Kürzlich hat die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) unter ihrem neuen Chef Lee Zeldin ihre Einstufung, die «Treibhausgase» als Gefahr für die öffentliche Gesundheit und Wohlergehen (endangerment finding), zurückgenommen. Darunter ist das wichtigste Spurengas CO2, derzeit mit einer Konzentration von 0,042 Volumenprozent in der Atmosphäre, vorhanden. Das sind 420 Teilchen pro Million (parts per million: ppm). Diese findings sind das halbrechtliche Pendant der USA zu den konkreten Grund- und anderen Gesetzen in Deutschland und der EU. Die aber, anders als die EPA, die Treibhausgase weiterhin unbedingt vermeiden wollen. Für die EU ist es die Basis für ihren Green Deal.
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Kein Wunder, dass dies in deutschen Redaktionsstuben Panik ausgelöst hat. Man möge dies exemplarisch beim ZDF, ARD oder beim Spiegel nachlesen. Doch ist diese Rücknahme der EPA lediglich ein wichtiger, wenn auch nur ein erster Schritt. Denn mindestens so wichtig ist es, eine Klimareligion, die sich heute als Wissenschaft ausgibt, zu enttarnen und die wirkliche Klimawissenschaft auf das zurückzuführen, was sie bis vorher war: eine statistische Zweitwissenschaft, die – ausgestattet mit modernen Computern und ungeheurer Rechenleistung sowie vielfältigen dauerhaften und sehr grossen, vielfältigen Messungen – auf der Basis der Meteorologie zu sehr nützlichen Erkenntnissen führt.
Dazu ist es notwendig, sich etwas eingehender mit der Substanz Kohlenstoff, das heisst mit dem Kohlendioxyd beziehungsweise CO2 und damit dem Baustoff allen Lebens auf der Erde, und der Verwendung ihrer wichtigen Energie der Sonne zu befassen.
Hauptquelle Wasserdampf
Wie manche Fachleute schon richtig vermutet haben, ist der Wasserdampf – nach dem eigentlichen Antrieb, der Strahlung der Sonne – die Hauptquelle für die Temperaturentwicklung der Atmosphäre der Erde. «It’s the water vapor, stupid!», könnte man in Anlehnung an Bill Clintons berühmten Wahlkampfspruch sagen. Laut internationaler Übereinkunft ist er das allumfassende «Treibhausgas». Er ist im Mittel mit über 15 000 ppm in der Atmosphäre vorhanden. Also 35-mal so viel wie das CO2.
Doch nicht nur das. Er hat sehr viel mehr und viel breitere Frequenzbänder, in denen Infrarotlicht aufgenommen und wieder abgestrahlt werden kann, als das CO2. Und er ist auch für die anderen Klimaparameter wie Wolkenbildung, den Regen, das Eis und damit für das Wasser im Allgemeinen und somit für den Wasserkreislauf zuständig.
Das sehen auch die Klimaforscher so, allen voran die beiden berühmten Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf in ihrem Buch von 2005, «Der Klimawandel»; beide vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Doch sie weisen darauf hin, dass der Wasserdampf nur deswegen nicht in der Diskussion zur Begrenzung der Erwärmung durch Treibhauseffekt einfliesst, weil der Mensch ihn nicht beeinflussen kann. Sich deshalb auf CO2 zu konzentrieren, ist in etwa so, als ob man versucht, mit einigen Haaren des Schwanzes eines Hundes mit dem Hund selbst zu wedeln. Doch so dumm es sich anhört – es hat gewirkt.
Die halbe Welt ist diesem gewaltigen Schwindel aufgesessen. Man hat diverse Gesetze und Vorschriften erlassen, etwa in Deutschland bis hin zum Grundgesetz, und dafür viele Billionen Euro in Massnahmen zur «Vermeidung von CO2» versenkt. In der EU ist es beispielsweise der Green Deal, untrennbar mit den Namen von Frans Timmermans und Ursula von der Leyen verbunden, der zusätzlich zu den Milliarden, welche die Länder für diesen Unsinn ausgeben, weitere Billionen lockermachen wird.
