Die Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus verzeichnen bundesweit einen dramatischen Anstieg an Anfragen. Immer häufiger treten bereits Zehn- bis Zwölfjährige als überzeugte Neonazis auf, schreibt die Zeitung Die Welt. In einzelnen Schulen drohe gar eine rechte Hegemonie. Dies geht aus dem Jahresbericht des Bundesverbandes Mobile Beratung hervor.
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Romy Arnold, Vertreterin der Mobilen Beratung in Thüringen, sprach von einem «neuen Ausmass» der «Normalisierung» rechtsextremer Tendenzen. Die Beratungsanfragen seien im Vergleich zum Vorjahr um 5 bis 20 Prozent gestiegen. Dabei nehme nicht nur die Zahl, sondern auch die Komplexität der Fälle spürbar zu. Lehrer, Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter suchten immer häufiger Unterstützung – auch weil sie zunehmend Ziel rechter Einschüchterung würden.
Ein Kernproblem sei, dass Rechtsextreme zunehmend erfolgreich das sogenannte Neutralitätsgebot instrumentalisierten – um demokratisches Engagement in Schulen und Kommunen zu delegitimieren. Laut Arnold ist dies oft verbunden mit Misstrauen gegenüber zivilgesellschaftlichen Initiativen, die wiederum pauschal als linksradikal diffamiert würden.
Die Beratungsstellen selbst geraten dabei ebenfalls unter Druck. Für 2026 gebe es bislang keine Förderzusagen – viele Einrichtungen stünden damit finanziell in der Luft.