Bern sollte der Vorzeigekanton der neuen Mitte-Partei werden. Die frühere CVP war hier historisch schwach, politisch eine Quantité négligeable. Ohne «C» erhoffte sich die Partei unter Präsident Gerhard Pfister, auf tiefem Niveau grosse Sprünge zu machen. Dank den fusionierten BDP-Wählern, den Urbanen, den Jungen, den Frauen und allen anderen tendenziell linken Wählern, die sich von diesem «C» angeblich so abgetörnt fühlten. Sibylle Eigenmann, die damalige Präsidentin der Kantonalpartei und heute persönliche Mitarbeiterin von Mitte-Bundesrat Martin Pfister, rühmte sich damit, aus der katholischen Kirche ausgetreten zu sein.
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Die Berner Grossratswahlen vom Sonntag zeigen nun: Nichts mehr mit dem «Christlichen» zu tun haben zu wollen, ist weder ein Alleinstellungsmerkmal noch ein politisches Programm. Die Mitte verliert drei Mandate und ist mit noch neun Grossratssitzen im Berner Kantonsparlament fast gleich klein wie die national-konservative EDU (mit acht Sitzen).
Dass Pfisters Plan nicht aufgeht, zeigte sich schon bei den Berner Grossratswahlen 2022. Schon damals, auf der Spitze des medialen Mitte-Hypes, verlor die neue Partei an Wähleranteil. Der erhoffte Aufschwung durch die Fusion mit der BDP blieb aus. Das schlechte Resultat konnte aber vom eloquenten Präsidenten noch schöngeredet werden. «Unsere Partei könnte eine Nische sein für konservative Mittewählerinnen und Mittewähler in der Agglomeration, die sich nicht als urban verstehen und nicht GLP wählen», sagte Pfister nach den Wahlen 2022.
Vier Jahre später zeigt sich: Auch die GLP hat Federn lassen müssen (minus einen Sitz), ebenso die EVP (minus vier) sowie die Grünen (minus zwei Sitze). Während die FDP mit 18 Sitzen stabil bleibt, können die SP (plus vier Sitze) sowie die SVP (plus sieben Sitze) dazugewinnen. Das politische Zentrum mit Mitte, GLP und EVP verliert seine Wähler an Parteien, bei denen man weiss, wofür sie mit ihrem Namen stehen. Der neue Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy sollte sich überlegen, wie er das «C» zurückholen kann.