Der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner war Held und Medienstar. Er verschob Grenzen und wagte sich in Bereiche, die für die Menschheit unerreichbar schienen. Und er fürchtete sich auch nicht davor, auf dem Boden der irdischen Tatsachen das Kind beim Namen zu nennen.
© APA/APA / BARBARA GINDL
2016 forderte er in einem Interview eine «gemässigte Diktatur» und meinte, in einer Demokratie könne man nichts bewegen. 2017 äusserte er sich abfällig über Österreichs Migrationspolitik. Während der Corona-Pandemie trat in regierungskritischen Kreisen auf. Und zuletzt sorgte er mit Aussagen über die Schweizer Fussballerin Alisha Lehmann für eine Kontroverse. Er verspottete die Forderung der Bernerin nach Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen im Fussball.
Dies muss man wissen, um die Tonalität der meisten Nachrufe über diesen charismatischen Grenzgänger zu verstehen. Baumgartner bleibt das verwehrt, was in der Regel jedem Menschen gebührt – was quasi dem gesunden Menschenverstand entspricht: eine respektvolle und würdevolle Anerkennung seines Lebenswerks. Doch dafür war Felix Baumgartner offenbar zu wenig weichgespült und angepasst – zu wenig woke.
Das Magazin Focus titelt: «Der Provokateur Felix Baumgartner: Kurz vor seinem Tod legte er sich mit Alisha Lehmann an». Die Süddeutsche sucht nach den melancholischen Seiten von Baumgartners Leben: «Zum Tod eines einsamen Helden, der sich gelegentlich auch mal verrannte». Die Frankfurter Allgemeine sieht in der politischen «Haltung» des Verstorbenen etwas Stossendes. Der Österreicher habe zeiget, dass man auch in Unsinn und sogar Demokratiefeindlichkeit Haltung zeigen könne. Immerhin liefert die Zeitung die Einschätzung nach, dass Baumgartner als ein Abenteurer in Erinnerung bleiben werde, «der bereit war, die Grenzen des Machbaren auszuloten und in neue Dimensionen zu verschieben».
Der Stern schliesslich packt die volle Dröhnung Moralismus und Ideologie aus: «Felix Baumgartner sprang vom Weltall zur Erde. Er hätte ein Held sein können. Doch er erging sich in rechtsnationalen Schwurbeleien und verzwergte sich damit selbst.»
Es ist die Bild, die praktisch als einzige deutsche Publikation Trauer und Empathie zulässt. Sie zitiert den Instagram-Account von Baumgartners Langzeitfreundin, Mihaela Schwartzenberg: «Meine Worte kommen gerade nicht heraus. Aber ich bin dankbar für deine … Felix, du wurdest so geliebt … Wir waren LIEBE …»
Es sind berührende Worte – Worte, wie man sie sich für einen tragisch verstorbenen Menschen wünscht. Egal, welche politische und gesellschaftliche Haltung er vertreten hatte.