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Held der Aufrichtigkeit

Held der Aufrichtigkeit

Robert Redford war einer der letzten grossen Filmstars. Nicht nur ein romantischer Held, sondern auch ein engagierter Zeitgenosse.

Er war Hollywoods Easy Rider. Mit seinem Charme und blendenden Aussehen ein ewiger Gatsby. In einer Zeit, als der Western praktisch tot war und von Actionfilmen oder der «James Bond»-Reihe verdrängt wurde, der Italowestern die Regeln des Genres zertrümmert hatte und die Branche auf harte Antihelden setzte, füllte er, gemeinsam mit Paul Newman, die Kinokassen mit dem Buddy-Western «Butch Cassidy and the Sundance Kid» (1969). Er war gegen den Strich gebürstet, halb anarchische Komödie, halb Romanze und ein wenig Kindskopfspielerei.

Credit: Collection Christophel / Alamy Stock Photo
Autarke Männlichkeit, smarte Lässigkeit: Schauspieler Redford (1936 – 2025).
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Robert Redford, 1936 in Santa Monica geboren, vermittelte schon in seiner Jugend eine Aura, die ihm später die Rolle eines Senators im Wahlkampf einbrachte («The Candidate», 1972). Es war eine an John F. Kennedy erinnernde Ausstrahlung, eine Mischung aus autarker Männlichkeit, smarter Lässigkeit und Emotionalität – aber nur so viel, dass die Frauen nach mehr verlangten. Mit seinen Sommersprossen, seiner Sportlichkeit und dem skeptisch-fragenden Zug um den Mund hatte er zugleich auch etwas von einer Norman-Rockwell-Figur, dem verschmitzten Lausbuben. In der Ganovenkomödie «The Sting» (1973), wieder mit Paul Newman, breitete er das voll auf der Leinwand aus.

 

Verspielter bürgerlicher Held

Doch Robert Redford war keineswegs nur der romantisch angehauchte und verspielte bürgerliche Held. Auch wenn er als Regisseur und Produzent mit Arbeiten wie «Ordinary People» (1980), für den er seinen ersten Oscar erhielt, oder «The Horse Whisperer» (1998) dem konventionellen Hollywood-Format durchaus entsprach, war er zugleich ein scharfer Kritiker des Systems und einer der ersten Umweltaktivisten. 1981 wurde er in seiner neuen Heimat Utah Vorsitzender eines unbedeutenden Regionalfilmfestivals, das heute als Sundance Filmfestival hochgeachtet ist. Er beteiligte sich an Umweltschutzorganisationen und engagierte sich auf Klimakonferenzen.

Er war ein Nachfolger der klassischen Traumfabrik-Heroen wie Lancaster, Mitchum, Wayne und Brando.

Robert Redford gehört mit Jack Nicholson, Clint Eastwood, Gene Hackman und Co. zur Nachfolgegeneration der klassischen Traumfabrik-Heroen Burt Lancaster, Kirk Douglas, Robert Mitchum, John Wayne und Marlon Brando. Mit Redford, Nicholson und Hackman begann das «New Hollywood», und das war nicht mehr geprägt von Superhelden-Posen. In einem von Redfords frühen Filmen, «The Chase» (1966), steht die Konfrontation beider Generationen im Zentrum. Redford spielt einen verwöhnten Bengel aus reichem Haus, den Verfehlungen in eine Besserungsanstalt brachten, aus der er floh. Sein Jäger ist Marlon Brando als sarkastischer Sheriff. Die American Academy of Dramatic Arts in New York, an der Redford 1957 vorsprach, ist nicht das Actors Studio, das Marlon Brando hervorbrachte, aber diese Art Spiel suchte er nicht. Nach Bühnenauftritten erhielt er von einer Agentur einen Vertrag und landete in Serien wie «Maverick» und «Perry Mason».

 

Schlagartig ein Frauenschwarm

Der Regisseur, der ihn prägen sollte, war Sydney Pollack. 1966 drängte er ihn in die Tennessee-Williams-Adaption «This Property Is Condemned». Pollack sah sein Profil in der Rolle des introvertierten Einzelgängers. 1967 wurde er in «Barefoot in the Park» (1967) neben Jane Fonda aus diesem Grund schlagartig zum Frauenschwarm. Den grössten Redford-Erfolg verbuchte Pollack mit der Verfilmung von Tania Blixens autobiografischem Roman «Out of Africa» (1985) mit Meryl Streep als Blixen und Redford als ihrem verwegenen Geliebten, dem Grosswildjäger Finch Hatton. In «The Great Gatsby» (1974) war er in seinem weissen Outfit der absolute Glamour-King gewesen, in «Out of Africa» kam das Raubtier-Flair hinzu.

Seine engagierteste Rolle wurde die des unbestechlichen Investigativjournalisten Bob Woodward in «All the President’s Men» (1976). Das Image des liberalen, in der Watergate-Affäre um die Wahrheit kämpfenden Reportes war die Rolle seines Lebens. Er war der Held der Aufrichtigkeit, Wahrheit, Engagiertheit. Dass man sein Aussehen über Inhalte stellte, hat ihn deprimiert. Schon über «The Candidate» war er deshalb enttäuscht: «Der Film hat rein gar nichts bewirkt. Oder nehmen Sie ‹All the President’s Men›. Viele Leute mochten diese Filme, aber sie erreichten nichts. Da mache ich mir nichts vor.» In «The Electric Horseman» (1979) war er ein abgewrackter Rodeoreiter, der aus Zorn über die kaputte, drogenverseuchte Stadt seinen Werbejob hinschmeisst und davonreitet. Als einer der letzten grossen Stars wird er bleiben.

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