CKW schickt Schockwellen ins Land
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CKW schickt Schockwellen ins Land

Die Kundschaft der Luzerner CKW-Gruppe bekommt eine saftige Erhöhung ihrer Energiepreise aufgebrummt. Der Hintergrund dieses Schocks sorgt für Angst im ganzen Land.

Viele Schweizer verstehen ihre Energiewelt nicht mehr. Da sollen sie möglichst viel Solarstrom auf Dächern und an Fassaden produzieren, und dann ist dies plötzlich doch nicht gut. So kündigten die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) auf 2026 eine Strompreiserhöhung für Private um 19 Prozent an, und ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt muss künftig rund 15 Franken mehr pro Monat zahlen. Auch die CKW-Gewerbekunden trifft es. Für KMU in der Grundversorgung mit mittlerem Stromverbrauch erhöhe sich die Rechnung um 13 Prozent beziehungsweise um rund 340 Franken pro Monat, hiess es.

© KEYSTONE / GAETAN BALLY
Eine Bremse beim Solarstrom ist nicht vorgesehen: Strommasten der Schaltanlage Mettlen bei Inwil (LU).
© KEYSTONE / GAETAN BALLY

Diesen Energiepreisschock begründete die Staatsfirma hauptsächlich mit dem Solar-Boom. Die Erhöhung des Energietarifs erfolge massgeblich aufgrund von gestiegenen Kosten für Ausgleichsenergie. Die Stromtarife setzen sich in der Schweiz einerseits aus dem Energietarif für die Kosten der eigentlichen Energieerzeugung oder -beschaffung und andererseits aus dem Netznutzungstarif für die Transportkosten über das Stromnetz zusammen. Die CKW erhöht auf 2026 gleich beide Komponenten.

Der starke Ausbau von Solaranlagen führt zu einer grossen Menge an Strom, der unregelmässig produziert wird und bei bestimmten Wetterlagen schwer prognostizierbar ist. Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid sorgt dann dafür, dass diese Schwankungen ausgeglichen werden. Netzstabilität bedeutet dabei, dass die Frequenz im Stromnetz konstant bei etwa 50 Hertz bleibt und die Stromproduktion mit dem Verbrauch im Einklang steht. Falls es zu viel Strom im Netz gibt, steigt die Frequenz, und falls zu wenig Strom da ist, sinkt sie. Beides kann zu Stromausfällen oder Schäden an Geräten führen.

Der Schweizer Netzbetreiber gleicht die Schwankungen mit Ausgleichsenergie aus, holt sich die Kosten dafür aber zurück. Die CKW sei davon im besonderen Mass betroffen, beklagte sich der Stromanbieter, denn in keinem anderen grossen Verteilnetzgebiet sei pro Kopf so viel Photovoltaikleistung installiert wie in demjenigen von CKW. Mit 1,4 kW sei dies rund doppelt so viel wie im Schweizer Durchschnitt.

Die Zentralschweizer haben den Ausbau der Solarenergie so stark vorangetrieben, dass ihnen die Sache nun quasi als Bumerang um die Ohren fliegt. In der Vergangenheit war die Energieproduktion sehr gut steuerbar gewesen, die Kernenergie sowie die Flusskraftwerke lieferten den Grundstock, und mit der Speicherwasserkraft konnten Betreiber die Stromproduktion regulieren und die Netzfrequenz einfach stabilisieren. Mit dem massiven Ausbau der Solarenergie wird die Netzstabilisierung jedoch deutlich anspruchsvoller.

 

Siebenmal Leibstadt

Anfang 2025 verfügte die Schweiz bereits über eine installierte Solarleistung von mehr als 8000 Megawatt (MW). Zum Vergleich: Die Leistung des Atomkraftwerks Leibstadt beträgt 1200 MW. Die Schweizer Solaranlagen haben das Potenzial, an einem einzigen Sommertag bis zu 50 000 Megawattstunden an Strom zu erzeugen, was etwa dem täglichen Stromverbrauch von rund vier Millionen Vierpersonenhaushalten entspricht. Für den Fall überraschender Schwankungen müssen immer mehr Kraftwerkskapazitäten zu entsprechenden Kosten vorgehalten werden, denn die Netzstabilität wäre sonst gefährdet.

Dabei wirkt sich allerdings auch das geschachtelte Energiesystem der Schweiz negativ aus. Man betrachte etwa den Netzbetreiber Swissgrid und den Stromkonzern Axpo: Swissgrid gehört zu 36 Prozent der BKW-Netzbeteiligung und zu rund 30 Prozent dem Axpo-Konzern. Die CKW hat selbst auch einen kleinen Anteil und gehört wiederum zu rund 86 Prozent der Axpo.

Produzieren die Energiekonzerne zu viel Solarenergie, reicht Swissgrid die Stabilisierungskosten an die Stromfirmen weiter, und zu denen fliesst das Geld letztlich über die Kapitalbeteiligungen durch die Hintertür wieder zurück – ein Karussell mit Interessenkonflikten.

 

Weglaufen verunmöglicht

Die Schweiz bräuchte im Winter mehr Strom, statt im Sommer mit noch mehr Solaranlagen immer noch mehr Flatterstrom zu produzieren und die Netzstabilität noch teurer zu machen. Im Jahr 2050 sollen Solarmodule auf Schweizer Dächern und Fassaden mehreren Schätzungen zufolge rund 50 Gigawatt liefern. Derzeit sind die Kapazitäten laut dem Interessenverband Swissolar bei rund 8,2 Gigawatt, und an den Strombörsen kommt es teils schon zu negativen Preisen, weil niemand diese Energiemenge haben will.

Der Bund will den Solarenergieanteil von 14 Prozent des Schweizer Jahresbedarfs in den nächsten fünf Jahren nochmals mehr als verdoppeln. Haushalte und Solarfarmen werden dabei oft mit festen Einspeisevergütungen gelockt, die aber gar nicht zur Nachfrage passen. Im Schweizer Stromgesetz ist eine Mindestvergütung für Hausbesitzer explizit vorgesehen, wenn sie Solarstrom ins Netz einspeisen, was wiederum enorme Fehlanreize setzt.

Die Zeche für diesen ganzen Energiemurks zahlen letztlich die Stromkunden. Private können ihre Anbieter aufgrund des starren Strommarkts ohnehin nicht wechseln, und je mehr sie Solarstrom produzieren, desto mehr müssen sie letztlich für die Netzstabilität zahlen. Das Beispiel des Solar-Schweiz-Meisters CKW sendet nun Warnsignale in andere Regionen des Landes, besser nicht so viele Photovoltaikanlagen zu installieren. Die Bürger sind verdutzt, denn eine Bremse beim Solarstrom ist in der Energiestrategie der Schweiz gar nicht vorgesehen. Und wenn in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren die Photovoltaikanlagen zu erneuern sind, flattern die nächsten Rechnungsschocks in Schweizer Privathaushalte.

 

Rico Kutscher ist Chefredaktor des Wirtschaftsnews-Portals muula.ch

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