Der neue Papst Leo XIV., erster US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri, steht nicht nur vor theologischen Herausforderungen, sondern auch vor einer dramatischen Finanzkrise im Vatikan. Dies berichtet Politico. Trotz der Kunstschätze in seinen Archiven fehlt es dem Kirchenstaat zunehmend an Liquidität – nicht zuletzt wegen eingebrochener Spenden aus den USA.
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Laut Insidern wurde Leo auch deshalb gewählt, weil man ihm als Amerikaner eine gewisse «angelsächsische Finanzkompetenz» zuschreibt. Der neue Papst soll verlorenes Vertrauen und Spendengelder von konservativen US-Katholiken zurückholen, die sich in den letzten Jahren angesichts immer neuer Skandale und interner Machtkämpfe abgewandt hatten.
Der konservative Kurs des neuen Pontifex kommt offenbar gut an. «Einige der grössten Spender im Land sind absolut begeistert», so ein führender US-Katholik anonym gegenüber Medien. Zwar seien noch keine grossen Summen geflossen, doch die Stimmung sei «zehn von zehn».
Finanziell wäre ein Aufschwung dringend nötig. Laut Reuters belief sich das Defizit des Vatikan im Jahr 2024 auf 83 Millionen Euro – mehr als doppelt so hoch wie die 38 Millionen Euro, die im letzten veröffentlichten Finanzbericht für 2022 ausgewiesen worden waren. Hinzu kommen Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro sowie Altlasten aus der Vatikanbank, dem skandalumwitterten «Institut für die religiösen Werke» (IOR).
Papst Leo XIV. hat ein Erbe angetreten, das von tiefen Spaltungen innerhalb der Kirche, dem Ringen zwischen Moderne und Tradition und einem beschädigten Vertrauen in die Verwaltung geprägt ist. Nun versucht er, das Ruder nicht nur geistlich, sondern auch finanziell herumzureissen – mit Hilfe seiner konservativen Landsleute.