Die Geschichte ist so grotesk, wie sie nur das Leben schreiben kann. Nicoletta della Valle (ehemals SP), bis 2024 Chefin des Bundesamts für Polizei (Fedpol), hat sich mit Bundesrat Beat Jans (SP) überworfen. So weit, so üblich. Wobei man es Jans nicht übelnehmen kann, dass er mit der eigentümlichen Chefbeamtin nicht zurechtkam. Doch der Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements versüsste den Abgang der 63-Jährigen mit einem zusätzlichen Jahreslohn von 340.000 Franken. Viel Geld für die ehemalige Krippengründerin, Taxifahrerin und Serviceangestellte, die in ihrer Position beim Fedpol dauerüberfordert war.
Illustration: Fernando Vicente
Nicoletta della Valle will demnächst die «Caffè Bar Sempre Berna» eröffnen. Lieferant, so sie selber, sei «ein Sizilianer einerseits, und mit den Neapolitanern im Kirchenfeld habe ich noch nicht verhandelt». Jetzt wurde bekannt, dass die frühere Fedpol-Chefin im Aufsichtsgremium des israelisch-schweizerischen Investmentfonds Champel Capital sitzt. In üblicher Bundesschlamperei hat es Beat Jans unterlassen, mit della Valle bei Vereinbarung des Steuergeldregens eine Unvereinbarkeitsklausel zu vereinbaren. Jetzt sitzt die einstige Herrscherin über tausend Köpfe der Schweizer Bundespolizei im Advisory Board einer merkwürdigen israelischen Firma.
Eigentlich müssten in Bern sämtliche Alarmglocken schrillen. Weiss eigentlich hierzulande jemand, was die Firma Champel Capital genau tut? Sie wurde 2017 vom Likud-Politiker Amir Weitmann gegründet, «um das Potenzial israelischer Technologieinvestitionen zu nutzen». Misstrauen ist erste Bürgerpflicht – auch für Schweizer, die mit dem Überlebenskampf Israels gegen seine Todfeinde durchaus sympathisieren.
Spionage ist nie auszuschliessen, schon gar nicht in einem neutralen Land mit seinen leistungsstarken ETHs in Zürich und Lausanne. Eigentlich müsste die Bundeskriminalpolizei ihre frühere Chefin überwachen. Zu Bundesrat Jans meinte Nicoletta della Valle, dass sie «ein Restaurant eröffnen will». Doch statt dem angekündigten Schnitzel gibt’s in Bern womöglich einen Spitzel.