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Car der Patrioten

Ein roter Car Alpin der Schweizer Firma Saurer von 1954 ist der Stolz des Transportunternehmers Urs Gafner aus Gwatt. Er wollte verhindern, dass der Bus ins Ausland verkauft wird.
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Der Car muss im Berner Oberland bleiben», sagt Urs Gafner bestimmt. Der hemdsärmelige Unternehmer führt die Gafner AG – «Umzüge, Transporte und Busreisen. Seit 1931 beweglich für Sie!» lautet das Versprechen des KMU, dessen Fahrzeuge an der Lackierung in einem pastellfarbigen Grün und den gelben Schriftzügen erkennbar sind. Gafners ganzer mechanischer Stolz ist allerdings knallrot: «Wie bei der SP», sagt er in seinem typischen weichen Oberländer Dialekt.

St.Eschle
Grund für Schwärmereien: die typische «Schnauze» mit der grossen Motorhaube.
St.Eschle
«Die Scheiben wurden in Zürich produziert und sind mit Heizdrähten bestückt.»

Der rote Saurer Alpenwagen aus dem Jahr 1954 wird auf dem Firmengelände der Gafner AG in Gwatt «gehegt und gepflegt», wie es Gafner ausdrückt. «Der Car ist schliesslich erst 71 Jahre alt, damit fahren wir immer noch regelmässig herum.» 20 bis 25 Fahrten werden jedes Jahr noch mit der roten Legende unternommen. Dreissig Leute finden Platz im Car, der mit roten Plüschsitzen ausgestattet ist, wie Gafner mehrfach erwähnt. Man sitze wie auf einem Sofa.

 

«Eine eigene Welt»

Gafner kommt schnell ins Schwärmen, wenn es um den auffälligen Saurer mit der ikonischen Schnauze geht. Sogar die von Hand gezeichneten Originalpläne des Fahrzeugs sind im Besitz des Transportunternehmers. Aus diesen lässt sich schliessen, dass es vom ersten Plan bis zur Umsetzung und Produktion des Cars rund zwei Jahre gedauert hat. «Saurer ist eine eigene Welt», sagt Gafner. Eine Welt notabene, die bedauerlicherweise nicht mehr existiert. Die Adolph Saurer AG, gegründet 1853, war im Laufe ihrer wechselhaften Geschichte der bedeutendste Lastwagenhersteller der Schweiz und weltweit mitführend an der Entwicklung des Dieselmotors beteiligt.

Modelle wie der Saurer Alpenwagen zeugen von einem aussergewöhnlichen Qualitätsverständnis und sind nicht zuletzt historische Beweise für die Stärke des Werkplatzes Schweiz. «Die Scheiben wurden zum Beispiel in Zürich produziert und sind mit Heizdrähten bestückt, die immer noch funktionieren», sagt Gafner.

 

«Das Wunder von Bern»

Auch der Car des Unternehmers hat eine bewegte Geschichte. Sie ist verknüpft mit dem «Wunder von Bern», als die deutsche Fussballnationalmannschaft am 4. Juli 1954 im Final der WM Ungarn 3:2 besiegte und Weltmeister wurde. Die Spieler übernachteten im Hotel «Belvedere» in Spiez, der Saurer-Car brachte sie nach Bern ins Wankdorf. Vor rund fünfzehn Jahren, so genau weiss das Gafner nicht mehr, wiederholte er die Fahrt der Helden von damals im Saurer, der mittlerweile ihm gehörte. Und dem FC Thun hat er versprochen, dass er die Mannschaft im Fall eines Gewinns der Schweizer Meisterschaft ebenfalls ehrenhalber in die Stadt chauffieren werde, um den Titel dort angemessen feiern zu können.

Dass Gafner in den Besitz des Busses gelangt ist, begründet der Berner mit patriotischen Gefühlen. «Das deutsche Verkehrsmuseum wollte den Car kaufen, aber ich fand, der Saurer müsse unbedingt im Berner Oberland bleiben», sagt er über den Antrieb zum Kauf des Oldtimers.

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