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Die zwölf No-Gos auf dem Platz

Nervensägen gibt es überall, aber auf dem Golfplatz nerven sie besonders. Ein Hobbygolfer listet die zwölf Typen auf, die ihm den Spass verderben können.
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Die zwölf No-Gos auf dem Platz
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1 _ Der Kommentator

Es gibt diese Golfer, vorwiegend Männer, die alles und jedes der Mitspielenden zu kommentieren glauben müssen. Egal, ob es sich um einen Jahrhundertschlag oder einen Dreissig-Zentimeter-Putt handelt: Der Sascha-Ruefer-Imitator muss seinen – immerhin gutgemeinten – Senf dazugeben. Da hilft nur zweierlei: den Flight-Partner freundlich darauf aufmerksam machen, dass die Ruhe nach dem Schlag ein hohes Gut ist – und ihn auf die offenen Kommentatorenstellen beim Schweizer Fernsehen hinweisen.

Tanja Meyer für die Weltwoche
Die zwölf No-Gos auf dem Platz
Tanja Meyer für die Weltwoche

 

2 _ Der Oberlehrer

Noch über dem Kommentator auf der Skala der Nervensägen rangiert der Oberlehrer. Sei es nun der Regel-Taliban, der einem auch auf einer Nicht-Turnierrunde alle tatsächlichen oder potenziellen Verletzungen aus dem 544-seitigen «Official Guide to the Rules of Golf» auflistet; sei es die freundlich gemeinte Frage, ob man früher Eishockey gespielt habe; oder einfach der Hinweis darauf, dass man das Übergewicht auf dem falschen Bein hatte: Ersteres ist nur auf einer Turnierrunde akzeptabel, für die beiden letzteren Misshandlungen des Golfspiels konsultiere ich den Pro.

 

3 _ Der Schnüffler

Würden Sie jemanden nach seinem IQ fragen? Nun ist die Frage nach dem golferischen IQ – dem Handicap – meistens nicht mit böser Absicht verbunden. Dennoch: Mein Handicap geht niemanden was an, es ist meine Privatsache und die Frage danach übergriffig. Okay, mein Handicap ist schlecht, und deshalb will ich es lieber für mich behalten. Zudem spricht mein Spiel für sich und lässt mein Handicap ziemlich gut erahnen. Was ich auf die Frage nach meinem Handicap antworte? Es sei tiefer als mein IQ.

 

4 _ Der Spielverderber

Ein Mitspieler sagt: «Spielen wir um zehn oder um zwanzig Franken?» Sie antworten: «Ich spiele nicht um Geld.» Sehr peinlich, denn es zeigt sich hier eine tiefe Unkenntnis der Golfgeschichte. Das Golf-Handicap wurde von den Briten aus einem einzigen Grund erfunden: damit auch Spieler unterschiedlicher Stärkeklassen um Geld spielen können, so wie die Briten auch von Pferderennen bis zum Wetter um alles wetten. Wer eine Wette verweigert, hat keine Ahnung von der Tradition und Kultur des Golfs.

 

5 _ Der Neinsager

Ein Mitspieler fragt nach dem neunten Loch: «Soll ich dir zwei oder drei Bierdosen mitnehmen?» Sie sagen: «Nein, beim Sport trinke ich keinen Alkohol.» Sehr peinlich. Golf ist für Normalspieler kein Sport, sondern ein Vergnügen, besonders ist es kein Sport für Freizeitspieler, die ein Handicap von 28 oder noch schlimmer haben. Mit Golf hat es ab Handicap 28 nur noch wenig zu tun, darum konzentriert man sich besser auf das Vergnügen, und Vergnügen ist begleitet von ein paar Bieren auf der Runde. Es muss ja nicht gleich eine Dose pro Loch sein, wie das manchenorts in den USA üblich ist.

 

6 _ Der Rangefinder

Die Distanzen auf einer Runde zu kennen, ist hilfreich, und der Rangefinder in vielen Situationen ein probates Mittel dazu. Es gibt jedoch diesen Typus Spieler, den Mr Rangefinder, der nicht nur vor jedem Schlag, inklusive eines Dreissig-Zentimeter-Putts, sein Spielzeug hervorholt – nein, er teilt auch jede Messung ungefragt seinen Mitspielern mit. Bitte nicht. Mich interessiert nicht, dass das Ziel in 122,265087 Yards oder das Entsprechende in Metern Entfernung liegt. Für mich als Hobbyspieler genügen die Angaben «nicht so weit», «weit» oder «zu weit».

