührt uns mehr, als wir zu denken wagen.

Die Schweiz ist ein christliches Land. Das zu sagen, ist heute eine Provokation. In einer Zeit, die an alles Mögliche glaubt, ist der christliche Glaube anstössig, verdächtig geworden. In seiner Ausschliesslichkeit steht er gegen alle anderen Glaubenssysteme, die man früher Aberglauben nannte.

Die Schweiz ist ein christliches Land. Das zu sagen, ist heute eine Provokation.

Die Schweiz ist unentrinnbar christlich. Das heisst, unsere Schweiz, Teil der europäischen Kultur, bleibt auch dann christlich geprägt, wenn viele ihrer Einwohner vom christlichen Glauben nichts mehr wissen wollen. Unser Denken, Handeln und Urteilen, unsere Institutionen, unsere Demokratie sind ein christliches Produkt.

Die Wurzel des Christentums aber ist das Judentum. Alles, was wir sind und was wir geschichtlich wurden, wurzelt in der jüdischen Kultur. Jeder Angriff auf die Juden als Juden ist so gesehen ein Angriff auch auf uns, denn die Todfeinde des Judentums, das ist geschichtlich erwiesen, waren stets die Feinde auch der christlichen Zivilisation.

Das gilt gerade dort, wo sich der Judenhass am bestialischsten austobte, in den beiden Massenmörderideologien des 20. Jahrhunderts. Hitler machte Ernst mit seiner Judenvernichtung. Seinen Antipoden Stalin hinderte nur ein Hirnschlag an der Vollstreckung bereits geplanter antijüdischer Pogrome.

Was die National- und die Internationalsozialisten verband, war der institutionalisierte Amoklauf gegen das jüdisch-christliche Abendland. Beide Diktaturen standen für eine Welt ohne Gott, für eine Welt der blossen Materie, in der sich am Ende die weltlichen Machthaber zu Ersatzgöttern erklärten, denen unter Todesdrohung zu huldigen war.

Ich stelle diese Bezüge nicht deshalb her, weil ich die Kriegführung der israelischen Führung gegen die Hamas rechtfertigen oder beschönigen möchte. Beim Anblick der Zerstörungen bin ich so fassungs- und ratlos wie jene, die ihrer Wut der Ohnmacht durch masslose Anschuldigungen nach dieser oder jener Seite ein Ventil verschaffen.

Allerdings halte ich es für wichtig, unseren Standort als Schweizer in Bezug auf Israel zu begreifen. Wir stehen auf der gleichen Seite und sind mit gemeint, wenn Juden ermordet werden, einfach deshalb, weil sie Juden und wir Christen sind. Hamas und Co. wollen das Jüdische ausmerzen – die Wurzel unserer eigenen Kultur.

Das Existenzrecht Israels kann uns darum nicht egal sein. Israel steht uns näher, ist bei allen Konflikten zwischen Christen und Juden über die Jahrhunderte letztlich ein Teil von uns selbst, ein Kernelement gerade unserer Identität. Wir haben ein Interesse daran, dass die seit Jahrtausenden verfolgten Juden einen sicheren Ort zum Leben haben.

Was aber heisst das nun für die Schweiz? Sollen wir mit der Waffe in der Hand an der Seite der israelischen Truppen gegen die Hamas kämpfen? Müssen wir unsere Neutralität aufgeben, um uns mit aller Kraft in diese existenzielle Auseinandersetzung zwischen Juden und Muslimen hineinzustürzen?

Davon rate ich ab. Die glaubensgeschichtliche Verbundenheit mit Israel bedeutet für die Schweiz, dass wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten für das Existenzrecht der Juden zu engagieren haben und damit für den Frieden. Unser bewährtes Instrument dafür ist die Neutralität. Denn wir dürfen nichts tun, was die eigene Sicherheit gefährdet.

Zweitens sollten wir uns fragen, wie viele Muslime die Schweiz verkraftet, wie viel islamische Zuwanderung wir zulassen wollen, können, dürfen. Die Geschichte lehrt, dass das Zusammenleben oft konfliktreich war. Noch ist die muslimische Kultur nicht frei von Ambitionen der Unterwerfung und Eroberung. Das gilt es zu beachten.

Vielleicht liefert das Christentum einen Lösungsansatz für den Gaza-Krieg. Judentum und Islam folgen dem alten Grundsatz: «Auge um Auge, Zahn um Zahn.» Die Christen glauben – «Liebet eure Feinde» – ans Verzeihen. Solange sich Juden wie Muslime der christlichen Einsicht verschliessen, wird der biblische Ur-Konflikt nicht enden.

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