Seit Jahrzehnten wird die Zweistaatenlösung auf Konferenzen, in Resolutionen und Gipfelerklärungen beschworen. Zwei Völker, zwei Staaten – so schlicht klingt die Formel, so unlösbar erscheint sie in der Realität.
Während Aussenminister aus aller Welt die Parole gebetsmühlenartig wiederholen, ist sie in Tel Aviv, Ramallah und Gaza längst verbraucht. Dort hat sie nicht nur ihre Strahlkraft verloren – sie stösst mehrheitlich auf Ablehnung.
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Laut einer Umfrage des Pew Research Center, eines unabhängigen Meinungsforschungsinstituts in Washington, glauben nur 21 Prozent der Israelis an eine friedliche Koexistenz Seite an Seite mit einem Staat Palästina. Für Regierungschef Benjamin Netanjahu ist klar, dass «jeder zukünftige unabhängige palästinensische Staat eine Plattform sein würde, um Israel zu zerstören».
Der palästinensische Meinungsforscher Khalil Shikaki fand weder im Westjordanland noch im Gazastreifen eine Mehrheit für die Zweistaatenlösung. In Gaza lehnen sie sogar 65 Prozent ausdrücklich ab. Ghazi Hamad, Mitglied des Hamas-Politbüros, formuliert es unmissverständlich so: «Wir glauben nicht an die Zweistaatenlösung, wir werden Israel nie anerkennen.»
Noch Fragen?
Die Zweistaatenlösung ist in der Region selbst zu einem Phantom geworden: Jeder kennt sie, kaum jemand glaubt noch an sie. Abbas beschwört sie, ohne politisches Gewicht. Die Hamas bekämpft sie. In Israel verteidigt sie nur noch eine marginalisierte liberale Opposition.
Kurz: Die Zweistaatenlösung ist kein realistisches Projekt mehr, sondern ein politisches Ritual. In den Hallen der Uno, in Brüssel oder in Genf wird sie als Wunderformel beschworen, in Tel Aviv, Ramallah und Gaza jedoch abgelehnt oder verspottet.
Einst stand sie für Hoffnung, heute wirkt sie wie ein politisches Placebo: eine leere Formel, die ausserhalb der Region gefeiert wird – während die Menschen, um die es geht, längst nicht mehr an sie glauben. Die Zweistaatenlösung ist nur noch ein Echo westlicher Diplomatie – in der Region selbst klingt es hohl.