Blick spricht mit der Stadtplanerin Regula Lüscher über die Wohnungsnot in der Schweiz, ohne die starke Zuwanderung nur mit einer einzigen Silbe zu erwähnen. Lüscher, lange Jahre Senatsbaudirektorin in Berlin, spricht über gierige Investoren, über das Raumplanungsgesetz und dass es staatlichen Zwang brauche, um den Wohnungsmarkt in den Griff zu bekommen.
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Dass in den letzten zwanzig Jahren 1,5 Millionen Menschen netto dazugekommen sind, die auch allesamt ein Dach über dem Kopf brauchen und entsprechend die Wohnungspreise in die Höhe treiben, kommt im ganzen Interview gar nicht zur Sprache. 1,5 Millionen Menschen – das heisst, dass man in den letzten zwanzig Jahren dreimal die Stadt Zürich bauen musste.
Statt die Zuwanderung zu drosseln, rät Lüscher den Schweizern, künftig auf eine eigene Küche, das Gästezimmer oder auf die Stube zu verzichten. «Braucht wirklich jede Wohnung alles, oder könnten Wohnparteien bestimmte Dinge teilen?», fragt Lüscher. Die Schweiz als WG – wer macht den Abwasch, wer bringt den Müll raus?
Die 63-jährige Architektin selbst geht mit «gutem» Beispiel voran. Auf Anfrage schreibt Lüscher: «Ich wohne in Berlin als Mieterin in einer Wohngemeinschaft und teile Wohnbereich, Küche und Bad/WC mit den Mitbewohnenden. Mit meinem Mann teile ich einen Raum, der auch mein Büro ist. In der Schweiz bewohne ich einen Raum allein, der gleichzeitig mein Büro ist, und teile Wohnzimmer, Küche, Bad und Schlafzimmer. Auch in der Schweiz bin ich Mieterin.» Gesamthaft konsumiere sie allein eine Wohnfläche von unter vierzig Quadratmetern.