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Peter Bodenmann

«Angriff ist die beste Verteidigung»

Das sagte nicht Putin, sondern Peter Merz, der abtretende Kommandant der Schweizer Luftwaffe.

Putin hat getestet, ob die Nato Polen gegen Drohnenangriffe verteidigen kann. Er tat dies mit neunzehn Platzpatronen-Drohnen.

Um die von Belarus angekündigten Drohnen abzuknallen, stiegen zwei F-16-Flieger auf, zwei F-35-Tarnkappenbomber und sündhaft teure Abwehrraketen. Die Drohnen waren auf den deutschen und italienischen Bildschirmen während Stunden zu sehen.

Mit ihrem überteuerten technologischen Firlefanz konnte die Nato nur drei Drohnen vom Himmel holen. Eine Blamage sondergleichen.

Illustration: Fernando Vicente
«Angriff ist die beste Verteidigung»
Illustration: Fernando Vicente

Die SPD-Fraktion fordert nun im Deutschen Bundestag die Anschaffung von mehreren Hundert Skyrangern. Diese sollen im Kampf gegen Drohnen effizienter sein. Der Skyranger – ein mobiles Flugabwehrsystem, hergestellt von Rheinmetall – kostet pro Stück gut zehn Millionen Franken. Finanziell kein Problem, weil Deutschland unbegrenzt aufrüsten kann. Es gibt keinen Deckel für Militärausgaben. Sparen will Kanzler Merz nur bei jenen, die schon heute wenig bis nichts haben, und mit verbalen Kanonen auf Randständige schiessen.

Bis Skyranger in hoher Kadenz vom Band laufen, werden neue Drohnen in der Türkei sowie im Iran entwickelt und in Russland produziert. Sie werden auch die Skyranger ins Leere schiessenlassen. Der technische Fortschritt frisst, militärisch gesehen, die eigenen und die fremden Kinder.

Tatsache ist jedoch: Gegen Drohnen helfen nur Drohnen. Die Nato müsste – wenn schon – ein paar Platzpatronen-Drohnen mitten in Russland etwas Sachschaden anrichten lassen. Offenbar entwickelt die Ukraine mit ihren Flamingos ein Waffensystem, das den bereits zwanzig Jahre alten deutsch-schwedischen Marschflugkörper Taurus uralt aussehen lässt.

Der technische Fortschritt frisst, militärisch gesehen, die eigenen und die fremden Kinder.

Leider wird nur ein Gleichgewicht des Schreckens alle an den Verhandlungstisch zwingen. Genauso war es einst bei den Atomwaffen.

Der abtretende Luftwaffenkommandant Peter Merz erklärte Marc Tribelhorn in der NZZ die angesichts der neuesten Entwicklungen lächerliche Strategie des VBS: «Mit den Operationen gegen den Iran erreichten die Israeli die Lufthoheit über dem Einsatzgebiet, 1500 Kilometer vom eigenen Territorium entfernt [. . .] Angriff ist die beste Verteidigung. Wer im Fussball nicht angreift, kommt im besten Fall auf ein 0:0.» Fazit: In jedem anderen Land hätte man einen solchen Luftwaffenchef am nächsten Tag in die Wüste geschickt.

Wir können keine Drohnen abwehren. Und nicht mehr lange Prag bombardieren. Warum? Wenn wir den Militärexperten glauben wollen, können die neuesten chinesischen Radarstationen dank Kommunikation mit Satelliten jeden Schweizer Tarnkappenbomber enttarnen und zum Abschuss freigeben. Ohne dass man die terrestrischen Radarstationen orten kann.

Die Nato und die Schweiz sollten Putin dankbar sein, weil er aufgezeigt hat, dass alle bisherigen Konzepte nichts als überteuerter Schall und Rauch sind.

Europa will bis 2030 pro Jahr 800 Milliarden Franken in Rüstung und Verteidigung investieren. Dreimal mehr als vor drei Jahren. Der Druck der USA und der Nato auf die Schweiz wird massiv zunehmen, noch mehr unnütze Waffensysteme zu kaufen.

Gott sei Dank haben wir die direkte Demokratie, die absehbar verhindert, dass wir noch mehr gutes Geld für schlechte, da unbrauchbare Waffensysteme zum Fenster hinauswerfen.

 

In diesem Zusammenhang ein weiterer Erkenntnisgewinn der letzten Tage: Ohne Strom ist alles nichts. In Berlin brannten zwei Hochspannungsmasten, und während sechzig Stunden waren 20.000 Haushalte, viele Altersheime und zahlreiche Unternehmen ohne Strom. Atomkraftwerke, Gaskraftwerke, grosse Transformatoren und Hochspannungsmasten sind ideale Ziele in jedem Drohnenkrieg. Dagegen helfen nur dezentrale Solaranlagen, Sandspeicher und Notstromaggregate.

Die Gegner der Atomenergie müssten in der Ukraine den Schrott der Drohnen aufkaufen und diesen unter anderem vor unseren atomaren Schrottreaktoren medienwirksam deponieren.

Wie sein Auftritt an der ETH belegt, versteht der neue Chef der Armee, der bereits sechzig Jahre alte Panzer-Bänz, die neue Welt nicht mehr. Er ist vor allem ein politischer Rückenpanzer für Martin Pfister. Mehr nicht.

 

Der Autor ist Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz.

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