Verluste mit «Wüstenstrom»
Und wie das so ist: Das Geld ist ja nicht weg, es ist nur im Besitz von anderen. Beispielsweise die, die sich mit den unzähligen Windkraft- oder Fotovoltaikanlagen die Taschen füllen. Neben den Direktbetreibern profitieren eine Fülle von Gesetzgebern, Planern, Errichtern und Ingenieurbüros, aber auch die Gemeinden und Städte wie auch ganze Landkreise. Das Milliardenprojekt Desertec etwa war ein Irrsinnsprojekt, um «Wüstenstrom» in der Sahara zu gewinnen, um diesen dann über Zigtausende von Kilometern per Hochspannungsleitung zu den Verbrauchern zu transportieren. Dabei hätte ein kurzer Blick in die lang erprobte Stromgewinnung und -verteilung all dem sofort eine Absage erteilt. Doch obwohl die Riesenverluste bei Desertec bei Gesamtkosten von 400 Milliarden Euro das Ganze einige Jahre später zum Erliegen brachten, sind die Schlangenölverkäufer bei den Nachfolgeprojekten wie der Wasserstoffgewinnung und -verteilung über Ammoniak in Namibia wieder ganz vorne mit dabei.
Und es ist daher an der Zeit, einen Blick zu werfen auf das riesige, sich als Wissenschaft tarnende, rein hypothetische Gebäude, worin wir dummen Menschen gefangen gehalten werden. Es ist die «Klimawissenschaft des CO2», reich bespickt mit vielen Korrelationen, die unverzüglich zu Ursache-Wirkungs-Beziehungen erklärt werden, mit den vielfältigen Modellen, die das alles bezeugen sollen. Mit Modellen, die als Teil eines Ensembles präsentiert werden und mittels riesiger Computer präzise darstellen sollen, wie sich die Zukunft des Klimas der Erde entwickeln soll.
Doch es ist in der Realität nicht so. Klima ist chaotisch und auch nicht-ergodisch. Das bedeutet, dass sich nicht nur alle Klimaberechnungen mit vierzig oder fünfzig Variablen auseinandersetzen müssen, was nicht funktioniert, sondern auch, dass Mittelwerte oder andere statistisch wohlerprobte Schlussfolgerungen, wie Standardabweichungen oder Varianzen, hier nichts bringen. Man kann sie mathematisch einsetzen, aber was herauskommt, ist irgendetwas. Man weiss weder warum noch warum nicht. Deshalb sind sie einfach physikalisch nicht zulässig.
Damit ist dieses Ganze, sich hochwissenschaftlich anhörende Klimagerede nichts anderes als wissenschaftlich verbrämter Humbug. Denn was es mit der richtigen Klimawissenschaft – eine Anwendungswissenschaft der Chaostheorie – auf sich hat, kann niemand besser darstellen als Heinz-Otto Peitgen, Physiker und Mathematiker der Universität Bonn. Er tut dies in einem ausführlichen Video (www.youtube.com/watch?v=Isrz5K4O9AM). Die zwei Stunden sind für Interessierte gut angelegt.
Einige sehr wichtige Erkenntnisse daraus, die im Grunde schon lange Stand des Wissens sind:
1 – Klima ist chaotisch.
2 – Um das chaotische System Klima trotzdem in den Griff zu bekommen, bedient man sich des Kunstgriffs einer «Parametrisierung». Das ist eine gutklingende Umschreibung für die Ergänzung fehlender, oftmals unbekannter, vielleicht aber ebenfalls chaotischer Komponenten durch vorgegebene Werte. Was zur Folge hat, dass dann vielleicht vernünftig erscheinende Werte herauskommen, die es aber nicht sind, weil man nicht weiss, auf welchen physikalischen Prinzipien sie basieren.
