Die Zahl der arbeitsbezogenen Zuwanderer in wohlhabende OECD-Länder ist 2024 um über ein Fünftel zurückgegangen. Das zeigt ein neuer Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Demnach sank die Zahl der permanenten Arbeitsmigranten in die Mitgliedsstaaten um 21 Prozent auf 934.000 Personen – und das noch vor möglichen zusätzlichen Restriktionen unter einer neuen US-Regierung unter Donald Trump.
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Die Pariser Organisation führt den Rückgang unter anderem auf restriktivere Einwanderungspolitiken zurück – etwa in Grossbritannien, wo die Nettozuwanderung 2024 um über 40 Prozent fiel. Aber auch ohne politische Kurswechsel sank die Arbeitsmigration in den meisten EU-Staaten – etwa in Deutschland und den Niederlanden – unter das Niveau von 2019.
Jean-Christophe Dumont, Leiter der OECD-Abteilung für internationale Migration, erklärte: «Das spiegelt eine weniger günstige wirtschaftliche Lage wider», ergänzt um den Umstand, dass viele ukrainische Flüchtlinge Engpässe in chronisch unterbesetzten Branchen abgemildert hätten.
Auch die internationale Studierendenmigration ist betroffen: Ihre Zahl ging 2024 um 13 Prozent zurück – laut OECD eine Folge verschärfter Visaregeln in den vier grossen englischsprachigen Aufnahmeländern USA, Kanada, Australien und Grossbritannien. Man reagiere dort zunehmend auf Betrugsverdacht und Wohnungsnot.
Anders verlief die Entwicklung bei der Zuwanderung aus familiären oder humanitären Gründen – diese legte 2024 weiter zu. In den USA stieg die Zahl der Asylanträge im letzten Amtsjahr von Präsident Biden deutlich an, ebenso wie die irregulären Einreisen über den Ärmelkanal nach Grossbritannien.
Insgesamt sank die permanente Migration in die Industrieländer nur um vier Prozent auf 6,2 Millionen. Sie liegt damit noch immer 15 Prozent über dem Stand vor der Pandemie. Die temporäre Arbeitsmigration blieb stabil bei 2,3 Millionen Personen – das sind 26 Prozent mehr als 2019.