Frauen, bitte mehr Gelassenheit
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Frauen, bitte mehr Gelassenheit

Tamara Wernli

Frauen, bitte mehr Gelassenheit

Minenfeld Männerblicke – oder wie Frauen sich grob in zwei Kategorien einteilen lassen.

Mich interessiert, wie sich das für eine Frau im Alltag anfühlt, wenn sie von Männern angeschaut wird. Was macht das mit der Psyche? Ist das unangenehm oder angenehm, kommt es auf den Tag, die Situation, den Mann an? Müssen Frauen sich überlegen, wie sie sich kleiden, frisieren, ob sie in Begleitung und wohin sie gehen und so weiter?»

Illustration: Fernando Vicente
Frauen, bitte mehr Gelassenheit
Illustration: Fernando Vicente

Diese Fragen eines Zuschauers meines Youtube-Kanals erreichten mich neulich, und es sind gute Fragen – zumal das Theater, das heute um Männerblicke veranstaltet wird, bisweilen grotesk ist.

Kurzantwort: Ja. Es kommt darauf an, wie man schaut, wer schaut, auf die Situation und auf die Lebenseinstellung der Frau. Für wen das zu kompliziert ist – als Mann wäre es mir das –, lautet das Gebot: im Zweifel wegsehen. Den Kopf kontrolliert in die andere Richtung drehen, wenn einem ein verlockendes Wesen über den Weg läuft.

Nach meiner Wahrnehmung existieren zwei Kategorien von Frauen (und auch innerhalb dieser beiden sind die Gefühle individuell). Kategorie 1: Tendenziell unter 35. Hat einen eher pessimistischen Blick auf die Männerwelt. Sieht sich oft als Opfer einer männlich dominierten Gesellschaft. Nimmt ungewollte Männerblicke als Zeichen dafür, dass diese ihren Trieb nicht unter Kontrolle haben und Frauen für rein sexuelle Objekte halten, denen sie sich sowieso überlegen fühlen. Ihre Empörung über alle möglichen Dinge in ständiger Bereitschaft zu halten, gehört zu ihren wesentlichen Merkmalen.

Häufig ist es so, dass man schnell etwas als aufdringlich empfindet, wenn es vom «Falschen» kommt.

Kategorie 2: Tendenziell über 35. Sieht sich nicht als Opfer der Gesellschaft. Versteht, dass reizvolle Beine oder hübsche Kleidchen ein Blickfang sind, der bei Männern nun mal alle möglichen Hirnregionen triggert und den Impuls des Hinsehens auslöst. It’s the biology, stupid! Und dass 99 Prozent von ihnen trotzdem so gut sozialisiert sind, dass sie das einigermassen verbergen können. Sie ist selbstbewusst genug, um zu wissen, was sie ist, freut sich über nett gemeinte Aufmerksamkeit und lässt bestimmte, unangenehme Dinge einfach an sich abperlen.

Männerblicke können selbstverständlich auch unangenehm sein – unabhängig vom Erscheinungsbild einer Frau. Etwa, wenn sich das Individuum sonderbare Verrenkungen des Kopfes gestattet, anstandslos starrt oder sexuelles Interesse durchdringt. Es gibt Männer, die halten Frauen für Freiwild. Oder realisieren nicht, dass sie gaffen und wie man sich dabei fühlt. Natürlich kann auch simples Anschauen verschwimmen mit Blicken, die zur Belästigung werden; in Situationen wie im Lift oder bei Dunkelheit auf der Strasse können sie eine Frau bedrängen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen lüsternem Anstarren und einem flüchtigen Blick, der normales Interesse ausdrückt. Meine Erfahrung ist, dass die grosse Mehrheit der Männer für diese Nuancen sensibilisiert ist.

Zu den grossen Mysterien des weiblichen Gehirns gehört die Ambivalenz. «Warum zieht sich die heisse Braut so an, wenn dann keiner hinsehen darf?», fragt sich so mancher Mann. Viele von uns quetschen sich in Schuhe, in denen wir maximal zehn Schritte schmerzfrei gehen können, oder schlottern im Winter lieber, als den Entscheid gegen das Minikleid zu fällen. Jedes Jahr lassen sich 1,6 Millionen Frauen die Brust vergrössern. Es gibt Frauen, die rufen mit ihren Outfits buchstäblich nach Aufmerksamkeit und wundern sich dann über die Aufmerksamkeit.

Frauen verschönern sich für sich selbst, mögen einige einwenden. Das ist gewiss Teil ihrer Motivation, der andere Teil ist die erhoffte und erwünschte Bewunderung und Bestätigung von Mitmenschen. Mit seiner Weiblichkeit zu kokettieren, ist nichts Negatives, es tut auch nicht weh, dazu zu stehen. Und häufig ist es doch so, dass man schnell etwas als unangenehm oder aufdringlich empfindet, wenn es von dem «Falschen» kommt. Denselben Blick aus der Richtung einer sympathischen Person fasst man ganz anders auf. Und weil ein Mann nie wissen kann, in welche Kategorie er fällt, liebe Frauen, böte sich etwas mehr Gelassenheit und auch eine gewisse Kulanz in eurer Kritik an. Denn man glaubt es kaum, aber auch Männer haben Gefühle.

Letztlich beginnt Flirten mit Blickkontakt, auch Beziehungen, Ehen. Blicke sind in den meisten Fällen harmlos, tun niemandem weh. Und für euch, liebe Männer: Mit Hinsehen liegt ihr nie komplett falsch, solange sie euren Blick nicht bemerkt.

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