 

7 _ Der Eindringling

Ich habe einmal zur Hauptverkehrszeit auf dem Golfplatz die traute Zweisamkeit gesucht, denn ich hegte in meiner Verliebtheit Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft mit meiner Flight-Partnerin. Ich buchte und bezahlte also einen Vierer-Flight, obwohl wir nur zu zweit waren – und schon tauchte ein Unwissender auf und fragte, ob er sich uns spontan («play now, pay later») anschliessen könne. Ich nahm den guten Mann beiseite und erklärte ihm meine diffizile Situation. Er verstand und wartete dann tatsächlich auf den nächsten, nicht vollen Flight ohne potenzielles oder tatsächliches Liebespaar. Die erhoffte Zukunft stellte sich übrigens nicht ein, aber beflügelt gelang mir eine Top-Runde.

 

8 _ Der Meckerer

Mein Golflehrer brachte es einmal auf den Punkt: «Ziegen meckern, Golfer golfen.» Das Meckern betrifft hier nicht so sehr die eigene Misere als vielmehr alles und jeden ausserhalb des persönlichen Schwungradius. Da wird über den langsamen Flight vor einem (oder wahlweise über den drängelnden von hinten) gemault und gemotzt – oder über die klimatischen Verhältnisse, den Stau auf der Hinfahrt, den vielen Sand im Bunker, den Höchstpegelstand in den Fairway-Gewässern und so weiter und so fort. Einer meiner Mitspieler fluchte zu Beginn einer Runde nach jedem misslungenen Schlag lauthals ein «Scheisse». Damit ich mir das nun nicht achtzehn Löcher lang anhören musste, machte ich ihn freundlichst auf die Schönheit des Golfes aufmerksam und dass er doch das auch positiv sehen könne. Er meinte darauf: «Schöne Scheisse.» Na, geht doch.

 

9 _ Der Angler

Die Golfballangel – ein umstrittenes Gerät. Bei den einen äusserst beliebt, bei den anderen verpönt. Es stellt sich die Frage: Golfen oder Fischen? Beides kann sehr meditativ sein, doch für Letzteres sind wir ja nicht auf der Runde. Zudem gibt es noch die Berufe Fischer und Bälletaucher. Die machen den Golfern ja auch keine Konkurrenz. Wenn der Ball baden geht, dann geht er halt baden. Kein zeitintensives Angeln. Punktum. Akzeptieren, Strafschlag notieren und einen neuen Ball droppen.

 

10 _ Der Ausredner

Ein mühsames, aber auch witziges Kapitel. Was wurde bei misslungenen Schlägen nicht schon alles an Ausreden vorgebracht: «Der Wind hat gedreht», «Ein Vogel hat grad geträllert», «Die Erde hat gebebt» oder, oder, oder. Die Möglichkeiten sind unendlich, denn etwas ist beim Golf gesichert: Schlechte Schläge wird es immer geben, egal auf welchem Niveau. Was aber machen für die psychische Gesundheit, wenn der Schläger wieder mal weiter fliegt als der Ball oder dieser unter dem Divot liegenbleibt, dass man gerade herausgehauen hat? Ruhig bleiben, das heisst schweigen, und mit Würde den nächsten Schlag in Angriff nehmen. Der nächste Schlag ist sowieso immer der wichtigste. Meine Lieblingsausrede? «Sorry, das war keine Absicht» – allerdings bringe ich die nur bei äusserst gelungenen Schlägen.

 

11 _ Der Materialist

Das maskuline Genus steht hier mit voller Absicht: Es handelt sich bei dieser Spezies ausschliesslich um Männer. Ihr Golfspiel – wenn meistens auch überdurchschnittlich gut – dient hier vorwiegend dem Zweck, das Werkzeug, das dazu gebraucht wird, zu präsentieren. Und natürlich dazu, sich ausführlich darüber auszulassen. Voller Stolz wird vor dem ersten Abschlag der edle, brandneue, vom Mars oder so importierte Driver mit Titanoxydierung und optimal gerundeter Schlagfläche, Super-Trampolineffekt und was der Features alle mehr sind herumgezeigt. Dann dauert die Schlagvorbereitung anstelle der erlaubten 45 Sekunden auch mal gut zwei Minuten. Den Materialisten kümmert das natürlich nicht, erwartet er doch, dass seine Mitspieler sowieso vor Ehrfurcht erstarrt sind. Und es steht ja noch die Präsentation der übrigen Schläger an. Doch das ersparen wir uns und wechseln nach hinten in den nächsten verfügbaren Flight.

 

12 _ Der Hosenträger

Ein absolutes No-Go ist es natürlich, dass Männer in kurzen Hosen spielen. Das überlässt man den Fussballern. Nein, der Mann von Welt bedeckt seine stacheligen Waden. Die Farbe der langen Hose darf dann aber durchaus etwas gewagt sein, von Grün mit roten Tupfern bis zu Zitronengelb mit schwarzem Gürtel.

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