Innerhalb der Union ist eine neue Debatte über den Umgang mit der AfD entbrannt. Ausgerechnet zwei frühere Spitzenpolitiker der CDU – Peter Tauber und Karl-Theodor zu Guttenberg – plädieren für eine strategische Neuausrichtung und stellen die bisherige Brandmauer-Politik offen in Frage, berichtet die Bild-Zeitung.
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Tauber, ehemaliger Generalsekretär unter Angela Merkel, kritisierte im Gespräch mit dem Magazin Stern die pauschale Ausgrenzung der AfD. Die derzeitige «Stigmatisierung hilft der AfD nur noch», sagte Tauber. Stattdessen solle die Union über eine «Politik der roten Linien» nachdenken, bei der auch AfD-Zustimmungen zu Unionsanträgen akzeptiert würden.
Zu Guttenberg, Deutschlands ehemaliger Verteidigungsminister, geht noch weiter. Angesichts möglicher Wahlsiege der AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bringt er eine CDU-Minderheitsregierung ins Spiel – notfalls mit Stimmen der AfD. «Wovor haben wir Angst?», fragte er und forderte mehr inhaltliche Konfrontation statt Boykott. AfD-Funktionäre bezeichnete er als «intellektuelle Flachwurzler».
Der Vorstoss hat Sprengkraft, denn Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuletzt erneut bekräftigt, jede Zusammenarbeit mit der AfD abzulehnen. Die Weltwoche berichtete. In Umfragen liegt die CDU in Ostdeutschland teils deutlich hinter der AfD, bundesweit ist die Oppositionspartei ebenfalls auf Platz eins in der Wählergunst. Tauber warnte vor einer politischen Blockade, die an DDR-Zeiten erinnere, wenn «alle anderen Parteien gemeinsame Sache gegen die AfD machen».