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Entzaubertes Medienmärchen

Tamara Wernli

Entzaubertes Medienmärchen

Journalistischer Tiefschlaf trotz Zuschauerprotest.

Legitime Kritik oder andere Meinungen als «Hass und Häme» zu etikettieren, ist ein Trend unter so manchen Journalisten. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie viele noch immer nicht realisieren, dass sie ihrer Zunft keinen Gefallen tun, wenn sie weite Teile ihrer Leserschaft – ungerechtfertigterweise – als verbohrte Rassisten hinstellen. Menschen zu veranlassen, ihr Abo zu kündigen, funktioniert nämlich dann besonders gut, wenn man ihnen den Verdacht niedriger Motive überstülpt; niemand lässt sich gerne beschuldigen, wenn er keine bösen Absichten hat.

Illustration: Fernando Vicente
Entzaubertes Medienmärchen
Illustration: Fernando Vicente

«Neben der aufsehenerregenden Kontroverse um das Aussehen der sieben Zwerge wurde die Darstellerin ebenfalls Ziel von Hass und Häme im Netz. Grund sind ihre lateinamerikanischen Wurzeln, ihre Mutter stammt aus Kolumbien» (Zitat aus PC Games). Egal, welches Medium, der Abschnitt steht stellvertretend für das, was im Journalismus schiefläuft.

In dem Artikel beschreibt der Autor, wie Produktionen derzeit an der Kinokasse floppen, wie «West Side Story», «Shazam! Fury of God» oder «Die Tribute von Panem 5». Die Filme haben gemeinsam, dass die Schauspielerin Rachel Zegler mitwirkt. Die Misserfolge sind nicht auf die 22-Jährige zurückzuführen; Schauspielerstreik und verkürzte Kinofenster (Filme gelangen schneller auf Streaming-Plattformen) liegen ausserhalb ihrer Kontrolle. Zegler spielt ebenfalls die Hauptrolle in der Neuverfilmung von Disneys «Snow White». Auch der Streifen ist prädestiniert, ein Flop zu werden. Der Start wurde um ein Jahr auf 2025 verschoben, allein die Verzögerungen dürften sich finanziell auswirken.

Die Leser haben die gängigen Interpretationen der Medien längst durchschaut.

Ja, es gab eine Debatte darüber, dass die sieben Zwerge neu als sieben «magische Wesen» angekündigt wurden. Dass Schneewittchen von einer Latina gespielt wird, wurde als Anbiederung an den woken Zeitgeist kritisiert. Hass ist immer abzulehnen. Aber den Menschen ist Zeglers Abstammung egal. Was sie nervt, sind einerseits ihre Äusserungen, die als arrogant empfunden wurden. In einem Interview mit Variety erklärte sie zu ihrer Rolle, man würde einen «modernen Spin» in das Remake bringen: «Es ist nicht mehr 1937. Sie wird nicht vom Prinzen gerettet, und sie wird nicht von der wahren Liebe träumen. Sie träumt davon, eine Anführerin zu sein, und sie weiss, dass sie das kann.» Sie wird nicht vom Prinzen gerettet? Wieso adaptiert man dann eine Geschichte von 1937?

«Wir werden es also mit einer selbstbewussten, selbstbestimmten und entschlossenen Disney-Prinzessin in ‹Snow White› zu tun bekommen»; ob so viel «Starke Frau»-Spin frohlockt immerhin der Autor. Ich kann falschliegen, aber den Misserfolg wird er dann wohl auf die schlimmen Rassisten abwälzen.

Dabei könnte man sich als Journalist, anstatt das bequeme Scheinargument «Hass und Häme» vorzubringen, eingestehen, dass die Kritik an Zeglers Aussagen legitim ist, selbst wenn man sie nicht teilt. Kann ja sein, dass moderne Frauen nicht mehr von der wahren Liebe träumen (ich kenne keine), sondern von Leader-Positionen. Eine Story über female empowerment, Mut und Willenskraft zeigen – gut! Aber kreativ wäre, wenn Filmemacher neue Geschichten mit starken weiblichen Charakteren entwickelten, anstatt wiederholt dasselbe Muster zu verwenden, nämlich mit minimalem Aufwand altbewährte Werke aufzugreifen und für ihre empowerment-Message zu vereinnahmen. Und wenn wir ganz penibel sind: Dafür ist ausgerechnet eine Prinzessin die denkbar ungünstigste Botschafterin.

Man könnte mal nicht vom Schlimmstmöglichen ausgehen und Bedenken an der Besetzung der Märchenfigur nicht auf rassistische Motive zurückführen. Vielmehr sind es die an Originalwerken vorgenommenen Anpassungen im Namen von Diversity, die Filmfans ärgern; das ist der zweite Kritikpunkt. Ich halte eine Latina-Snow-White bestimmt nicht für ein Problem. Aber es ist nun mal Schneewittchen, Markenzeichen: die Haut so weiss wie Schnee. Es käme ja wohl kein Filmemacher auf die Idee, Mulan mit Elle Fanning zu besetzen.

Das Positive daran ist: Die Leser haben die gängigen Interpretationen der Medienmenschen längst durchschaut; praktisch alle Kommentare zerreissen den Autor für seine Darlegungen. Die Hass- und Rassismuskeulen haben ausgedient, werden nicht mehr ernst genommen. Jetzt müssen nur noch die Schreiberlinge aufwachen.

 

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