Trumps Krieg gegen das iranische Regime ist nicht populär. Mehr als die Hälfte der Amerikaner ist dagegen. Auch unter Konservativen wächst Ablehnung. Und je länger er dauert, desto eifriger sucht die Presse nach Dissonanzen in der Regierung.
Gab es in Trumps Team nicht prominente Gegner von kriegerischen Interventionen? Tulsi Gabbard etwa, die Koordinatorin der Nationalen Geheimdienste. Und vor allen: Vize-Präsident J. D. Vance, der einst als Marine-Infanterist im Irak gekämpft hat.
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Sofort wurden entsprechende Zitate aus dem Archiv gezupft: Ein Gastbeitrag im Wall Street Journal zum Beispiel, indem Vance Trumps dritte Kandidatur für das Weisse Haus unterstützte: «Trumps beste Aussenpolitik? Keine Kriege anzufangen», lautete der Titel.
Oder Vances Schelte für Kollegen im US-Senat, die sich für mehr militärische Interventionen im Ausland aussprachen. «Als ich in den Irak ging, sah ich, dass ich belogen worden war», so Vance. «Zu viele in diesem Saal haben beschlossen, dass wir die ganze Welt kontrollieren sollten.»
Kaum fiel im Iran die erste Bombe, schauten Medien gebannt auf den prominenten Kriegskritiker.
Er schwieg. «Wo zum Teufel ist JD Vance?», fragte Marjorie Taylor Greene, ehemalige Trump-Loyalistin, vormals Abgeordnete aus Georgia und überzeugte Isolationistin.
Nach 72 Stunden brach Vance sein Schweigen. Der Präsident habe nicht vor, die USA in einen weiteren langwierigen Militäreinsatz im Nahen Osten zu führen. «Es ist einfach unmöglich, dass Donald Trump zulassen wird, dass dieses Land in einen mehrjährigen Konflikt gerät, dessen Ende nicht absehbar ist und der kein klares Ziel hat.»
Kurz darauf schien er auf Trumps Linie einzuschwenken: «Iran darf niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen. Das ist das Ziel dieser Operation, und Präsident Trump wird sie bis zum Ende durchziehen.»
Dennoch halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach sich Vance hinter den Kulissen äusserst skeptisch bis ablehnend äussere.
Trump versucht derweil die Wogen zu glätten. Auf eine Reporterfrage, ob er und sein Vizepräsident unterschiedlicher Meinung über den Krieg seien, antwortete der Präsident: «Nein, wir verstehen uns in dieser Frage sehr gut. Ich würde sagen, dass er philosophisch gesehen etwas anders tickt als ich. Ich glaube, er war vielleicht weniger begeistert davon, aber vielleicht war er doch ziemlich begeistert.»
Trumps Wortakrobatik bestätigt: In seiner Führungsriege gibt es Differenzen zum Iran-Krieg. Und das ist gut so. Das schafft Möglichkeiten, Fehler zu korrigieren.
Und es straft jene Medien Lügen, die Trumps Team als Haufen von «Ja-Sagern» und kadavergehorsamen Loyalisten in den Boden schreiben.