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Festung Schweiz

Blick in das Anlagejahr 2026.
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Mit den jährlich publizierten «Outrageous Predictions» legt die Saxo Bank eine Reihe bewusst zugespitzter und unwahrscheinlicher Szenarien vor, die nicht als offizielle Prognosen gedacht sind, sondern etablierte Erwartungen herausfordern und Denkanstösse für eine zunehmend unvorhersehbare Welt liefern. Erstmals wurden die globalen Szenarien für 2026 um zwei Schweizer Varianten ergänzt, darunter das Szenario «Die Schweizer Festung – 2026».

Schweizerisches Nationalmuseum
Souveränität zuerst: Wachturm von Stansstad.
Schweizerisches Nationalmuseum

 

Nationalbank als Anker

Dieses Szenario entwirft das Bild von einer Schweiz, die sich 2026 klar von der Europäischen Union abgrenzt, laufende Verhandlungen stoppt sowie bestehende Verträge überprüft, die nationale Souveränität ins Zentrum stellt und erstmals seit Jahrzehnten wieder auf Autarkie statt Integration setzt. Die Vorstellung berührt eine tiefe historische Konstante des Landes: die Kombination aus wirtschaftlicher Offenheit und institutioneller Eigenständigkeit.

Die Skepsis gegenüber einer vertieften institutionellen Anbindung an die EU ist in der Schweiz seit Jahren präsent und hat sich in jüngerer Zeit wieder gefestigt. «Die Schweizer Festung» greift dieses Grundgefühl auf, ohne dessen Eintreten zu behaupten. Vielmehr verdeutlicht sie, wie sich der Wunsch nach Selbstbestimmung und politischer Autonomie im Kontext zunehmender europäischer und globaler Spannungen neu festigen könnte.

Die Schweiz war am erfolgreichsten, wenn sie Offenheit und Autonomie in ein Gleichgewicht brachte.

Die stockenden Gespräche über ein Rahmenabkommen haben dieses Misstrauen verstärkt, und obwohl die wirtschaftliche Verflechtung mit dem EU-Binnenmarkt weiterhin erheblich ist, wird institutionelle Nähe weniger als selbstverständlich wahrgenommen. Gleichzeitig wirken klagende Stimmen aus europäischen Nachbarländern zu Energiepreisen, Regulierungslasten oder Migrationsdruck wie ein Kontrast zu jenem Schweizer Pragmatismus, der politisch wie wirtschaftlich als Erfolgsfaktor gilt. Vor diesem Hintergrund entfaltet die Vorstellung einer «Schweizer Festung» emotionale Resonanz, selbst wenn sie ökonomisch als hypothetisches Extrem gedacht ist.

Würde die Schweiz regulatorisch stärker auf Autonomie setzen, hätte dies spürbare Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Ein klarer Schwenk hin zu einer Doktrin «Souveränität zuerst», wie es das Szenario beschreibt, könnte den Franken als sicheren Hafen weiter stärken. In einer fragmentierter werdenden Welt könnte Kapital in erheblichem Ausmass in Finanzzentren wie Zürich, Genf oder Zug fliessen, wenn Investoren politische Stabilität und geldpolitische Unabhängigkeit höher gewichten würden als den Zugang zum EU-Binnenmarkt. Die Schweizerische Nationalbank könnte in einem solchen Szenario ihre Rolle als Anker eines stabilen Liquiditätsumfelds ausbauen, was die Bedeutung des Frankens als internationales Reserveinstrument stärken würde.

Zugleich gäbe es eine deutlichere Abgrenzung nicht ohne strukturelle Kosten. Exportorientierte Unternehmen müssten zusätzliche Handelsbarrieren bewältigen, was ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könnte. Der Arbeitsmarkt wäre stärker von inländischen Ressourcen abhängig, was den Zugang zu internationalen Märkten kostentechnisch erschweren würde. Hinzu kommt das Risiko potenzieller Gegenmassnahmen seitens der EU, die von neuen Zollschranken bis hin zu finanzmarktrelevanten Restriktionen reichen könnten. Die Dynamik einer «Festung» wäre damit ambivalent: Sie könnte Stabilität schaffen, aber auch neue Abhängigkeiten und Engpässe verursachen.

 

Elemente der Schweizer Identität

Die Faszination des Szenarios «Die Schweizer Festung – 2026» liegt darin, dass es zentrale Elemente der Schweizer Identität berührt: lokale Verantwortung, politische Dezentralität und ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Gleichzeitig zeigt es, wie rasch sich dieser Anspruch in Richtung Isolation bewegen kann.

Aus ökonomischer Sicht bleibt jedoch klar, dass langfristiger Wohlstand auch durch internationale Vernetzung entsteht. Die Schweiz war dann am erfolgreichsten, wenn sie Offenheit und Autonomie in ein funktionierendes Gleichgewicht brachte. In diesem Sinne dient die «Outrageous Prediction» weniger als Ausblick denn als Spiegel dafür, wie sensibel dieses Gleichgewicht ist.

Damit wirft das Szenario die Frage auf, welche wirtschaftlichen und finanziellen Folgen eine stärkere Fokussierung auf Eigenständigkeit hätte – und wie die Schweiz ihren Platz in einer zunehmend fragmentierten Welt neu definieren könnte.

Erik Schafhauser ist Senior Relationship Manager bei der Saxo Bank Schweiz.

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