Dass es ausgerechnet Frauen sind, die Probleme herunterspielen, die in erster Linie Frauen betreffen, gehört zu den bemerkenswertesten Paradoxien unserer Zeit. Man stelle sich vor: Frauen aus dem linken Spektrum solidarisieren sich mit ihren liberalen und konservativen Schwestern – vereint in der zentralen Frage der öffentlichen Sicherheit, wenn Letztere in Deutschland von einem «Unsicherheitsgefühl in der Stadt» sprechen, das «nie grösser war», und davon, sich dort wie Fremde zu fühlen: «Man muss nicht die Töchter fragen, um zu erfahren, was im ‹Stadtbild› nicht stimmt – Frau zu sein reicht», schrieb die Journalistin Sophia Kissling auf X. Diese Beobachtung ist keine Erfindung der von Bundeskanzler Friedrich Merz angestossenen Stadtbild-Debatte. Sie begleitet Frauen seit 2015 – immer drängender. Liebe Feministinnen, eure Unterstützung wäre sehr willkommen.
Illustration: Fernando Vicente
Die Zahlen des Bundeskriminalamtes zeigen, dass bestimmte Zuwanderergruppen als Tatverdächtige bei Vergewaltigungen deutlich überrepräsentiert sind, gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung. 2023 wurden allein in Berlin 111 Gruppenvergewaltigungen registriert. Man würde annehmen, dass gerade Feministinnen alles daransetzen würden, einer solchen Realität lautstark entgegenzutreten. Brandbriefe und Demonstrationen (vor Betonpollern und Messerverbotszonen) gab es schon, aber nicht wegen der schrecklichen Sexualstraftaten, sondern wegen des Worts «Stadtbild».
Es beginnt beim Nichtanerkennen einer Kriminalstatistik. Was nicht sein darf, kann nicht sein.
Moderne Feministinnen (zu unterscheiden von ihren klassischen Vorläuferinnen) fordern unermüdlich, man müsse Frauen ernst nehmen, wenn diese sich unwohl oder nicht sicher fühlen. «Nur die Empfindung der Empfängerin zählt!», so das Mantra – es ist nicht meines, ich zitiere nur. Nun, die Empfindungen andersdenkender Frauen zählen ganz offensichtlich nicht. Sind das keine Frauen? Bei einem anzüglichen Spruch oder Nachpfeifen – Catcalling – herrscht grosse Empörung, man fordert neue Gesetze. Alle drei Tage eine Gruppenvergewaltigung in der Hauptstadt? Feministisches Schweigen.
Oder man verweist, wie in der Stadtbild-Debatte, rasch auf andere Probleme: «Die grösste Gefahr für Frauen lauert im eigenen Zuhause.» Die Probleme im häuslichen Umfeld existieren. Aber das heisst ja nicht, dass es nicht gleichzeitig andere Gefahren im öffentlichen Raum gibt, wofür man Lösungen finden muss. Und zur Wahrheit gehört auch: Frauen mit nichtdeutscher Herkunft sind überproportional häufig Opfer häuslicher Gewalt. Laut der «Frauenhaus-Statistik 2023» lag der Anteil der Ausländerinnen, die Zuflucht in deutschen Frauenhäusern suchten, bei 69 Prozent.
Man wird nie jedes Sexualdelikt im öffentlichen Raum verhindern können, doch wenn man nur eines verhindern kann, sollte man alles daransetzen, genau das zu tun. Das Problem beginnt aber schon dort, wo Einigkeit über den kleinsten gemeinsamen Nenner fehlt – nämlich beim Nichtanerkennen einer Kriminalstatistik. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Bei manchen Themen herrscht eine Art kognitive Dissonanz. Das Problem wird so lange ignoriert, bis man es nicht mehr ignorieren kann, und dann wird es relativiert. Aus Angst, als rassistisch zu gelten, werden unbequeme Tatsachen vernebelt, bewusst oder unbewusst. Dabei es geht niemals pauschal um Ausländer, sondern ausdrücklich um Menschen, die schwere Straftaten begehen.
So empfinden es viele Frauen, die die lauten und wortstarken Feministinnen mit ihrem Einfluss gerne bei ihrem Anliegen an Bord hätten. Man stelle sich vor, welchen mächtigen Impact dieser übergreifende Zusammenhalt entwickeln würde; Probleme frühzeitig erkennen, konsequentes Handeln fordern und ausüben, ohne ideologische Filter. Welchen Schutz könnte er nur entfalten. Ein utopischer Traum. Grosse Teile des modernen Feminismus erkennen Probleme nur dort an, wo sie der eigenen Agenda dienen, also die Täter ins Weltbild passen: beim Patriarchat, das Frauen angeblich unterdrückt, beim weissen Mann, bei Jan und Matthias, dem personifizierten Bösen. Zugespitzt, ja, aber im Kern ist das der Kampf. Dabei werden nicht nur reale Ängste von Frauen heruntergespielt; sie zu ignorieren, widerspricht sogar ihrer eigenen Logik von Frauensolidarität. Wer Frauen nur selektiv unterstützt, angepasst an die eigene Haltung – verfolgt der wirklich deren Wohl?
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