Die Wahrheit lebt nicht dort, wo wir dies von ihr behaupten. Wir glauben gern, die Wahrheit sei eine Bürgertugend, etwas, was durch Erziehung gefördert, von Institutionen beschützt und von der Kultur belohnt wird. Wir sagen Kindern, sie sollen «ehrlich sein», wir verlangen in Slogans «Transparenz», wir tun, als beruhe eine freie Gesellschaft auf Ehrlichkeit und Offenheit. Dem ist nicht so. Sie beruht darauf, dass Dinge aufgeschoben werden. Dass Dinge höflich weggelassen werden, sie beruht auf einer verhandelbaren Sprache und der Abmachung, nichts zu sagen, was die Stimmung im Raum zerstören könnte. In funktionierenden Systemen ist die Wahrheit nicht willkommen. Sie wird nur d ...