Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich für die Stationierung europäischer Truppen nahe der Frontlinie im Falle einer Waffenruhe mit Russland ausgesprochen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) sagte Selenskyj: «Natürlich möchten die Ukrainer, dass unsere Partner mit uns an der Frontlinie zusammenstehen.» Zugleich räumte er ein: «natürlich niemand an der ersten Linie stehen möchte.»
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Selenskyj machte seine Aussagen vor dem Hintergrund möglicher Verhandlungen über eine Feuerpause. Er betonte, eine internationale Präsenz könne als Sicherheitsgarantie dienen und helfen, eine erneute Eskalation zu verhindern. Details zu Umfang oder Mandat solcher Truppen nannte er nicht. Mehrere europäische Staaten hatten sich in der Vergangenheit zurückhaltend zu einer direkten militärischen Präsenz in Frontnähe geäussert.
In dem Gespräch erhob Selenskyj zudem schwere Vorwürfe gegen Moskau und Washington. «Sowohl die Amerikaner als auch die Russen sagen: Wenn Ihr wollt, dass der Krieg morgen endet, dann geht aus dem Donbass raus», erklärte er. Damit stellte er die Forderung in den Raum, die Ukraine solle sich vollständig aus der ostukrainischen Region zurückziehen.
Russland beansprucht den gesamten Donbass für sich, kontrolliert militärisch jedoch nur Teile der Region. Kiew lehnt territoriale Zugeständnisse bislang ab und pocht auf die Wiederherstellung der territorialen Integrität. Die Frage des Donbass gilt als einer der zentralen Streitpunkte in möglichen Friedensverhandlungen.