Der Zukunftsforscher Hartwin Maas warnt, dass Künstliche Intelligenz das Studium entkernt und akademische Abschlüsse an Wert verlieren lässt – besonders in Geistes- und Sozialwissenschaften. Maas sagt der FAZ: «Den Studenten fehlt es an fundamentalen Fähigkeiten.»
Der Mitgründer des Instituts für Generationenforschung beobachtet, dass KI im Studium heute Aufgaben übernimmt, «die früher den Kern des Lernens ausgemacht haben». Studenten würden Dokumente hochladen, Zusammenfassungen erstellen und sich teils nur noch oberflächlich mit der Materie befassen. Wer Inhalte nicht selbst erarbeite, könne sie später auch nicht anwenden. Studenten, «die noch nie KI in ihrem Studium angewandt haben», lägen «im einstelligen Prozentbereich». Zugleich werde durch eine Copy-and-Paste-Mentalität das «um die Ecke denken» weniger trainiert.
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Maas sieht die Folgen bereits in der Arbeitswelt: Vielen fehle die Fähigkeit, Wissen eigenständig auf neue Probleme zu übertragen – also genau das, was ein Studium eigentlich leisten sollte. Gleichzeitig überschätzten sich manche Akademiker beim Berufseinstieg. Er verweist zudem auf Hinweise, wonach die «massive Nutzung von Sprachmodellen wie ChatGPT» die Synapsenbildung reduziere. Auch Professoren klagten über Defizite; «30 bis 50 Prozent der Studenten» hätten «in der Universität eigentlich gar nichts verloren».
Für Maas steht damit auch das Ansehen des Abschlusses auf dem Spiel. In einer Jugendtrendstudie 2025 habe man festgestellt, dass erhöhte KI-Anwendungen «negative Auswirkungen insbesondere auf das Ansehen des akademischen Abschlusses» haben dürften, wenn sich der Rahmen nicht ändere. Hochschulen müssten stärker vermitteln, «wie KI funktioniert» und wie Ergebnisse kritisch geprüft werden. Maas fordert zudem wieder mehr «Aussieben» im Studium.
Sollte die Entwicklung so weitergehen, rät Maas in manchen Fällen sogar von einem Studium ab. Gleichzeitig erwartet er, dass Kompetenzen, Teamarbeit und praktische Berufe an Bedeutung gewinnen – und das Handwerk an Attraktivität zulegt.