Weltwoche: Herr Professor Mearsheimer, das Gipfeltreffen in Washington liegt gerade hinter uns. Was ist das zentrale Ergebnis, und wie bewerten Sie es?
John Mearsheimer: Für mich war ungemein interessant zu beobachten, was die meisten Medien offenbar übersehen haben. Die zentrale Erkenntnis ist eine klare Dreiteilung: Europa und die Ukraine sind wie siamesische Zwillinge, untrennbar verbunden durch eine gemeinsame Agenda, während Präsident Trump sich demonstrativ von ihnen distanziert. Das Treffen war keine harmonische Zusammenkunft, sondern ein stilles Kräftemessen: Trump gegen die Europäer und Selenskyj. Seine Verachtung für beide ist kein Geheimnis – er sieht sie als ...