Es ist der 7. November 1917. Deutschland befindet sich seit über drei Jahren im Krieg. In der Buchhandlung Steinike unweit der Münchner Universität hält der Soziologe Max Weber einen Vortrag vor überwiegend studentischem Publikum. Sein Titel: «Wissenschaft als Beruf». Weber, offiziell Professor für Nationalökonomie in Heidelberg, ist zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter. Als Autor und öffentlicher Intellektueller setzt er sich für einen Verständigungsfrieden und die Demokratisierung des Reiches ein. Nichts verachtet der Gelehrte mehr als Fanatismus, Ideologien und hohles Pathos. Das macht seinen Vortrag auch heute noch so wichtig. Denn er ist eine eindringliche Warnung vor ...