3 – Das Wesensmerkmal eines chaotischen Systems ist ferner, dass es kein Gleichgewicht hat. Somit sind auch Gleichgewichtsrechnungen unzulässig.
4 – Und Klima ist nicht-ergodisch.
Wunderbar kompliziert
Aus Letzterem folgt: Wahrscheinlichkeitsverteilungen, wie Mittelwert, Standardabweichung und Varianz, sind keine sinnvolle, also anwendbare Technik. Und trotzdem wird all dies in der «Klimawissenschaft» ganz bewusst, regelmässig und überall so gemacht. Man tut das, um mehr Geld zu bekommen und um wissenschaftlich zu wirken, obwohl man es nicht sein kann oder will, dies aber offenbar nicht zugibt oder es nicht mal begreift.
So hat man von Anfang an sogenannte Szenarien berechnet, die zeigen sollen, dass sich zum Beispiel die Temperaturen bei soundso viel CO2 um soundso viel Zehntelgrad nach oben verändern.
Das sind dann vielfältige Berechnungen, wunderbar kompliziert, aber nicht mal das Papier wert, auf dem sie ausgedruckt sind. Aber – und das ist das Entscheidende – sie haben zur Folge, dass viele Staaten, besonders der westlichen Welt, und darin der Antreiber EU und Mitläufer Deutschland, auf Grund behaupteter Notwendigkeiten CO2-Vermeidung befehlen und sich damit direkt und ohne innezuhalten ins wirtschaftliche Elend begeben. Eine «Transformation des Wirtschaftssystems» und eine Energiewende hin zu den sogenannten Erneuerbaren sollten es richten. Aber daraus wird nichts.
Zurück ins Mittelalter
Dieses Abgleiten begann erst langsam, dann immer schneller, um jetzt direkt in den wirtschaftlichen Abgrund zu führen. Und damit ist der Weg in die Armut des Mittelalters vorgezeichnet – etwas, was man sich erst seit kurzem wieder vorstellen kann. Denn wie anders kann man verstehen, dass man heute mit einem Energie-Erntefaktor (Verhältnis der eingesetzten zur gewonnenen Energie) von fünf bis zehn eine Industrienation weiterbetreiben will? Mit Erntefaktoren, die auch die Menschen im Mittelalter hatten? Man verbrannte damals Dung oder Holz aus den Wäldern, manchmal auch Holzkohle, die man in den Meilern mühsam gewonnen hatte. Die Bauern konnten gerade mal – und das auch nur in guten Jahren – ihre Familie ernähren und noch einmal das Ein- bis Zweifache durch den Verkauf ihrer Produkte gewinnen.
Und das alles nur, um das «Klima zu retten», den «Klimaschutz» zu erfüllen. Obwohl niemand weiss, wie das lokale Klima – vom Weltklima zu reden, wäre doppelt falsch – sich entwickeln wird. Alles, was wir wissen, ist, dass es sich in den Grenzen des bisherigen entwickeln wird. Mal wärmer, mal kälter, und dass es, wenn wir richtig Pech haben, auch mal in ein- bis einigen tausend Jahren wieder zu einer Eiszeit kommt. Das können die Milankovics Zyklen zeigen, die als zeitliche Reihenfolge benannt und deren Ursache ebenfalls gut bekannt sind. Ein weiterer Einfluss ist die Reise des Sonnensystems in der Milchstrasse, eine Möglichkeit, die insbesondere Henryk Svensmark und Nir Shaviv nicht nur theoretisch postuliert, sondern auch durch zahlreiche Beobachtungen und Versuche hinreichend bestätigen wurde. Aber eines kommt in deren Arbeiten nicht vor: Es ist das CO2. Hingegen kommt der Wasserdampf überall vor. Und das heisst im Klartext: «Freispruch für CO2», wie es der Meteorologe Wolfgang Thüne schon 2002 in einem Buchtitel formuliert hat.
Michael Limburg ist Vizepräsident des Vereins Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) sowie Verfasser mehrerer Sachbücher zu Klima- und Energiethemen.