Wenn es in der Schweiz eine Region gibt, in der eine gewisse Sehnsucht nach Weite und Ferne zu spüren ist, dann dürfte es der Jura sein. Dieser von vielen als vielleicht etwas sonderbar und entlegene empfundene Fleck ist ein lohnenswertes Ziel für Autofahrer. Es gibt kaum einen anderen Teil des Landes, wo die Strassen schöner, weniger befahren und die Szenerie beeindruckender ist.
Wir haben ein Auto, das bei Fahrtbeginn, vollgeladen und vollgetankt, eine Reichweite von insgesamt 1240 Kilometer anzeigt. Es könnten sogar bis zu 1350 Kilometer sein, aber der Tank ist nach einigen anderen Fahrten nicht mehr ganz voll. Aber wir kämen immer noch bis nach Hamburg (880 Kilometer) oder Berlin (862 Kilometer), beides lohnenswerte Ziele, aber ohne die heimelige Exotik des Jura.
Motor als «Reichweitenverstärker»
Unterwegs sind wir im brandneuen BYD Seal 6 DM-i Touring, einem Kombi des chinesischen Herstellers «Build Your Dreams», der kürzlich in der Schweiz vorgestellt wurde. Der Seal 6 ist als Langstreckenfahrzeug konzipiert, sowohl was den Komfort angeht als auch das Antriebskonzept. Es wird als «Super Hybrid-Technologie» bezeichnet und verfügt über einen «Dual Mode» (DM).
Hier sollten wir kurz etwas technischen Erklärungsbedarf abdecken: Anders als die meisten bisher in Europa verbreiteten Plug-in-Hybride mit Elektro- und 1,5-Liter-Verbrennermotor und Batterie, beruht der BYD auf einem Range-Extender-Konzept. Dabei dient der Benzinmotor nicht dazu, direkt die Räder anzutreiben, sondern wird in einem seriellen System dafür eingesetzt, als «Reichweitenverstärker» die Batterie aufzuladen, die wiederum Energie für den Elektromotor bereitstellt. Der Vorteil dieser technischen Lösung ist, dass der Motor im optimalen Drehzahlbereich arbeiten kann, was für einen optimalen Wirkungsgrad sorgt. Dieser beträgt bis zu 43 Prozent und ist damit sehr viel effizienter, als wenn Elektro- und Verbrennermotor der kombinierten Leistungssteigerung dienen.
Mit einem vollen 65-Liter-Tank und einer geladenen, 19 kWh-fassenden Batterie ergeben sich deshalb rund hundert Kilometer rein elektrische Reichweite und insgesamt eben ein Fernreisepotenzial, das für Familien und Flottenkunden gleichermassen interessant ist. Und es ist eine für den Verbraucher sehr wirtschaftliche Technologie, bei BYD nennt man einen Durchschnittsverbrauch von 1,7 Liter Benzin auf hundert Kilometer, was sich im Praxistest und auf kürzeren oder mittleren Strecken als realistisch erweist. In unserem Versuch fahren wir über einen Zeitraum von zwanzig Stunden exakt 477,9 Kilometer weit und verbrauchen, so viel können wir jetzt schon verraten, 2,7 l/100 km sowie 7,1 kWh Strom, was äusserst effizient ist.
«Der Zwischenschritt über den Range Extender etabliert sich als die Standard-Antriebsoption.»
Es ist auch kein Zufall, dass die Hybrid-Technologie mit dem Fokus auf den Range Extender bei einem Hersteller wie BYD, der sich als weltweit führend auf dem Gebiet der «New Energy Vehicles» (NEVs) bezeichnet, zur Anwendung kommt. In einem Interview mit der deutschen Zeitung Die Welt sagten Xing Zhou und Dominik Appel von Strategieberater Alix Partners: «Der grosse Sprung zum vollelektrischen Antrieb scheint auch in China nicht auf einmal stattzufinden – der Zwischenschritt über den Range Extender etabliert sich gerade als die Standard-Antriebsoption im elektrischen Lösungsraum.»
