Die Turmuhr schlägt zwölf. Vor dem Stockholmer Königsschloss hallt das Echo marschierender Militärstiefel. Junge Soldaten, blonder Flaum ums Kinn, Gewehr im Arm, schreiten unter Schreikommando zur Wachtablösung. Musealer Schauder ergreift die versammelte Touristenschar, die mit gezückten Smartphones das Spektakel festhält.
Was wie antiquiertes Hoftheater wirkt, hat durch die jüngere Entwicklung in Europa brisante Aktualität erhalten. Im Rosenbad, dem schwedischen Regierungssitz, einen Steinwurf vom Schloss entfernt, verkündet Premier Ulf Kristersson «den grössten militärischen Aufrüstungsplan Schwedens seit den Tagen des Kalten Krieges». Auf 3,5 Prozent des Bruttoi ...