Sparsam und bequem
Wir sind für unsere Sehnsuchtsfahrt in den Jura im Morgengrauen in Zürich gestartet, stehen zwischen Pratteln und Basel kurz im Stau und biegen dann Richtung Delémont ab. Dass der BYD Seal 6 DM-i Touring so sparsam ist wie die sprichwörtliche schwäbische Hausfrau, ist zwar an der Verbrauchsanzeige jederzeit abzulesen, ansonsten aber nirgendwo zu sehen oder gar zu spüren. Die bequemen Sitze, die Haptik der im Innenraum verbauten Materialien und die hervorragende Geräuschdämmung sind für ein Auto, dessen Preisspanne bei 39 990 Franken beginnt, hervorragend. Wenn wir einen Wunsch zuhanden der Entwickler und Techniker bei BYD frei hätten, würden wir uns höchstens ein Bedienmenü mit etwas mehr Übersicht wünschen. Und dass eine freundliche Frauenstimme einen selbst beim Blick in den Aussenspiegel bald einmal bittet, die Aufmerksamkeit wieder auf die Strasse zu lenken, wirkt etwas gar überfürsorglich. Diese Funktion lässt sich zwar ausschalten, dies muss aber bei jeder neuen Fahrt von neuem gemacht werden.
Romantisches Schloss
Unsere Freude am Jura können solche Kleinigkeiten nicht trüben, mittlerweile haben wir den Hauptort Delsberg (Delémont) erreicht, und die kleine Stadt verfügt nicht nur über eine hübsche Altstadt, sondern ebendort auch über eine der besten Bäckereien des Kantons. Morgens um zehn Uhr ist der kleine Laden der Boulangerie Lauber ein wunderbarer Ort. Seit 140 Jahren und sechs Generationen backen die Laubers hier Dutzende Sorten Brot und Sablés aux Raisins oder ein klassisches Pain au Chocolat. Auch einen Kaffee bereiten uns die freundlichen Verkäuferinnen zu, bevor es weitergeht auf dieser kurzen Reise in die pittoreske jurassische Einsamkeit.
Dass hier mehr Kühe als Menschen leben, wie es oft heisst, lässt sich unterwegs natürlich nicht verifizieren, aber in der grün-nebligen Landschaft stehen oder liegen die Wiederkäuer – und viele Pferde dazu – überall, wo uns die wunderbaren Landstrassen hinführen.
Dass hier mehr Kühe als Menschen leben, wie es oft heisst, lässt sich natürlich nicht verifizieren.
In der Hoffnung auf etwas Sonne fahren wir Richtung Südwesten. Auf einem Plateau, 1000 Meter über Meer, liegt das «Château de Raymontpierre» aus dem 16. Jahrhundert, umgeben von Wiesen und Wäldern. Es gehört heute zur Hotelgruppe The Living Circle der Familie Bührle und ist nur über eine abenteuerlich enge Strasse erreichbar, auf der kaum zwei Fahrzeuge kreuzen können. Das romantische Château, das tatsächlich einen Bauernhof und Kühe als Nachbarn hat, wird von den beiden jungen Gastgebern Sydney Karolewski und Timon Wolf betrieben, die Seminar- oder Privatgäste aufmerksam bewirten. Sonne finden wir zwar keine auf der Hochebene, dafür gibt es zum Mittagessen eine Kürbissuppe, selbstgebackenes Sauerteigbrot und ausgezeichnete Casoncelli, gefüllt mit geräuchertem Hecht.
Wir machen uns wieder auf den Weg nach Hause, und zurück am Steuer des BYD Seal 6 Touring fällt auf, dass dieses Auto gerade so gastfreundlich wirkt wie die Mitarbeiter, die uns gerade im Schlosshotel verabschiedet haben. Kaum sind wir aus der befreienden Weite der Jura-Landschaften gefahren, stehen wir vor Pratteln wieder im Stau. Auch das erledigt der BYD allerdings souverän, so hält das Gefühl der Erholung, das uns dieser Ausflug zweifellos gebracht hat, noch etwas länger an.
BYD Seal 6 DM-i Touring Boost Fr. 39 990.–; Comfort Lite 46 990.–; Comfort 47 990.– inkl. 6 Jahre Werksgarantie. Mehr Informationen: www.byd.com